zu verstecken.
Sie sprachen drauf das Urteil aus,
Das meine Flucht verbittert:
"Wir stossen sie zu unserm Reich hinaus,
Sie hat des Schicksals Schluss erschüttert,
Das zum gefährten jeder Lust
Dem Sterblichen den Überdruss bestimmte,
Damit in seiner kühnen Brust
Die stolze Meinung nie entglimmte,
Er sei der Herrscher seines Glücks,
Zu träger Sinnlichkeit geboren,
Zum einz'gegen Liebling des Geschicks
Vor allen andern auserkoren.
Drum irre sie, die dies Gesetz
Aus schwachem Mitleid störte,
In steter Furcht vor Flint und Netz;
Sie, die ihr weiches Herz betörte,
Sie hab ein weiches Herz zur Pein.
Sie soll zu den Betrübten eilen,
Die nur mit sich den stillen Kummer teilen
Und die mit lautem Schmerz um hülfe
schrein,
Soll immer vor Begier zu helfen brennen,
Stets helfen wollen und nicht können.
Bis sie den Mann, den nie der Überdruss
beschwert,
Gefunden hat, den Mann, der niemals im
Vergnügen
Nach Wechsel gähnt, solang es währt,
Bis dahin soll auf ihr dies unser Urteil
liegen."
Ich komme dann nach diesem Schluss,
Mit Trost dir beizustehen.
Dich quält der Weisheit Überdruss;
Doch hab ich dich ersehen,
Mich von der Strafe zu befrein.
Dir schenkt von nun an das Vergnügen
Stets Becher über Becher ein;
Bist du nach wenig Zügen
Des einen satt, so rufe "Kak";
Gleich lad ich dich auf meine Flügel
Und trage dich, Freund Kakerlak,
Weit über Tal und Hügel
Zu einer neuen Wonne hin,
Bis ich erlöset bin.
"Du armseliges Vögelchen!" antwortete der Schwermütige. "Du willst mich auf den kleinen Schwingen, wo eine Milbe eben Platz hätte, zur Freude tragen? – Geh! Mich betrügst du nicht; meine Lippen sprechen nie dein elendes "Kak"." Kaum hatte er's gesprochen, so schwebte er schon auf dem rücken des Vögelchen in den Lüften; dort flog es hin mit dem ganzen Philosophen und schüttelte ihn auf einen samtnen Stuhl im Vorgemache der Königin Ypsilon. Die schnelle Fahrt durch die Luft hatte ihm den Kopf schwindlich gemacht: Er schlief ein.
Auf der Ottomane sass die Königin Ypsilon und gähnte; am Fenster sass Prinzessin Friss-mich-nicht und brummte; auf dem Taburett sass Prinz Lamdaminiro und lachte, alle drei aus gutem grund: Die erste hatte Langeweile; die zweite war böse; der dritte spielte mit einem Gaukelmanne.
Das Vögelchen, in welchem die Hexe Tausendschön wohnte, hüpfte auf das Fensterbrett und pickte ein Stückchen Biskuit auf. "Ein schönes Vögelchen!" rief die Königin. "Der abscheuliche Mistfinke!" sprach die Prinzessin. "Das allerliebste Tierchen!" schrie der Prinz und liess vor Entzücken den Gaukelmann fallen.
"Du hast Langeweile, grosse Königin?" fing das Vögelchen an. "Ich schaffe dir Zeitvertreib."
"Du mir?" antwortete die Königin. "Närrchen, wie machtest du das?"
Das Vögelchen: "Ich schaffte dir einen Gemahl."
Die Königin: "Schlecht getroffen! Ich hatte einen und ward des Lebens nicht froh."
Das Vögelchen: "Du hattest keinen; denn dein Gemahl liebte dich nicht." Die Königin: "Wird mich ein andrer mehr lieben? Männer sind langweilig. – Kannst du nicht singen?" Das Vögelchen sang:
Ohne Liebe sucht vergebens
Auf dem düstern Pfad des Lebens
Der verlassne Wandrer Licht;
Zwischen Alpen muss er schmachten,
Wo des Eises tiefe Schachten
Nie ein Frühlingslüftchen bricht.
Die Königin befahl, einen goldnen Käfig herbeizubringen; der Prinz holte ihn, und das Vögelchen hüpfte munter durch die enge tür hinein. Beide waren vergnügt, gaben dem sanften Geschöpfe Zuckerkörner und Zwieback und foderten jede Minute ein Liedchen, der Prinz ein lustiges und die Königin ein verliebtes. Je mehr ihm geschmeichelt wurde und je mehr es sang, desto erbitterter wurde die Prinzessin; wer ihr nicht schmeichelte, war ihr verhasst, und sie schwur bei sich dem Vögelchen den Tod, weil es andern Freude machte. Man merkt wohl, dass ihre Gesellschaft nicht die beste sein konnte, und es ist daher sehr gut, dass sie vor Ärger zum Zimmer hinausging, damit wir nicht weiter von ihr sprechen dürfen.
Kaum näherte sich die Nacht, so schlüpfte das Vögelchen durch die goldnen Stäbe des Käfigs, setzte sich dem schnarchenden Kakerlak auf die Stirn und pickte ihn mit dem kleinen Schnabel dreimal in die Nase, um ihn zu wecken. – "Kak, kak, kak", rief er träumend, fuhr in die Höhe und wollte sich die Augen reiben, aber er hatte nicht Zeit dazu; denn das erste "Kak" war eben über die Lippen, als er schon dem Vögelchen auf dem rücken sass; dort flog es mit ihm hin in die schöne Garderobe des Fürsten Omega.
"Suche dir zwölf der schönsten Kleider aus", sprach zu ihm das Vögelchen, "dass du jede Stunde des Tages ein andres tragen kannst. Morgen abend bist du König in Butam." – Er suchte sie aus. Darauf zog die Hexe dem jüngsten Bruder des Fürsten im Schlafe sehr sanft die Physiognomie vom kopf und befestigte sie sauber auf dem gesicht des künftigen Königs; dieser steckte kaum einen Augenblick unter der neuen Larve, so fing er an, gewaltig zu kommandieren, zu lärmen, zu fluchen und zu prügeln. Die goldne Staatskutsche des Fürsten musste sogleich mit acht porzellänfarbnen Rossen bespannt werden, Stallmeister und Jägermeister sich zu