Nacht bildet sich der schöne Tag –
O pflanzt den Gedanken an den Tod fest in die jungen Seelen, ihr Pädagogen unsrer zeiten, und ihr werdet wieder Männer statt Knaben ziehen – Euer ganzes Gebäude wird sich fester auf diese Basis stützen; wenn die Menschen erst wissen werden, dass sie leben, dann erst werden sie jeden Augenblick ihres Lebens nutzen – und wenn sie jeden Augenblick ihres Lebens nutzen, dann erst ist Euer Werk gekrönt.
Denn hin und wieder eine wohlangewandte Stunde oder ein wohlangewandter Tag ist mehr ein Werk des Zufalls, als ein Werk der Kunst. – Die Lebenskunst muss durch alle Stunden und Minuten durchgehen, wie die Regel durch das Werk. –
Dazu ist nötig, dass der Mensch in jedem Augenblick wisse und empfinde, dass er lebe, welches ohne den festen Gedanken an den Tod unmöglich ist. – Wer sich aber den einmal zu eigen gemacht hat, der kann sein
memento mori
mit eben so unumwölkter und heitrer Stirne sagen, womit er im Kreise seiner Freunde ein fröhliches Trinklied singt. und denn auch noch darin, dass er seinen Sohn empfinden lehrte, wie töricht es sei, einen Stein, an den man sich gestossen hat, mit dem Stocke zu schlagen, oder sich gegen den Regen, die Kälte, und den Sturmwind aufzulehnen – er lehrte ihn früh die notwendigkeit, sich der unvernünftigen Stärke zu unterwerfen. – –
Am meisten aber suchte er seine Lebensgeister beständig in Bewegung zu erhalten, und war in den Augenblicken am aufmerksamsten auf ihn, wo er mit dem Finger Figuren in den Sand zeichnete, oder mit Kreide auf den Tisch mahlte, oder die Gestalt der Wolken am Himmel zu aufmerksam betrachtete.
Das A B C liess er ihn lernen, da er zehn Jahre alt war, und vor dem vierzehnten Jahre durfte er den Nahmen Gottes nicht aussprechen.
Etwas von Nägeln und Schlössern.
Was Wunder nun, dass Hartknopf seine Wanderung gegen Osten eine Zeitlang unterbrach, da er hier solch einen Vetter und solch einen Freund an dem Emeritus wiedergefunden hatte – obgleich Hagebuck und Küster, und der empfindsame und aufgeklärte Prediger ihm nicht so sehr behagen konnten, dass er um ihrentwillen länger in Gellenhausen geblieben wäre.
Mit der Erzählung seiner Schicksale aber, die er seinem Vetter Knapp versprochen hatte, hielt es etwas hart – hie und da einmal ein Stück aus seinem Leben, wo er es nützlich und schicklich fand, das war alles, was man aus ihm herausbringen konnte.
Ich werde also wohl auch für ihn nur das Wort nehmen müssen, wenn der Leser etwas erfahren soll.
Woher ich nun aber mehr von ihm weiss, und erfahren habe, als Knapp und der Emeritus, und in was für Verhältnissen ich mit ihm gestanden habe, und wie es mir gelungen ist, mir seine Freundschaft in dem Grade zu erwerben, dass er mich in das Innerste seiner Seele hat blicken lassen; davon sollte ich wohl ein Wörtchen beibringen – es wird aber zu seiner Zelt geschehen.
So viel habe ich schon verraten, dass Hartknopf seines Handwerks ein Priester und ein Grobschmidt war – seiner leiblichen Geburt Nach war er nämlich ein Grobschmidt – seiner geistlichen Geburt nach aber ein Priester, von Kindheit auf geweiht, kein Unheiliges anzurühren, um einst in Unschuld und Reinigkeit des Herzens in dem grossen Tempel des Heiligen und wahren als ein Priester Gottes zu dienen.
Tubalkain war sein grosser Ahnherr – man fand diesen Nahmen in sein Petschaft eingegraben, und auf dem Taschenmesser stand er auch, das er sich selbst geschmiedet hatte – denn Messer konnte er auch schmieden.
Da er noch ein Kind war, lernten seine zarten hände zuerst mit dem grossen schweren Hammer spielen, der er kaum zu heben vermochte – aber sein Arm wurde früh nervigt, und stark; bald musste unter seinen wiederhohlten Schlügen der Ambos seufzen, und das glühende Eisen geschmeidig werden. – Der Nagel war das erste, was durch seine hände aus der unförmlichen Masse Bildung und Form erhielt, die Fugen des losen zu befestigen, das zertrennliche unzertrennbar zu machen, und auf die Weise eine Schöpfung neuer Wesen zusammenzuzwängen, worüber die alte natur erstaunt, wenn sie aus der Tiefe der grauen Vorzeit auf die neuen Geburten emporschaut, die in ihrem Schooss erstanden sind –
Dass der Mensch, von ihr gezeugt, in ihre Eingeweide herabstieg, und das Eisen hervorgrub, womit er sie zu einer neuen Geburt beschwängerte; dass aus den Wäldern und Steinbrüchen Städte mit Pallästen und Türmen sich erhuben, Schiffe auf dem rücken des Meeres emporstiegen; der aufgerissnen Erde der Saamen eingestreut, und volle Erndten aus ihrem Schooss hervorgezwängt wurden; dass der zersägte Eichenstamm sich zum stuhl krümmte, und zum Tische erhub, auf dessen glatter Fläche Auge und Hand sanft hingleitet.
Das mächtige Schloss verwahrt und schützt das Eigentum, und hat Gemeinschaft und Absondrung in des Menschen Willkühr gesetzt. –
Ist es nicht Tubalkain, der verschlossne Türen eröfnet? – –
Ihm klingt auch das frohe Spiel der Sensen an schwülen Erndtetagen – ihm tönet das Gehämmer vor den dampfenden Feueröfen – ihm das Leben und Wirksamkeit atmende Geräusch, aus den Werkstätten der Künstler und Arbeiter in allerlei Stein und Erzt –
Ihn preisen die Chöre der arbeitsamen Sänger mehr als den Flötenspieler. – –
Aber ach, die Schärfe des Eisens wendet sich – die Geister der gefällten Eichstämme seufzen durch die Lüfte, und verkündigen Unheil über das Menschengeschlecht –
Das Spiel der Sensen ertönt nicht mehr – Feuerschlünde eröfnen sich – die Bombe kracht – Schwerster wühlen in menschlichen Eingeweiden – Ketten klirren