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Auf diesen einsamen Spaziergängen verfertigte er denn auch seinen Prolog, der sich wie seine Rede mit 'welch ein' anfing; denn in das sanft klingende 'welch ein' hatte er sich ordentlich verliebt, es schien gleich eine solche Fülle von Ideen zu fassen und alles Folgende hineinzufügen – er konnte sich keinen vollklingendern Anfang denken und hub daher denn auch seinen Prolog an:
Welch eine Göttin geusst Entzücken
Ins Herz des Fühlenden?
Lässt mitleidsvoll vor seinen Blicken
Oft Szenen sanfter Freud' entstehn,
Und bildet ihre Haine schön
Sanfttraurender Melancholie?
Sie ist es, des himmels Phantasie –
Oft wandelt sie auf Blumenwegen
Mit ihm ins stille Tal hinab,
Zeigt ihm die Unschuld da in Hütten
Und Freuden, welche Gott ihr gab, usw.
Dieser Prolog wurde nun nebst dem Personenverzeichnis wie ein kleines Buch gedruckt, und auf dem Titel stand: 'verfasst von Reiser, gesprochen von Iffland'. – Reiser sah sich also aufs neue gedruckt, und was noch mehr war, so erhielt er von seinen Mitschülern den Auftrag, den Prinzen selbst zu der Komödie einzuladen, welches er denn mit dem Degen an der Seite und in seinem Galakleide, worin er die Rede gehalten hatte, tat. –
Die Noblesse und Honoratioren der Stadt wurden nun auch von den jungen Leuten selbst eingeladen, und Reiser erhielt hier wiederum gelegenheit so wie damals, da er die Rede gehalten hatte, einen teil der grossen Welt in der Nähe zu sehen, den er vorher nur noch aus einer grossen Entfernung angestaunt hatte – er sah, dass die Minister, Grafen und Edelleute, mit denen er nun Gesicht gegen Gesicht sprach, nicht so erstaunlich von ihm verschiedene Wesen waren, sondern dass sie in ihren Äusserungen ebenso wie die gemeinsten Leute manchmal etwas Sonderbares und Komisches hatten, wodurch der Nimbus um sie verschwand, sobald man sie nur reden hörte und sich in der Nähe mit ihnen unterhielt. – So glänzend nun Reisers Zustand schien, wenn er so über die Strasse paradierte und in den ersten Häusern seine Cour machte, so war dieser Zustand doch im eigentlichen verstand ein glänzendes Elend zu nennen – denn durch das schlechte Verhältnis seiner Ausgaben gegen seine Einkünfte wurden seine Umstände immer misslicher, seine Lage immer ängstlicher. – Überdem drückte ihn das Einförmige seiner Lage, und dass er noch keine Aussicht vor sich sah, die Universität mit Anstand zu beziehen – auch war ihm nun jener Beifall aus der ersten Hand, den ein Schauspieler einernten kann, so wichtig und so lieb geworden, dass sein Hang immer mehr nach dem Teater als nach der Universität war. –
Es war wirklich damals gerade die glänzendste Schauspielerepoche in Deutschland, und es war kein Wunder, dass die idee, sich in eine so glänzende Laufbahn, wie die teatralische war, zu begeben, in den Köpfen mehrerer jungen Leute Funken schlug und ihre Phantasie erhitzte – das war denn damals auch der Fall bei der dramatischen Gesellschaft in Hannover – sie hatte gerade die vortrefflichsten Muster, einen Brockmann, Reineck, Schröder zu einem Zweck der Kunst vereinigt, täglich Lorbeern einernten sehen, und es war wirklich kein unrühmlicher Gedanke, solchen Mustern nachzueifern. –
Und um nun diesen Endzweck zu erreichen, brauchte man nicht erst drei Jahre auf der Universität studiert zu haben. – Dann kam bei Reisern die unwiderstehliche Begierde zum Reisen hinzu, welche sich seit der abenteuerlichen Wallfahrt nach Bremen seiner bemächtigt hatte – und der Gedanke, sich aus allen seinen bisherigen Verhältnissen, wo selbst das Beste ihm doch immer nur halb geglückt war, hinauszuversetzen und sein Glück in der weiten Welt zu suchen, fing allmählich an, bei ihm der herrschende zu werden – es war aber nur noch ein blosses Spiel seiner Phantasie; er war noch nicht eigentlich entschlossen, die Sache selbst ins Werk zu richten. –
Während dieser Zeit besuchte ihn nun sein Vater in Hannover, den er jetzt zum ersten Male in seiner stube, die mit sehr guten Möbeln versehen und schön austapeziert war, bewirten konnte. – Seinem Vater suchte er nun seine Lage von der angenehmsten und vorteilhaftesten Seite zu schildern und stellte ihm das Aufführen der Komödie als eine Sache vor, wodurch er nun sowohl wegen des gedruckten Prologs als auch, weil er den Prinz selbst dazu eingeladen hätte, wieder neue Aufmerksamkeit auf sich errege und sich ebenso wie durch die Rede an der Königin Geburtstage im auffallenden Lichte wieder zeigen könnte. –
Reisers Vater äusserte bei dieser gelegenheit einen sehr wichtigen und wahren Gedanken, dass solche Vorfälle, wo einer sich öffentlich zu seinem Vorteil zu zeigen gelegenheit hat, wie z.B. bei der Rede an der Königin Geburtstage, gleichsam wie ein Sieg zu betrachten wären, den man verfolgen müsse, weil dergleichen im Leben sich nur selten ereigne. –
Reiser begleitete seinen Vater bei dessen Rückreise eine Stunde vor das Tor hinaus, und da sie nun an eben den Fleck kamen, wo ihm derselbe einst seinen Fluch gegeben hatte, so standen sie zufälligerweise still – es fiel Reisern nachher erst ein, dass dies derselbe Fleck war – sie hatten sich bis dahin über die wichtigsten und erhabensten Gegenstände, worin die Mystik und die Metaphysik zusammentreffen, unterredet, und nun schloss Reisers Vater einen Bund mit seinem Sohne, dass sie von nun an gemeinschaftlich jenem grossen Ziele der Vereinigung mit dem höchsten denkenden Wesen näher zu kommen streben wollten; worauf er ihm denn auf eben dem Fleck durch Auflegung der Hand seinen Segen erteilte, wo er ihm ehemals seinen Fluch gab. –
Reiser kehrte also nun in einer