Bis dass der schwere Gaul mit der tönenden Pauke
sich hebt.
Durch aufgeworfnes Erdreich gräbt
Sich hier des Grenadiers getürmte Mütze;
Er steigt, und steigend streicht er sich den
schwarzen Bart.
"Blitz-Höllen-Sapperment", flucht einer in der
Erde,
Und auf den Fluch erscheint ein Kinn, sehr
schwach behaart.
Mit Brausen drängen sich bäumende Pferde
Und blinkende Reuter durch staubende Wolken
herauf;
Sie fliehn in fest geschlossnen Gliedern
Durch Stoppeln und Graben und Sumpf mit
geflügeltem Lauf.
Gehorsam ihres Führers Rufe,
stehen alle, stampfen, und unter jedem Hufe
Erhebt sich ein Zelt. Kein Brot noch Fleisch wird
zugeführt;
Es flucht kein Koch, es knarrt kein Bratenwender.
Kein Topf wird angesetzt, kein Feuer angeschürt,
Gefälschten Wein verkauft kein Marketender.
Die Krippe füllt sich selbst, der Tisch ist stets
besetzt
Und jede Zunge stets mit Zyperwein genetzt.
Das Schauspiel war so unterhaltend für den König, dass er ganze Tage säete und Essen und Trinken darüber vergass; er hörte nicht eher auf, als bis ihm der Raum fehlte. Einer seiner Mandarinen arbeitete indessen an einer Deduktion, worinne sonnenklar bewiesen wurde, dass vor zwölf Jahrhunderten der Marktflecken Quinquina zum Königreiche Butam gehört habe, und sobald der Beweis fertig war, zog der König mit seinem Heer aus, dem Könige der kalten Inseln die unrechtmässige Besitzung abzunehmen. Die Märsche gingen übermässig schnell; da Menschen und Pferde aus ganz anderm Stoffe gemacht waren als sterbliche Soldaten, so marschierten sie Tag und Nacht in vollem Galopp und liefen gewiss über den Nordpol hinaus, wenn die Offiziere nicht "halt" schrien. Der König ritt jede Viertelstunde ein Pferd tot und konnte doch nicht nachkommen; man merkte wohl, dass ihr Laufen nicht mit rechten Dingen zuging. Sobald er sie eingeholt hatte, gab er Befehl zur Schlacht; der König der kalten Inseln führte wohl seine Truppen auch ins Feld; aber was für eine Armee war das! als wenn ein Häufchen Maikäfer sich gegen einen Schwarm Kraniche wehren wollte, der die Sonne verfinsterte! Ihre Pferde sahen klein aus wie Katzen und die Reuter, als wenn sie aus Kartenblättern geschnitten wären; einer von den Riesen aus der goldnen Büchse konnte ein halbes Dutzend davon auf der flachen Hand halten, und wenn eins von den Pferden aus der goldnen Büchse wieherte, fiel ein ganzes Glied im feindlichen Heere zu Boden. Der König war in Gedanken schon Herr von den sämtlichen kalten Inseln und liess das Zeichen zum Angriffe geben; plötzlich erhub sich ein Nordwind, so scharf und schneidend, als wenn er mit allem Eise des Nordpols beschwängert wäre; die Riesen froren steif, konnten kein Glied rühren, und die Pferde erfroren ihnen unter dem leib, weil sie in einem warmen land gewachsen waren, wo man von dergleichen naseweisen Winden nichts wusste. Die kleinen Zwerge hingegen, die ein solches unfreundliches Lüftchen nicht übelnahmen, weil sie in ihrem land keinen bessern Wind hatten, hieben mit Löwenstärke in die erfrornen Riesen hinein und brachten sie doch wahrhaftig alle um; wer kein Blut sehen konnte, war nichts dabei nütze; wenn es nicht gleich gefroren wäre, so ertranken die Zwerge mit ihren Katzenpferden insgesamt darinne. Glücklicherweise verstekkte sich der Eroberer in einen hohlen Baum, als der Wind so unverschämt zu blasen anfing, und errettete sich dadurch vom Frost und vom Schwerte der Feinde. Es war kein Spass, so weit von seiner Heimat, ganz allein in einem hohlen Baume zu stecken; wenn es nur wenigstens ein schönes warmes Land gewesen wäre! Aber bei so einer barbarischen Luft konnte er den Kopf nicht sicher aus dem Loche herauswagen, ohne dass ihm nicht die Nase erfror. Er vertröstete sich auf die Nacht, wo er aus dem Baume steigen und den Feinden ungesehn entlaufen wollte, solange seine Beine hielten; ja, gut getroffen! In solchen verkehrten Ländern gibt's wohl Nacht; er wartete ewig, und es kam keine.2 Du guter Kakerlak! Wenn du ein halbes Jahr warten willst, so wird Nacht genug kommen; hier ist's nicht so wie bei dir zu haus, wo man Licht ansteckt, wenn die Sonne zwölf oder sechzehn Stunden geschienen hat.
"Wehe mir!" seufzte der unglückliche Eroberer im hohlen Baume, da die Nacht nimmermehr kommen wollte. "Wie wohl war mir auf meiner Ottomane! Wie schmeckte mir der persische Wein aus dem goldnen Becher und das Vogelnest aus der silbernen Schüssel so wohl! Wie wickelte ich mich so warm ins seidne Bettchen und drückte mich an meine Gemahlin Ypsilon! Ach, säss ich noch in meiner philosophischen Zelle und suchte mit dem Eifer eines echten Rosenkreuzers den Stein der Weisen! Fänd ich ihn auch nicht, so wär ich doch in der warmen stube. Du Tor! Was tatest du, als du dich mit Hexen einliessest und durch sie ein grosser Mann werden wolltest? Ach, Kak ... "
Die erste Silbe seines vorigen Namens war noch nicht völlig über die Lippen, so schwebte er schon auf dem rücken des Vögelchen in der Luft; da es sich bei so schneller Fahrt und so scharfer Luft nicht gut sprechen lässt, so blieb die übrige Hälfte des Namens im Schlunde zurück. Das Vögelchen trug ihn soviel tausend Meilen weit nach haus und setzte ihn ohne Schnupfen und Katarrh auf seine weiche Ottomane; er wollte ihm danken und Abbitte tun, aber es verschwand, eh er den Mund öffnete.
"Ich komm euch gewiss nicht wieder in euer Land ohne Nacht", fing