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sich zu seiner Gemahlin. "Das ist", sprach er, "die Dame aus Butam, von der ... Nein, jetzt besinn ich mich, ich habe Mylady noch nichts davon gesagt; es ist eine Dame vom höchsten stand aus Butam, von gutem haus. Ihre Gnaden machen sich zuweilen einen kleinen Zeitvertreib und hexen: Dieselben tun alle Dero Reisen durch die Luft und ersparen dadurch ein ansehnliches an ihrem Nadelgelde. Sie kommen freilich allemal in einem beschämenden Zustande an, weil es das Hexenzeremoniell so mit sich bringt; aber dagegen werfen Dieselben auch niemals mit dem Wagen um, bleiben in keinem Moraste stecken und brauchen die Langsamkeit des Postknechts mit keinem grossen Trinkgelde zu bestechen. Es ist ungemein bequem."

Die Königin freute sich sehr, dass ihr der Lord so gut aus der Verlegenheit half, und hielt das strengste Inkognito; sie wickelte die Bettdecke etwas fester um sich und liess sich als eine Dame von gutem haus aus Butam an Mylady Antick präsentieren. Beide küssten sich mit vieler Wärme und waren über eine so angenehme Bekanntschaft entzückt; beide hatten schon lange davon geträumt, dass ihnen ein so grosses Vergnügen widerfahren sollte, und beide versicherten sich, dass sie Freundinnen bis in den Tod bleiben wollten. Der Lord merkte, dass sich die fremde Dame in seiner Gegenwart wegen ihrer Bedeckung Zwang antat, und war daher so galant und begab sich auf sein Zimmer; Mylady beurlaubte sich gleichfalls, schickte ihr Kleider, und in drei Stunden sah es niemand der Königin Ypsilon an, dass sie so lange ein Stück Marmor gewesen war. Hexe Tausendschön lachte dreimal auf der Feueresse vor Freuden, dass die Bosheit ihrer Schwester so sehr das Gegenteil bewirkte, und diese weinte vor Ärger Tränen, so gross als ein Taubenei, viel grössere als Patroklus' Pferde im Homer; sie schwor sich selbst das Verderben, wenn sie nicht von nun an dem verhassten Kakerlak jede Freude in die bitterste Qual verwandelte.

Sobald sich alle Personen ohne Schamröte voreinander sehen lassen konnten, führte der Lord die Fremde in seinen Antikensaal, seine Gemäldegalerie und sein Porzellänkabinett; die Königin fand alles sehr schön, nur die vielen nackten Leute missfielen ihr. "Allen den Leuten liess ich Kleider malen", sprach sie, "wenn die Bilder mir gehörten, und den steinernen Männern und Weibern hielt ich eine Garderobe; sie gehen ja so bloss und armselig einher, als wenn sie kein Hemd anzuziehen hätten. Es ist eine Schande für unsre erleuchteten zeiten, dass man den Malern und Bildhauern keine Kleiderordnung macht; eine ehrbare Dame von guter Erziehung kann heutigestags keine Bildergalerie ohne Ärgernis ansehn." Aus diesem moralischen grund war ihr das Porzellänkabinett das liebste. "Da sieht man doch, dass in China noch gute Sitten sind", sagte sie, "alle diese porzellänen Damen sind von Kopf bis zu fuss bedeckt, dass man kaum das Gesicht erkennt. Die Mandarine tragen lange Röcke; das heiss ich Anständigkeit; so etwas kann eine Dame von stand ohne Verletzung ihrer Ehre ansehen." Sie verliebte sich in dies porzelläne Kabinett voll chinesischer Wohlanständigkeit und chinesischer Ungereimteiten so sehr, dass sie meistens den Morgen darinne zubrachte und jede Büchse hundertmal ansah.

Um ihrem Vergnügen nichts fehlen zu lassen, tat Kakerlak einige Lustreisen mit ihr; sie besuchten alle merkwürdige Gärten, diese herrlichen Nachahmungen der natur, die Berge, Täler, Flüsse und Wasserstürze hinsetzen, wo die natur keine schuf. Die Königin war sehr zufrieden damit und fand bloss das auszusetzen, dass man immer auf und nieder steigen müsste und dass die Wege nicht in gerader Linie gingen. Desto missvergnügter wurde Kakerlak; bei jeder neuen Schönheit, die ihm entgegenkam, dachte er: Ach, der glückliche, der einen Park hat! Ach, ich Unglücklicher, dass ich keinen Park habe! Wie wenig ist doch das herrlichste Antikenkabinett gegen einen Park! Hexe Schabernack brachte in seinem herz die Unzufriedenheit und seinen Wunsch zur Flamme, und er war noch nicht durch die Hälfte des Gartens, so schwur er schon, dass er lieber nichts als Salz und Brot essen wollte, um einen Park zu haben. sehnsucht, Ungeduld und Gram sprachen aus seiner Miene; Mylady konnte kein Wort aus ihm bringen; Tag und Nacht quälte ihn der verdammte Park. Seine Gemahlin nahm ihn ernstlich vor, als sie einmal des Abends allein waren, und bat ihn mit Flehen, ihr seinen Kummer zu entdecken; er wollte lange nicht; endlich warf er sich schluchzend an ihre Brust. "Mylady", rief er, "schaffen Sie mir einen Park, oder ich sterbe." – "Aber Mylord hat ja ein Antikenkabinett, eine Gemäldesammlung und einen Porzellänsaal." – "Ach, was Antikenkabinett", fuhr er entrüstet auf, "was Gemäldesammlung? Einen Park will ich, oder ich kann nicht leben. Einen Park! Oder ich erhänge mich wie ein rechtschaffner Engländer. Betteln will ich lieber, als keinen Park haben." – Sie riet ihm, seine Sammlungen zu verkaufen und für das Geld einen anzulegen; er gehorchte dem Rate, wollte gern um den dritten teil des Werts losschlagen und fand viele Käufer, die aber desto langsamer kauften, je geschwinder er verkaufen wollte.

Schabernack konnte einen Mann, den sie hasste, nicht so leicht zu seinem Wunsche gelangen lassen und spielte ihm einen Streich, dergleichen noch nicht unter der Sonne geschah. Sie machte in einer Nacht alle Antiken lebendig; Prinz Alfabeta lief augenblicklich, wie er sein