der Prinzessin, so tat der Prinz das nämliche; wohin er sich nur kehrte, hörte er hinter sich küssen und mit Entzücken rufen: "Ach, schönster Engel des Paradieses, wie labt mich dein Kuss! – Ach, du schönstes Lämmchen auf der Weide, wie labt mich dein Kuss!"
Der schönen Kaschmirin wurde bei dem Wüten des Sultans bange, und sie lief mit lautem Geschrei zur tür hinaus, mein Herr Sultan mit dem Dolche hinter ihr drein und hinter dem Herrn Sultan her Prinz und Prinzessin mit lautem Hohngelächter. "Betrogen, Herr Sultan!" riefen sie mit Händeklatschen. "Betrogen! Sie ist ihm untreu. Ich entführe sie. Lauf ihr nach, Herr Sultan! Ich entführe sie doch."
Dergleichen verwünschtes Gewäsch erhitzt die Ohren, um soviel mehr die Leber, besonders bei einem Eifersüchtigen, der ohnehin alles glaubt; schlug nicht die schöne Kaschmirin zu rechter Zeit die tür zu, so wurde aus der Posse ein Trauerspiel, wobei ein Mensch ums Leben kam, denn um sie nicht entführen zu lassen, wollte er sie ermorden, und um sie zu ermorden, stiess er mit weitausgeholtem Dolche nach ihr, aber das mörderische Eisen fuhr in die Tür und brach entzwei, dass der diamantne Heft in der Hand blieb; wer sich gut auf das Räsonieren versteht, kann daraus schliessen, wie heftig der Stoss sein musste und wie leicht jemand das Leben einbüssen konnte, wenn er nicht die tür traf.
"Ungetreue!" rief der Sultan schäumend. "Mach auf, dass ich dein treuloses Herz durchbohre!" – Sie war keine Närrin, dass sie ihm gehorchte; die Leute, die durchbohren wollen, darf man sich nicht zu nahe kommen lassen. Poche du, Herr Sultan, soviel du willst! die schöne Kaschmirin macht dir nicht auf.
Es half nichts, als dass er in Gelassenheit abzog und seinen Gram im stillen ausweinte, ausseufzte, ausfluchte oder was ihm sonst beliebte; erschöpft, keuchend, atemlos warf er sich auf den Sofa. Plötzlich klirrten tausend Säbel in seinen Ohren, als wenn seine ganze Wache im Palast niedergehauen würde; das Zimmer zitterte vor dem Tumult; eine Kutsche mit brausenden Hengsten rollte durch den Hof, und eine triumphierende stimme rief zum Fenster herein: "Betrogen, Herr Sultan! Betrogen! Ich entführe sie: Mich liebt sie, nicht Ihn. Wünsche wohl zu leben, Herr Sultan."
Der Unglückliche erlag unter dem Schmerze. "Verdammtes Geschlecht!" rief er mit knirschenden Zähnen. "Treulose Brut! Ewig will ich dich hassen. Ach, warum war ich Sultan und liebte? – Unsichtbare Beherrscherin meines Schicksals, nimm mir diese verhasste Würde wieder, die du zu meinem Unglück mir gabst. Führe mich aus diesem Palast, wo überall unter meinen Füssen die Dornen der Eifersucht und gekränkter Liebe emporwachsen, und mache mich wieder zu Kak ... "
Bei dem ersten Hauche, womit er seinen Namen aussprechen wollte, schwebte schon der betrübte Herr Sultan auf dem rücken des Vögelchens in der Luft.
"Ha, ha, ha", lachte Hexe Schabernack und fuhr übermütig vor ihrer Schwester vorbei, dass der arme Kakerlak auf dem rücken seiner Gönnerin schwankte, so heftig stiessen die beiden Hexen zusammen. "Bist du nun befreit, Schwesterchen? ha, ha, ha."
So gutmütig Tausendschön war, so hatte sie doch auch eine Galle; der bittre Spott ihrer Gegnerin erregte sie so gewaltig, dass die Erzürnte vergass, wen sie auf dem rücken trug, und der Spötterin ins Gesicht flog, um ihr mit dem Schnabel wenigstens ein Auge auszuhacken, wenn sie mit allen beiden nicht fertig werden könnte. Das Auge wurde glücklich geblendet, aber Schabernack hielt nicht so geduldig still, sondern griff zornig nach dem Vögelchen, um ihm die Kehle zuzudrücken; Kakerlak hielt sich zwar so fest an als möglich, Prinz und Prinzessin nicht weniger, aber die Bewegungen der Streitenden wurden so heftig, dass alles Anhalten nichts half, und in kurzer Zeit fielen alle drei mit ihrer ganzen Schwerkraft vom Himmel senkrecht auf den Erdboden herab. Der Fall war ziemlich hoch, wie man wohl rechnen kann, und ging gewiss nicht ohne Halsbrechen ab, wenn es Sommer oder schlaffes Wetter war; aber zum Glücke trug sich die gefährliche Begebenheit in einem der kältesten Januare zu, wo so hoher Schnee lag, als selbst die ältesten Leute nicht wollten gesehen haben. Auf diese Weise kamen die Fallenden mit einem kleinen Nasenbluten durch, das in der grossen Kälte, wo alles gleich gefror, nicht lange anhielt.
Unterdessen dass diese drei bis über den Kopf im Schnee begraben lagen, wurde das Gefecht in der Luft mit verdoppelter Wut fortgesetzt. Es macht schon Lärm genug, wenn zwei gewöhnliche Weiber sich zanken; nun denke man, was für einen es geben muss, wenn es gar Hexen sind. Schabernack befand sich am schlimmsten dabei: Das Vögelchen hackte ihr Wunden an den Kopf, an die Brust, ins Gesicht, und griff sie zu, um sich zu rächen, so flog mein Vögelchen davon, hackte auf einen andern Ort und flog wieder davon. Die Verwundete wollte sich vor Ärger zerreissen, weil sie sich für ihre Schmerzen nicht rächen konnte, und warf sich im grössten Zorn in einen Brunnen herab, um dem Kratzen und Hacken zu entgehn; die Siegerin setzte sich auf einen Baum, putzte ihre Federn und kühlte sich ab.
Fünftes Buch
Dass Prinz Alfabeta einen