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dem unrechten Wege zur Glückseligkeit wäre. Er vermutete, dass ein glänzender Stand viel eher dazu führen müsste und dass die Sinne viel leichter dazu verhälfen als der Geist, mit dem sein Versuch nicht gut abgelaufen war; da es aber menschlicherweise nicht wohl möglich ist, sich so oft in einen andern Zustand zu versetzen, als man wünscht, und seine Vergnügungen so oft abzuändern, als der Überdruss sie uns langweilig macht, so ergriff er das natürlichste Mittel von der Welt und wandte sich an die Hexen. Eine, die eben damals aus dem Hexenstaate verbannt war, gewährte ihm seinen Wunsch, führte ihn von Vergnügen zu Vergnügen, und da er sie alle genossen hatte, verlangte er ... Doch nein! so treuherzig bin ich nicht, dass ich das Ende meines Märchens voraussage; wer es erfahren will, wende das Blatt um und lese, bis das Buch aus ist.

Wzl.

Erstes Buch

hinweg mit euch, ihr sogenannten Weisen!

Ihr wollt mit dreistem Flug der Spekulation

Von Welt zu Welt bis zu des Chaos Tron,

Bis ins Gebiet des Nichts und wohl noch weiter

reisen,

Mit euerm Maulwurfsblick das Rädchen

auszuspähn,

Durch dessen Trieb sich unsre Sterne drehn.

Ihr wollt bis in die Werkstatt dringen,

Wo die natur mit nie erschöpfter Kraft

Den Dingen Form, den Geistern Leiber schafft.

Ihr wollt mit schweren Gänseschwingen

Bis über Sonn und Mond ins Reich der Wahrheit

dringen,

Und fragt man euch: "Was habt ihr dort gesehen?",

Dann wisst ihr ebendas zu sagen,

Als die der Dummheit Los ganz philosophisch

tragen

Und keinen Schritt nach eurer Wahrheit gehen.

So rief, voll Unwillen, der grosse Kakerlak, der berühmteste Rosenkreuzer zu der Zeit, da Rosenkreuzer noch berühmt waren; er schleuderte alle Weisen in Folio und Quart, die seinen Hofstaat ausmachten, in die vier Winkel seiner stube. Sein Bruch mit der menschlichen Weisheit war so ernstlich gemeint, dass er sogar die Geheimnisse nicht verschonte, die ihm den Stein der Weisen hatten verschaffen sollen; er trat seine Spekulationen mit Füssen und schwur, nicht länger etwas zu suchen, das sich nicht finden lassen wollte. Die Galle war über seine Philosophie Herr geworden, und es liess sich nichts Besseres tun, als dass er geduldig stillhielt, bis die Philosophie wieder Herr über die Galle wurde; er ging in den Garten, setzte sich unter einen alten Apfelbaum und rief mit erhabnen Händen:

Ach, welche Gotteit nimmt den traur'gegen

Überdruss

Aus diesem Leben weg! Man seufzet nach Genuss,

Solang man ihn entbehrt; man wünscht, ihn zu

entbehren,

Wenn man gekostet hat. Die Sättigung

Schwebt über jeder Lust und schiesst mit schnellem

Schwung,

Dem Geier gleich, herab, das Täubchen zu

verzehren.

Nur der geniesst, wer bloss den Sinnen lebt,

Vergnügen sucht und nie nach leerer Weisheit

strebt;

Ein stetes Gastmahl ist für ihn das Leben;

Er eilt von Lust zu Lust, fühlt nie das Einerlei.

Ihr Mächte dieser Lust, steht meinen Wünschen

bei!

Auf Zauberflügeln lasst in eine Welt mich

schweben,

Wo ins Vergnügen nicht, sobald sein Keim sich

hebt,

Der Überdruss den gift'gegen Stachel gräbt.

Kaum hatte er seine Ausrufung geschlossen, so hüpfte ein Vögelchen, klein und schönfarbig wie ein Kolibri, im Grase daher, hub die kleine rote Brust und rief mit sanftem guterzigen Tone: "Kakerlak!"

Ich bin die Hexe Tausendschön

Und liess vom hohen Brocken1

Mich durch dein philosoph'sches Flehn

Zu dir herniederlocken.

Mich plagt die Neigung, wohlzutun

Zu allen Tagesstunden,

Und lässt mein Herz nicht eher ruhn,

Als ich den Mann gefunden,

Den nie der Überdruss beschwert,

Der niemals im Vergnügen

Nach Wechsel gähnt, solang es währt.

In einem von den Kriegen,

Die ewig unsern Staat entzwein,

Wo nur Kabalen siegen,

Ward ich verdammt, dass mir zur Pein

Das Wohltun werden sollte.

Du fragst, für welch Vergehn man mich

So hart bestrafen wollte?

Nein, frage lieber, wie man sich

So leicht begnügen wollte.

Ich hab ein weiches Herz, gemacht

Aus Mitleid, Lieb und Tränen:

Nur wohlzutun war Tag und Nacht

Von Jugend auf mein Sehnen.

Aus Tigerblut und Eisen sind

Die Herzen meiner Schwestern:

Zum Guten tölpisch wie ein Kind

Und voller Witz zum Lästern,

Lässt keine sich gelegenheit

Zu schaden leicht entgehen.

Nun hörten wir vor kurzer Zeit

Den Fürst Omega flehen.

Er wurde der Mätressen sehr

Auf einmal überdrüssig;

Für ihn war keine Freude mehr,

Sein armes Herzchen müssig.

Mein Mitleid ward von ihm erweicht:

Ich riet, ihn zu verjüngen;

Doch meine Schwestern sind nicht leicht

Durch Mitleid zu bezwingen.

Ihr schadenfroher Rat beschloss,

Des Fürsten Qual zu mehren;

Durch ihre List kam in sein Schloss

Ein Mädchen, warf mit Zähren

Sich auf die Kniee hin und bat

Um Gnade für den Bruder:

Er war für eine Freveltat

Verdammt zum schweren Ruder.

Sie gossen in des Fürsten Blut

Schnell jugendliche Flammen,

Und lodernd schlug der Liebe Glut

Ihm überm grauen Haupt zusammen.

Er liebt seitdem das Mädchenach!

Was soll ich dir's erzählen?

Mich rührt sein hartes Ungemach:

Sein Herzchen brennt, die Kräfte fehlen.

Durch einen Zaubertrunk gelang

Es mir, die Qual zu lindern;

Doch meiner Schwestern Bosheit drang

Hindurch, die Bosheit zu verhindern.

Wie stürmte dann auf mich ihr Grimm!

Ich floh voll Angst und Schrecken,

Um mich vor ihrem Ungestüm

In diesen Vogel