laut – Despoten lachen, Sklaven heulen. –
Die Chöre der arbeitsamen Sänger stehen einsam und weinen, in das Gewand der Trauer gehüllt, und singen Klagelieder – und seufzen: Tubalkain! –
Was soll ich aus dem Jungen machen? fragte Hartknopfs Vater den Emeritus: – nichts anders als einen Grobschmidt, war des Emeritus Antwort, und Hartknopfs Vater schüttelte den Kopf: er hat doch so ein vortreffliches Ingenium! – desto besser! sagte der Emeritus.
Der Emeritus kam alle Tage in des alten Hartknopfs Schmiede – sie wurde von ihm zum Heiligtum der Weissheit und hoher Geheim, nisse eingeweiht – der junge Hartknopf sass da zu seinen Fussen und sog die süssen Lehren von seinen Lippen ein – unter ihm bildete sich sein Geist, und wuchs mit seinem Körper, den die Arbeit abhärtete und gesund erhielt. –
Aber leider, wich der alte Hartknopf von der rechten Strasse ab – nur noch einen Schritt, so wäre er vor dem gefährlichen Abgrunde vorbei gewesen – aber er tat ihn nicht, und nun konnte nichts ihn retten. – Er eilte unaufhaltsam seinem Verderben zu – Gold, Gold, Gold! war sein einziger Gedanke, vom frühen Morgen an bis in die späte Mitternacht, und das edle Eisen war verdrängt –
Mitleidig streckte der Emeritus noch seine hände nach ihm aus, und wollte ihn retten, aber vergeblich, er versank in dem Abgrunde, vor dem ihn sein Freund so oft gewarnt hatte.
Der Unglückliche musste im Elend sterben – sein Vermögen war im Rauch aufgegangen, die Schmiede verkauft – und in einer armseeligen Hütte musste er seinen Erlöser, den Tod, erwarten. – Dieser kam, und er empfing ihn mit freudigem Entzücken, nachdem der Emeritus vorher noch seine beichte gehört, und ihm im Nahmen Gottes die Absolution erteilet hatte.
Da der Emeritus den Vater nicht hatte retten können, so hatte er doch den Sohn zu retten gesucht, und sobald der Vater anfing zu laboriren, trieb er, dass der Sohn auf die Wanderschaft gehen musste, da er erst neunzehn Jahr alt war – und diess war auch hohe Zeit, wenn er nicht an eben der Klippe scheitern sollte, woran sein Vater gescheitert war. – –
Auri Sacra Fames.
schrieb der Emeritus mit ein wenig Bleistift auf des alten Hartknopfs Leichenstein.
O du verfluchter Durst nach Gold! von welchem Satan stammst du her? War es nicht jener gefallne Geist, der statt sein Auge zu Gott seinem Urheber emporzuheben, nur immer auf das goldne Estrich des himmels seine Blicke heftete, ehe die Hand des Ewigen ihn in den Abgrund hinunter schleuderte?
Ein jeder, der die ächte Weissheit suchte, kam an diesen Scheideweg – wenige vermieden den zur Linken –
Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwähler.
Hier liegt der Grenzstein, der die Weissheit von der Torheit scheidet – ein ungeheurer Klumpen Gold – wer ihn mit Gleichmut betrachtet und vorübergeht – den hat die Weissheit schon in der Wiege angelächelt, und ihn zu ihrem Schüler eingeweiht – den leitet sein guter Genius zum Ziele hin, und lässt ihn den ächten Stein der Weisen finden, den Hartknopfs Vater vergeblich gesucht hatte, weil sein Sohn ihn einst finden sollte.
Der den Vater verworfen hatte, der hatte den Sohn erwählet – es musste ein solcher Vater sein, um einen solchen Sohn zu zeugen! – aber auch eine solche Mutter, wie Hartknopfs Mutter war – saust und mild, wie das Abendrot – sie welkte dahin, nachdem sie diesen einzigen Sohn gebohren hatte – sie hatte mit ihm ihr Ziel erreicht:
Denn nach Unsterblichkeit sehnet sich nur der
Himmelgebohrne,
Aber Vernichtung ist süss dem müden Waller im
Staube
Wäre Hartknopfs Vater den Goldklumpen vorbeigegangen – – Doch er ist es nun einmal nicht – seine Asche ruhe im Frieden!
Tausende sind wie er von der rechten Bahn abgewichen, und welchen noch täglich davon ab – denn blendend und lockend ist die Frucht des Baumes, von dem da nicht essen sollst, wenn du nicht willst eines doppelten Todes sterben.
Gold siegt über die Kraft des Eisens – sprengt Schlösser auf; hält Schwerdter in den Scheiden – löset das Verbundne auf, und bindet das Gelösste wieder – bildet Armeen – bauet Städte; lässt Palläste himmelan steigen – befestiget Könige auf ihren Tronen und stürzt sie herab – welch ein allmächtiges Spielwerk ist das Gold in der Hand des Sterblichen!
Was Wunder, dass Toren bis zu ihrem letzten Atemzuge darnach die hände ausstrecken, und Weisen Mühe haben, hier nicht Toren zu sein! Was Wunder dass oft selbst der missverstandne Bund der Weissheit und der Tugend im Chor der arbeitsamen Sänger, nach diesem höchsten Gute zu streben heischt, wie ein Irrlicht durch seinen falschen Schimmer auch zuweilen das Auge des vorsichtigen Wandrers blendet, und ihn in Sümpfe und Moräste führt, wo sein Fuss keinen Grund mehr findet, und er ohne Rettung versinken muss.
Verstopfet eure Ohren, ihr Schüler der Weissheit, vor dem heisern Geschrei der falschen Wegweiser, die euch zu dem Quell führen wollen, woraus Gold unter dem dreifach gestalteten rötlichen Quaderstein in hellen Strömen hervorquillt –
Horcht nicht auf ihre stimme – der Goldstrom ist nicht rein – die Quelle ist getrübt – und der rötliche Quaderstein ist mit falschen Farben angestrichen – ein Betrüger hat ihn hingewälzt – den rechten hat eine unsichtbare Hand hinweggenommen.
Hartknopfs Gesellenjahre.
Als Schmiedeknecht wanderte Hartknopf in Erfurt ein, als Kandidat der Teologie wanderte er wieder aus, ohne dass er deswegen aufgehört hätte, ein Schmidt zu sein.
In einem halben Jahre hatte er