Leben wieder hatte, im ganzen haus herum und kommandierte, als wenn es sein eigenes wäre, weckte Bediente und Stallknechte mit Prügeln und Ohrfeigen auf, liess des Lords beste Kutsche anspannen und entführte auf Eingeben der Hexe die Königin Ypsilon aus dem Bette. Das war ein Lärm! Das war ein Aufruhr im haus! Die beiden Maschinen der Unglücksstifterin, Prinz Lamdaminiro und Prinzessin Friss-mich-nicht, fingen gleich nach ihrem Aufleben Zank an; so gutmütig der Prinz sonst war, so fand er sich doch unendlich beleidigt, dass ein so schlechter Mensch wie ein römischer Gladiator neben ihm stand, und stiess ihn mit dem Ellenbogen voll Unwillen von sich. Dieser Herr war ziemlich handfest und in einer Republik entstanden, wo man von der heutigen Politesse nichts wusste; er fasste also ohne alle Zeremonie den Prinzen bei dem leib und schleuderte ihn längs im saal hin. Die Prinzessin wollte die Beschimpfung ihres Bruders rächen und biss den baumstarken Gladiator in den Arm, dass er zusammenfuhr; dies Untier hatte nicht mehr Respekt gegen die Damen als gegen die Herren und scherzte nicht sehr fein, denn er fasste die Prinzessin und schleuderte sie im saal hin wie einen Knaul. Unterdessen verursachte der Fall des Prinzen einen neuen Streit: Er stürzte wider seinen Willen auf die schöne Venus und warf sie um, dass der Boden schütterte. Die übrigen Götter und Göttinnen erzürnten sich über die Verwegenheit eines Sterblichen gegen eine Dame von göttlichem Blute, hoben die Gefallne in aller Eile auf, und Minerva trat à la Shakespeare mit ihrer Ferse dem Prinzen zwei Augen und einen Kopf entzwei. Die Prinzessin richtete nicht weniger Unglück an: Sie rollte an Apollens Fuss; das nahm der Musengott übel, spannte den Bogen und schoss sie so ohne Gewissen ins Herz, wie wir Sterbliche eine Fliege totschlagen, wenn sie uns sticht.
Was für ein stolzes Volk die Götter des Olymps sind, das sah man hier; ihre Majestät schien ihnen schon dadurch enteiligt, dass Sterbliche in einem saal mit ihnen atmeten, und sie beredeten sich deswegen, sie zu vertreiben. Wer mag Göttern widerstehn? Die Sterblichen mussten weichen und irrten im haus herum; der eine rettete sich in dieses, der andere in jenes Zimmer.
Kakerlak hörte zwar nichts von dem Getöse, aber wie erschrak er, als er den Tag darauf die Nachricht erhielt, dass die Hälfte der Antiken aus dem saal gewandert und in alle Zimmer des Hauses zerstreut wäre, dass zwei blutig auf der Erde lägen und dass die göttliche Venus ein Loch im Backen hätte, als wenn sie in einem Scharmützel gewesen wäre! Der Lord fand alles dem Berichte gemäss, liess die Ausgetretnen wieder an ihren Ort schaffen und wusste keine Möglichkeit auszusinnen, wie ein Klumpen unbeseelter Marmor – denn das waren sie wieder – sich so weit bewegen konnte. Die folgende Nacht geschah das nämliche. Hatte Kakerlak vorher geeilt, sein Kabinett zu verkaufen, so tat er es jetzt desto mehr; aber hatte vorher jedermann gezaudert, es ihm abzukaufen, so wollte es jetzt niemand umsonst, da sich das Gerücht ausbreitete, dass es mit den Antiken nicht richtig wäre. Wenn man sein schweres Geld daran wandte und sie kaufte, so konnten sie ja in einer Nacht alle entlaufen; wer gab denn dem armen Kaufmanne sein Geld wieder? Ein einziger, der von der Freigeisterei Profession machte und darum keine Wunderwerke glaubte, hoffte, sie um jenes Gerüchts willen desto wohlfeiler zu bekommen, und bat um Erlaubnis, sie zu besehn. Er besah die himmlische Venus; Venus drehte sich um und wies ihm statt des Gesichts den rücken; er besah den immer jugendlichen Apoll; Apoll kehrte sich um und wies ihm den rücken; die nämliche Unhöflichkeit begegnete ihm bei allen, denen er ins Gesicht sah. Dem mann verging beinahe die Freigeisterei, so übel ward ihm zumute; weil aber seine Gewinnsucht grösser war als die Furcht, bot er eine kleine Summe, und der Lord schloss den Handel, um nur nicht länger mit behexten Antiken in einem haus zu wohnen.
Die Gemäldegalerie wurde auf ebendieselbe Art verkauft; alles zusammen brachte nicht so viel Geld ein, als nötig war, einen gang im Garten anzulegen; gleichwohl war schon ein Riss dazu gemacht, ein ganzes Gut dazu bestimmt, die Arbeit angefangen, und um nicht mit Schande aufzuhören, musste Geld aufgenommen werden. Kakerlak verkaufte und verpfändete alles und war schon in Gedanken Herr vom schönsten Garten im ganzen land.
Nach langer Arbeit und langer Hoffnung stand endlich das Wunderwerk der Gartenkunst fertig da. Zwischen jungen Fichten dreht Sich der Schlangenpfad dahin, Wo die schönste Charitin In dem schönsten Haine steht. Wie labt der Duft der frischbelaubten Birken! Wie zittert sanft, gleich der verschämten Unschuld, Am weissen Ast das zarte lichte Blatt! Mit jedem Wehn des lauen Lüftchens kommen Dem süssgelabten Sinn Gerüch entgegen Von Blumen, Kräutern, Blüten. Jeder steht, Berauscht sich, rühmt und sucht den Garten, Der ihn mit solcher Schwelgerei bewirtet. Umsonst! Er tut wie edle Seelen Gutes, Erquickt und lässt nicht wissen, wer es tat. Welch Leben! Welche Stimmen, die hier tönen! Kein Zweig, wo nicht ein froher Sänger hüpft! Was in der Schöpfung lebt, scheint hier versammelt, Den Grazien sein fröhlich Lied zu weihn. Euch, Schmuck der Menschheit! Euch,
Wohltäterinnen,
Die ihr die Sterblichen aus Barbarei Und Wildheit zogt, dem Leben Anmut schenktet, Die Schönheit selbst mit Zauberkraft belebtet, Euch, die ihr