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sah; die Melodie und der Vers aus Lisuart und Dariolette tönten noch immer in seine Ohren, und diesmal wenigstens täuschte ihn seine Hoffnung nicht. – Ekhof empfing ihn über Erwartung gut und unterhielt sich beinahe eine Stunde mit ihm.

Reisers jugendlicher Entusiasmus für die Schauspielkunst schien dem Greise nicht zu missfallener liess sich mit ihm über Gegenstände der Kunst ein und missbilligte es gar nicht, dass er sich dem Teater widmen wollte, wobei er hinzufügte, dass es freilich gerade an solchen Menschen fehlte, die aus eigenem Triebe zur Kunst und nicht durch äussere Umstände bewogen würden, sich der Schaubühne zu widmen.

Was konnte wohl aufmunternder für Reisern sein als diese Bemerkunger dachte sich schon im Geist als einen Schüler dieses vortrefflichen Meisters.

Nun zog er auch seinen gedruckten Prolog hervor, der Ekhofs vollkommnen Beifall erhielt und den sich derselbe sogar von ihm ausbat und bemerkte, wie nahe das Talent zum Schauspieler und zum Dichter miteinander verwandt sei und wie eins gewissermassen das andere voraussetze.

Reiser fühlte sich in diesem Augenblick so glücklich, als sich ein junger Mensch nur fühlen konnte, der vierzig Meilen weit bei trockenem Brote zu fuss gereist war, um Ekhof zu sehen und zu sprechen und unter seiner Anführung Schauspieler zu werden.

Was nun sein Engagement anbeträfe, sagte Ekhof, so müsse er sich deswegen vorzüglich bei dem Bibliotekarius Reichard melden, mit welchem er selbst auch Reisers wegen sprechen wolle.

Reiser versäumte keinen Augenblick dieser Anweisung zu folgen und ging von Ekhof, der in einem Bäkkerhause wohnte, nach dem haus des Bibliotekarius Reichard, der ihn zwar auch höflich empfing, aber sich doch nicht so viel wie Ekhof mit ihm einliess. Indes machte er ihm zu einer Debütrolle Hoffnung, welches Reisers höchster Wunsch war, denn wenn er nur dazu käme, zweifelte er nicht, seinen Endzweck zu erreichen.

Mit Heiterkeit im gesicht kehrte er nun zu haus, weil er diesen Anfang seiner Unternehmung für höchst glücklich hielt und unter diesen günstigen Umständen sich so viel zutraute, dass nun sein Wunsch ihm nicht mehr fehlschlagen könne.

Und ob er sich gleich seinem Wirt nicht ganz entdeckte, so schien dieser doch gar nicht mehr daran zu zweifeln, dass er nun in Gota bleiben und seine teatralische Laufbahn hier antreten würde.

Voller Zutrauen zu sich selbst und seinem Schicksale brachte nun Reiser in der Gesellschaft des alten Hauptmanns, des Hoflakaien und seines Wirts den Mittag höchst angenehm zu; und voll von schimmernden Aussichten, worin ihn alles bestärkte, überschritt er durch dies Mittagsessen zum erstenmal im Taumel der Freude den Bestand seiner Kasse und dünkte sich nun dadurch um desto fester an diesen Ort und an die hartnäckigste Verfolgung seines Plans gebunden.

Er machte nun fast täglich bei Ekhof seinen Besuch, und dieser riet ihm, fürs erste die Proben im Schauspielhause fleissig zu besuchen, welches Reiser tat und den alten Ekhof hier ganz in seinem Elemente sah, wie er auf jede Kleinigkeit aufmerksam war und auch den ersten Schauspielern noch manche Erinnerung gab. Auch wurde Reisern erlaubt, die Komödie unentgeltlich zu besuchen, wo das erste Mal ein gewisser Bindrim mit dem Vater in der Zaire debütierte.

Weil nun dieser keinen besonderen Beifall fand und Reiser in sich fühlte, wie bei den meisten Stellen der Ausdruck hätte ganz anders sein müssen, so spornte ihn dies noch mehr an, nun selber so bald wie möglich in einer Debütrolle den Schauplatz zu betreten, und er lag Ekhof dringend an, dass in einem der nächstaufzuführenden Stücke ihm eine Rolle möchte zugeteilt werden.

Und da das nächstemal die Poeten nach der Mode aufgeführt wurden, so tat Reiser den Vorschlag, die Rolle des Dunkel zu übernehmen, welches ihm aber Ekhof aus dem grund widerriet, weil er selbst diese Rolle spiele und es für einen angehenden Schauspieler nicht ratsam sei, sich gerade in einer Rolle zuerst zu zeigen, die man schon von einem alten geübten Schauspieler zu sehen gewohnt wäre.

So verschob sich nun sein Debüt von einem Spieltage bis zum andern, während dass seine Hoffnung dazu immer genährt wurde und auf dieser Entscheidung nun sein ganzes Schicksal beruhte.

Bei Ekhof holte sich nun Reiser immer Trost und neue Hoffnung, sooft er anfing verzagt zu werden; denn dass dieser sich gerne mit ihm unterhielt, flösste ihm wieder Selbstzutrauen und neuen Mut ein.

Demohngeachtet aber waren auch ein paar Äusserungen von Ekhof äusserst niederschlagend für ihn; denn als einmal von seinem Engagement die Rede war und Reiser sich auf einen jungen Menschen berief, der in den Poeten nach der Mode die Rolle des Reimreich gespielt hatte, so sagte Ekhof, man habe diesen vorzüglich seiner Jugend wegen angenommen, und schien dadurch zu verstehen zu geben, dass dieser Beweggrund bei Reisern nicht mehr stattfinde; der damals doch auch erst neunzehn Jahr alt war, aber, wie es schien, von jedermann für weit älter gehalten wurde; so dass bei dem Verlust aller Freuden der Jugend auch nicht einmal der Anschein der Jugend geblieben war.

Und ein andermal, als von Goeten gesprochen wurde, sagte Ekhof, er sei ungefähr von Reisers Statur, aber gut physiognomiert, welches 'aber' allein schon den Schauspieler in Reisern ganz vernichtet haben würde, wenn nicht Ekhof gleich darauf zufälligerweise ihm wieder etwas Aufmunterndes gesagt hätte, indem er ihn fragte, ob er ausser dem Prolog sonst nichts gedichtet habe? welches Reiser bejahte und, sobald er zu haus kam, seine Verse, die er auswendig wusste, niederschrieb, um sie Ekhof zu überbringen.

Er brachte wohl ein paar Tage mit dieser Arbeit zu, und