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Direktor war ein alter Mann, welcher aber Kenntnisse und viel Geschmack besass und von Pedanterei, welches bei alten Schulmännern ein so seltener Fall ist, ziemlich frei war.

Während dieser Veränderung fielen eine grosse Menge Schulstunden ohnedem aus. – Reisers Versäumnis wurde also eben so merklich nicht. – Und wenn nun ja eine Versäumnis von öffentlichen Schulstunden gut genutzt worden ist, so war es die seinige in welcher er in Zeit von ein paar Monaten mehr tat und sein Verstand mit weit mehr Begriffen als seine ganzen akademischen Jahre hindurch bereichert wurde. –

Nie hörte er wenigstens den ganzen Kursus der Philosophie so ausführlich wieder vortragen, als er ihn damals für sich durchdacht hatteauch die übrigen Wissenschaften, als Dogmatik, geschichte usw., hörte er nie auf der Universität so ausführlich wieder, als er sie zum teil in Hannover auf der Schule gehört hatte.

Er hatte in seiner Jugend keinen Unterricht als im Rechnen und Schreiben genossen, welcher jetzt fast gänzlich für ihn verloren ging, weil er das Rechnen nicht zu üben gelegenheit hatte und seine Hand durch das Nachschreiben verdarb. – Nun fügte es sich, dass er einige Information im Schreiben bekam, die ihm zwar wenig oder gar nichts einbrachte, wobei er aber doch merklich seine Hand übte; da er nun wieder anfing, die Schularbeiten mitzumachen, und dem Rektor seine Exerzitien brachte, so wunderte sich dieser sehr über die Verbesserung seiner Hand und gab ihm sogleich etwas abzuschreiben, welches aber dort im haus geschehen musste, so dass er auf diese Weise wieder Zutritt zu dem Rektor erhielt; welches ihn denn auch mit einiger Hoffnung, sich wieder in Kredit zu setzen, belebte, die aber bald niedergeschlagen wurde, da sein Vater einmal nach Hannover herüberkam und der Pastor Marquard demselben keinen andern Trost gab, als dass sein Sohn ein Schl ...l sei, aus dem nie etwas werden würde. –

Da sein Vater wieder wegreiste, begleitete er ihn bis vors Tor hinaus, und hier war es, wo ihm derselbe die tröstlichen Worte des Pastor Marquard hinterbrachte und ihm dabei die bittersten Vorwürfe machte, dass er die Wohltaten, welche man ihm erwiesen, so schlecht erkennte, wobei er ihn zugleich auf den Rock, den er trug, verwies und ihm diesen als ein unverdientes Geschenk von seinen Wohltätern schilderte. – Dies letztere brachte Reisern auf; denn der Rock, welcher von groben grauen Tuch war, das ihm ein völliges Bedientenansehen gab, war ihm immer verhasst gewesen, und er liess sich daher gegen seinen Vater verlauten, dass ein solcher Bedientenrock, den er zu seinem Ärger tragen müsse, eben kein grosses Gefühl von Dankbarkeit bei ihm erwecken könne. –

Darüber geriet sein Vater, dem die Grundsätze von der Demütigung und Ertötung alles Stolzes und Eigendünkels aus den Schriften der Madam Guion heilig waren, in eine Art von Wutdrehte sich schnell von ihm und gab ihm seinen Fluch auf den Weg. – Reiser wurde ebenfalls hiedurch in einen Zustand versetzt, worin er sich noch nie befunden hatte, alles, was er bisher von seinem widrigen Schicksal gelitten und geduldet hatte, und dass nun auch sein Vater sogar ihn von sich stiess und ihm seinen Fluch gab, fuhr ihm auf einmal durch die Seele.

Er stiess, indem er nach der Stadt zurückging, laute Gotteslästerungen aus und war der Verzweiflung naheer wünschte sich wirklich vom Erdboden verschlungen zu seinund der Fluch seines Vaters schien ihn im Ernst zu verfolgen.

Dies hemmte wieder auf eine Weile alle seine guten Vorsätze und seinen bisher freiwillig ununterbrochenen Fleiss.

Der Sommer ging nun zu Endeund ein anhaltender körperlicher Schmerz fing nun öfter wieder an, seinen Geist niederzudrücken. Er hatte von dieser Zeit an unaufhörliches Kopfweh, welches ein ganzes Jahr anhielt, so dass fast kein Tag und keine Stunde dazwischen ausfiel, wo er sich von diesem fortdaurenden Schmerz befreit gefühlt hätte. –

Der Schneider, bei dem er nun ein Jahr gewohnt hatte, sagte ihm auch das Logis auf, und er zog in einer abgelegenen Strasse bei einem Fleischer ins Haus, wo noch einige Schüler nebst ein paar gemeinen Soldaten im Quartier lagen. –

Er musste sich hier auch mit unten in der stube aufhalten, und seine Einrichtung mit dem Klavier und dem Bücherbrette darunter blieb wie vorherstatt des Bodens aber erhielt er oben ein kleines Kämmerchen, wo er mit noch einem Chorschüler schlief, und im Sommer, wenn es warm war, jeder für sich allein sein konnte.

Der Umgang mit seinem Wirt, dem Fleischer, mit den beiden Soldaten, die dort im Quartier lagen, und ein paar lüderlichen Chorschülern, die noch nebst ihm da wohnten, konnte zur Bildung und Verfeinerung seiner Sitten eben nicht viel beitragen. –

Alles versammlete sich im Winter des Abends in der stube, und weil er bei dem Geräusch und Lärmen doch nicht arbeiten konnte, so mischte er sich lieber mit unter den Haufen und amüsierte sich mit den Leuten, die nun einmal den nächsten Kreis um ihn her ausmachten, so gut er konnte.

ungeachtet seiner immerwährenden Kopfschmerzen arbeitete er doch auch, sooft er nur ein wenig in Ruhe sein konnte, für sich und lernte auf die Weise in Zeit von einigen Wochen Französisch, indem er sich einen lateinischen Terenz mit der französischen Übersetzung liehe und sich täglich ununterbrochen selbst eine Lektion gab; er kam dadurch wenigstens so weit, dass er von der Zeit an jedes französische Buch ziemlich verstehen konnte.

Da sich indes sein äusserer Zustand nicht verbesserte und überdem