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Kränkende, was er empfunden hatte und noch empfand, in Worte einzukleiden, um es seiner Einbildungskraft desto lebhafter vorstellen zu können. – Und ehe das Chorsingen noch geendigt war, war auch schon der Aufsatz, den er zu haus niederschreiben wollte, unter allen Geräusch und Spott und Hohngelächter, das ihn umgab, völlig vollendetund die Freude darüber erhob ihn gewissermassen über sich selbst und seinen eigenen Kummer. – Sobald er zu haus kam, schrieb er mit einer sonderbaren gemischten wehmütigen Empfindung, voll Schmerz über seinen Zustand und voll Freude, dass es ihm gelungen war, durch die Sprache ein lebhaftes Bild von seinem Zustande zu entwerfen, folgende Worte nieder:

An Reiser!

Wie traurig ist doch das Dasein der Menschenund dieses nichtige Dasein machen wir uns noch selbst einander unerträglich, statt dass wir durch vertrauliche Geselligkeit uns in dieser Wüste des Lebens einander unsre Last erleichtern sollten. – –

Ist es nicht genug, dass wir im beständigen Wahn und Irrtum wie in einem bezauberten land herumirren?

Müssen uns auch noch Ungeheuer anschreien? – Muss auch noch ein boshafter Satyr uns mit seinem Hohngelächter die Seele durchbohren? –

Wie öde, wie traurig ist hier alles um mich her! – Und ich muss verlassen und einsam hier herumirrenkeine Stütze, kein Führer! –

Wohl mir! einen Haufen erblick ich dort; Menschen, mir gleich, auch diese Wüste durchirrend. –

"O nehmt mich auf, Freunde, nehmt mich auf, dass ich mit euch diese Wüste durchziehe; und sie wird mir zur grünenden Aue werden!"

Sie nehmen mich aufwohl mir! – –

Weh mir! – was sehe ich? – Sind das noch die Menschen, meine Brüder? –

Ach, ihre Larve fällt abund Teufel sindsund zur Hölle wird mir nun die Wüste. –

Ich fliehe, und ihr Hohngelächter heulet mir nach – –

'So habt ihr mich betrogen, menschliche Larven? – Ha, keine Larve soll mich wieder betrügen! – Nun sei mir willkommen, Nacht, und du Einsamkeit, und du, schwärzeste Melancholei. – Alle ihr lachenden Scherze und alle ihr tobenden Freuden, Larven des Todes, seid auf ewig von mir verbannt! ' –

So ging ich und dachte, und finsterer Gram erfüllte meine Seele.

Als plötzlich ein Jüngling vor mir standden Freund verkündigte sein blickEmpfindung sprach sein sanftes Augeschleunig wollt ich entfliehnaber er fasste so vertraulich meine Handund ich blieb stehener umarmte mich, ich ihnunsre Seelen flossen zusammen. –

Und um uns wards Elysium. – Reiser hätte wirklich kein wahreres Bild als dieses von seinem damaligen Zustande entwerfen könnenin allem, was er sagte, war nichts Übertriebenesdenn die Menschen, mit denen er zunächst durchs Leben ging, wurden wirklich für ihn quälende Geisterund zu den anschreienden Ungeheuern gehörte vorzüglich Verclas, dessen grober und doch boshafter Witz Reisern den Sonntagnachmittag bis tief in die Seele gekränkt hatte, da dieser Verclas doch sonst immer von ihm ein Freund hatte sein wollenwenigstens war er und der Landesverwiesene G ... noch die einzigen, die nach der Aufführung der Komödie mit Reisern umgingen, weil sie mit ihm ein gleiches Schicksal des Hasses und der Verachtung aller ihrer Mitschüler teiltenund selbst dieser Verclas stellte sich nun mit auf die Seite derer, welchen Reiser ein Gegenstand des Spottes warund veranlasste diesen Spott sogar durch seine groben Witzeleien, womit er sich auf Reisers Kosten lustig machte. – Dies alles vereinigte sich nun, ihn in die menschenfeindliche Laune zu versetzen, worin er den vorhergehenden Aufsatz entwarf. – Durch das Andenken an Philipp Reisern, und weil doch auch der Sohn des Kantors, sein ehemaliger Feind, anfing, sein Freund zu werden, milderte dies schon seine bittere Laune so weit, dass er am Schluss seines Aufsatzes einlenkte und den sanften Empfindungen wieder Gehör gab. –

Auf diese Weise hatte er nun in seinem Tagebuche schon verschiedene kleine Aufsätze an seinen Freund entworfen, als der Frühling wieder herankam und zu Ostern die gewöhnliche öffentliche Schulprüfung gehalten wurde, wobei er denn auch erschien. –

Aber wie sehr wurde sein Mut niedergeschlagen, da er sich gegen die übrigen betrachtete und sich gerade unter allen am schlechtesten gekleidet saher sass da wie verloren; auf ihn wurde gar keine Rücksicht genommenkeine einzige Frage an ihn getan. –

Den Vormittag hielt er es ausaber als er den Nachmittag wieder hinging und sich aufs neue unter dem ihn umgebenden Haufen wie verloren sahkonnte er es nicht länger aushaltener ging wieder fort, ehe noch die Prüfung anging. –

Und nun eilte er gerade zum Tore hinauses war ein trüber neblichter Himmelund ging auf ein kleines Wäldchen zu, das nicht weit von Hannover liegt. –

Sobald er aus dem Gewühle der Stadt war und die Türme von Hannover hinter sich sah, bemächtigten sich seiner tausend abwechselnde Empfindungen. – Alles stellte sich ihm auf einmal aus einem andern Gesichtspunkte darer fühlte sich aus alle den kleinlichen Verhältnissen, die ihn in jener Stadt mit den vier Türmen einengten, quälten und drückten, auf einmal in die grosse offene natur versetzt und atmete wieder freiersein Stolz und Selbstgefühl strebte emporsein blick schärfte sich auf das, was hinter ihm lag, und fasste es in einem kleinen Umfange zusammen. –

Er sah da die Priester mit ihren schwarzen Mänteln