auf die Leiche herunter sah – und: wohl dir! stimmte der Emeritus ein –
Sie scharrten darauf mit ihren Stäben, so gut sie konnten, ein Loch in die Erde, legten den Pudel sanft hinein, und scharrten mit den Füssen einen kleinen Hügel von Erde über ihn zusammen – darauf gingen sie Hand in Hand den Berg herunter, und wanderten wieder dem Tore zu, und als sie nun bald am Tore waren, kam ihnen der Gastwirt Knapp entgegen, und fragte, ob sein Pudel nicht bei ihnen wäre; denn er pflegte sonst immer des Morgens vor sein Bette zu kommen, und ihn durch ein sanftes Bellen zu wekken – und heute habe er die Zeit verschlafen –
Sei er unbekümmert, sein Pudel verschläft auch die Zeit, sagte Hartknopf, er liegt in guter Ruhe – der Scharfrichter Hagebuck hat ihn auf dem Galgenberge durch einen sanften Stoss vom Leben zum tod gebracht – und wir haben ihn ehrlich begraben, dass kann er versichert sein – will er ihm auch ein Epitaphium setzen, so will ich ihm den Fleck zeigen, wo er liegt.
Ja, ja! sagte der Gastwirt Knapp, er hat gut Reden – der Pudel ist ihm wohl freilich nicht so aus Herz gewachsen – aber er wird doch auch zurückdenken können, dass ich und der Pudel ihm noch das Geleite gaben, da er auf die Wanderschaft ging, und das ist doch keine kleine Zeit her – wodurch wächst einem denn eine Sache ans Herz, als durch die Zeit? – Zwar er hat während der Zeit mit dem Pudel weiter keinen Umgang gehabt, und hat auch durch Briefe nichts von ihm erfahren – – mich aber hat er alle Morgen frühzeitig geweckt, indem er vor mein Bette kam, und sanft bellte. – Lieber Vetter, der Hund ist meine Uhr gewesen – ich konnte mich nach ihm richten, wenn es Essenszeit war; dann scharrte er an der tür, und ich fand immer, dass es gerade die rechte Zelt zum Essen war – dass er mir zweimal das Leben gerettet hat, wird er wissen, oder weiss er es nicht, so will ich es ihm erzählen. –
Ich weiss es, er hat es mir gestern erzählt, sagte Hartknopf – Nun so wird er doch auch wissen, dass er dabei das erstemal lahm wurde, und das zweitemal ein Auge verlohr – darum lass' er meinen Pudel in Frieden ruhen, und spotte er nicht mit dem Epitaphium! –
Ich spotte nicht, sagte Hartknopf – sondern wenn er will, so will ich ihm selbst eine Grabschrift machen helfen, die wollen wir aufschreiben und wie eine Fahne an einen Stock heften, dass sie Hagebuck morgen früh mit seinen Zöglingen lesen kann:
Der einäugig und lahm
Hier sein Ende nahm,
War einäugig und lahm,
Weil er zweimal seinem Herrn
In Todesnot zu hülfe kam.
Ein Schuft erschlug ihn,
Sein Herr beweint ihn,
Die Erde deckt ihn,
Sie deck' ihn leicht!
schreibe' er mir doch das auf Vetter, sagte Knapp – und Hartknopf schrieb es ihm auf –
Drauf tröstete der Emeritus seinen Gevatter Knapp, über den Verlust seines Pudels, und sagte, der Pudel sei gleichsam ein Emeritus, oder ein ausgedienter gewesen, der denn doch auch einmal in Ruhe zu sein wünschte. –
Aber er war auch gewiss ein sehr meritirter Emeritus, erwiderte Knapp – war er es nicht?
Allerdings, sagte der Emeritus – das verlohrne Auge war sein Stern, und das lahme Bein sein Ordensband –
Das Gleichniss hinkt! – sagte Hartknopf – Lass er es hinken! erwiderte der Emeritus.
Der hohe Beruf eines Gastwirtes.
Während diesen Gesprächen waren sie wieder bis an den Gastof zum Paradiese gekommen – der Emeritus nahm Abschied – und ging zu haus – er wohnte aber nicht weit um die Ecke nach der Kirche zu, in einem alten Schulhause, wo ein kleines Fenster in seiner kammer auf den Kirchhof zu ging; aus diesem Fenster hatte er den Abend vorher, die dramatische Uebung mit angesehen, und drauf hatte er Hartknopfen mit seinem Vetter Knapp kommen sehen, und war zu ihnen heruntergeeilt.
Man wird sich wundern, dass Hartknopf nicht gleich bei seiner Ankunft nach dem Emeritus fragte – aber er war nicht von vielen fragen – und der Emeritus war ihm in seinem Herzen sicher genug, er mochte nun leben oder tot sein.
Seinen Vetter Knapp aber fragte er jetzt, wie er denn gelebt hätte, und ob er auch den hohen Beruf eines Gastwirts nach allen seinen Kräften zu erfüllen gesucht hätte – Knapp meinte, er hätte noch weit mehr tun können, er wollte aber das Versäumte noch so viel wie möglich wieder nachzuhohlen suchen. – Weiter sagte er nichts. –
Da nun des guten Knapps Bescheidenheit ihn so stumm machte, so muss ich wohl das Wort für ihn nehmen, und etwas weniges von seiner Lebensweise beibringen, das ihn dem Leser bemerkenswerter macht, als er ihm bisher vielleicht geschienen hat.
Ich habe schon bemerkt, dass im Gastofe zum Paradiese die Zöllner und Sünder, die Niedrigsten aus dem volk herbergten – wer zu Ross oder zu Wagen kam, der kehrte schwerlich im Paradiese ein, wenn nicht die drei Kronen oder der goldne Hirsch schon besetzt waren – aber der ermüdete Wandrer, fand hier eine sichre und wohlfeile Herberge – Der Handwerksbursch der mit seinem Felleisen belastet, oft mit leerem Beutel und leerem Magen, bloss wandert um zu wandern, und den strengen Zunftgesetzen ein Gnüge zu leisten, die ihn aus seiner süssen