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mit seiner Bürde an den bestimmten Ort kam.

Dieser bestimmte Ort war das Zeughaus, wo die

Hüte, welche Kommissarbeit waren, abgeliefert wurden. – Nicht sehnlicher hatte sich Anton gewünscht, die Glocken und das Zifferblatt auf dem neustädtischen Turm in Hannover als dies Zeughaus inwendig zu sehen, vor welchem er so oft, ohne seinen Wunsch befriedigen zu können, vorbeigegangen war. Aber wie sehr wurde ihm jetzt dies Vergnügen versalzen, da er es in solchem Zustande zu sehen bekam.

Dies Tragen auf dem rücken schwächte seinen

Mut mehr als irgendeine Demütigung, die er noch erlitten hatte, und mehr als Lobensteins Scheltworte und Schläge. Es war ihm, als ob er nun nicht tiefer sinken könne; er betrachtete sich beinahe selbst als ein verächtliches, weggeworfenes geschöpf. Es war dies eine der grausamsten Situationen in seinem ganzen Leben, an die er sich nachher, so oft er ein Zeughaus sah, lebhaft wieder erinnerte, und deren Bild wieder in ihm aufstieg, sooft er das Wort Unterjochung hörte.

Wenn ihm so etwas begegnet war, so suchte er sich

vor allen Menschen zu verbergen; jeder laut der Freude war ihm zuwider; er eilte auf das Plätzchen hinter dem haus an die Oker hin und blickte oft stundenlang sehnsuchtsvoll in die Flut hinab. – Verfolgte ihn dann selbst da irgendeine menschliche stimme aus einem der benachbarten Häuser, oder hörte er singen, lachen oder sprechen, so deuchte es ihm, als treibe die Welt ihr Hohngelächter über ihn, so verachtet, so vernichtet glaubte er sich, seitdem er seinen Nacken unter das Joch eines Tragkorbes gebeugt hatte.

Es war ihm denn eine Art von Wonne, selbst in das Hohngelächter mit einzustimmen, das er seiner schwarzen Phantasie nach über sich erschallen hörtein einer dieser fürchterlichen Stunden, wo er über sich selbst in ein verzweiflungsvolles Hohngelächter ausbrach, war der Lebensüberdruss bei ihm zu mächtig, er fing auf dem schwachen Brette, worauf er stand, an zu zittern und zu wanken. – Seine Knie hielten ihn nicht mehr empor; er stürzte in die FlutAugust war sein Schutzengel; er hatte schon eine Weile unbemerkt hinter ihm gestanden und zog ihn beim Arm wieder herauses waren demohngeachtet mehr Leute dazu gekommendas ganze Haus lief zusammen, und Anton wurde von dem Augenblick an als ein gefährlicher Mensch betrachtet, den man so bald wie möglich aus dem haus fortschaffen müsse. – Lobenstein schrieb den Vorfall sogleich an Antons Vater, und dieser kam vierzehn Tage darauf mit unmutsvoller Seele nach Braunschweig, um seinen missratenen Sohn, in dessen Herzen sich nach dem Urteil des Herrn von Fleischbein der Satan einen unzerstörbaren Tempel aufgebauet hatte, nach Hannover wieder abzuholen.

Er hielt sich noch ein paar Tage bei dem Hutmacher Lobenstein auf, während welcher Zeit Anton noch mit verdoppeltem Eifer in Gegenwart seines Vaters alle seine Geschäfte verrichtete und eine Beruhigung darin suchte, noch zuletzt alles zu tun, was in seinen Kräften stand. Von der Werkstatt, von der Trockenstube, vom Holzboden und von der Brüdernkirche nahm er nun in Gedanken Abschiedund seine allerangenehmste Vorstellung, wenn er wieder nach Hannover kommen würde, war, dass er dann seiner Mutter von dem Pastor Paulmann würde erzählen können.

Je näher die Abschiedsstunde herannahte, desto leichter wurde ihm ums Herz. – Er sollte nun bald aus seiner engen drückenden Lage herauskommen. – – Die weite Welt eröffnete sich wieder vor ihm.

Von August war der Abschied zärtlich, von Lobenstein kalt wie Eises war an einem Sonntagnachmittage bei trübem Himmel, da Anton mit seinem Vater wieder aus dem Lobensteinschen haus ginger blickte die schwarze tür mit den grossen eingeschlagenen Nägeln noch einmal an und wandte ihr getrost den rücken, um wieder aus dem Tore zu wandern, vor welchem er vor kurzem noch einen so interessanten Spaziergang gemacht hatte. – Die hohen Wälle der Stadt und der Andreasturm waren bald aus seinem Gesicht verschwunden, und er sah nur noch den Brocken in der Ferne mit Schnee bedeckt in trüber Dämmerung sich in den dicht aufliegenden Wolken verlieren.

Das Herz seines Vaters war gegen ihn kalt und verschlossen; denn dieser betrachtete ihn völlig mit den Augen des Hutmacher Lobenstein und des Herrn von Fleischbein, als einen, in dessen Herzen der Satan einmal seinen Tempel errichtet habees wurde unterwegs wenig gesprochen, sondern sie wanderten immer stillschweigend fort, und Anton bemerkte kaum die Länge des Weges, auf eine so angenehme Art unterhielt er sich mit seinen Gedanken, – wenn er nun seine Mutter und seine Brüder wiedersehen und ihnen seine Schicksale würde erzählen können.

Die vier schönen Türme von Hannover ragten endlich wieder hervorund wie einen Freund, den man nach langer Trennung wieder sieht, betrachtete Anton den neustädtischen Turm, und seine Glockenliebe erwachte auf einmal wieder. –

Er sah sich nun wieder in den Mauern von Hannover, und alles war ihm neuseine Eltern hatten eine andre kleinere und dunklere wohnung auf einer abgelegenen Strasse bezogendas war ihm alles so fremd, indem er die Treppen hinaufstieg, als ob er da unmöglich zu haus gehören könne. – Allein so kalt und abschreckend das Betragen seines Vaters gegen ihn gewesen war, so laut und ausbrechend war jetzt die Freude, womit ihm seine Mutter und Brüder entgegen eilten, die seine von Frost aufgesprungenen hände besahen, und von denen er nun zum erstenmal wieder bedauert wurde.

Als er am andern Tage ausging, besuchte er alle die bekannten Plätze, wo er sonst gespielt hattees war ihm, als