Trinken schmeckt?"
"Hätt ich einen Dolch, so würde ich ihn gewiss zu meiner eigenen Errettung anwenden", unterbrach ihn die philosophische Seele. "Ich werde durch eine solche wohnung erniedrigt. Ach, wenn ich mich von den Fesseln der Materie losmachen und frei, von der Sinnlichkeit gereinigt, in meinen vorigen Zustand zurückkehren könnte!"
"Gütiger Tod, erlöse mich!" riefen beide, aber aus entgegengesetzten Bewegungsgründen. Ihre Klagen waren so herzbrechend, dass sogar die Hexe Schabernack Tränen darüber vergoss; aber man will behaupten, dass sie die Tränen mehr aus Ärger als aus Mitleid vergoss. Sie besorgte, dass die beiden verzweiflungsvollen Seelen Ernst machen und sich wirklich entleiben würden, alsdann hätte sie keine Bosheit mehr an ihnen ausüben können, wozu sie einen starken Hang besass.
Eine Hexe kann die Wirkungen der andern nicht aufheben, und sie suchte daher ihre Schwester Tausendschön mit verstelltem Mitleid zu bewegen, dass sie Unglück verhüten und jede Seele wieder an Ort und Stelle zurückbringen sollte. Das gute Herz liess sich durch die Listige einnehmen und eilte voll Schrecken herbei, die Bezauberung zu endigen; sie versetzte die beiden Körper in einen tiefen Schlaf, damit die Operation desto ungehinderter vor sich gehen konnte, und unterdessen brachte sie jede Seele wieder in ihr voriges Wohnhaus.
Hexe Schabernack lachte dreimal laut in der Luft, als ihre List so gut gelungen war, und spottete der guterzigen Schwester, dass sie sich hatte betrügen lassen; sie konnte vor Begierde die Zeit nicht erwarten, wo die Schlafenden von selbst erwacht wären, sondern jagte in des Herrn von Blunderbuss' Nase eine Fliege, die ihn so empfindlich kitzelte, dass er unaufhörlich im schönsten Trompetenklange nieste.
So stark das Geräusch war und so sehr Blunderbuss es durch sein ungeduldiges Fluchen über das ewige Niesen noch vermehrte, so weckte es doch den schnarchenden Kakerlak nicht, und die Hexe sah sich genötigt, stärkere Mittel zu gebrauchen, um seinen tiefen Zauberschlaf zu vertreiben. Sie führte eine Wespe durch die Öffnung einer Fensterscheibe herein, die von den Patern in ihrer übereilten Flucht zerbrochen wurde; das summende Tier grub ihm seinen Stachel in die Schläfe; er fuhr auf, schlug es tot und schlief wieder ein, obgleich das Blut aus der Wunde quoll. Da an diesem philosophischen Körper mit keinem Sinne etwas auszurichten war, so näherte sich die Hexe seinem linken Ohre und rief mit schmeichelnder stimme hinein: "Grösster aller Philosophen, grosser Kakerlak, steh auf!" Sogleich öffneten sich seine Augenlider; er sprang auf und wollte mit lächelnder zufriedner Miene sich für einen so süssen Titel bedanken; aber zu seiner Verwunderung erblickte er kein menschliches Wesen um sich als den dicken aufgeschwellten Blunderbuss, der viel zu materiell aussah, als dass eine solche Schmeichelei von ihm herrühren konnte; er vermutete also, dass es nur ein Traum gewesen wäre.
Beide Teile befanden sich noch einmal so wohl, da der eine wieder ganz Herr von Blunderbuss und der andere wieder ganz Herr Kakerlak war. Es ist, wie schon jemand gesagt hat, mit Leib und Seele wie mit Futter und Oberzeug an einem Kleide: Beides muss nach einem Masse und nach einem Muster zugeschnitten sein, sonst passen sie nicht zusammen. Blunderbuss stellte vor allen Dingen eine Untersuchung im Keller an, ob die Bezauberung sich etwa auch auf seinen Wein erstreckt hätte, zählte seine Fässer zweimal, dreimal durch und glaubte, das Zählen verlernt zu haben, da er seinen Vorrat zweimal so gross fand als vor der Bezauberung; alle Paters, die sich über dem Exorzisieren im heiligen Eifer zu Boden tranken, hatte die schadenfrohe Schabernack in Weinfässer verwandelt und eines jeden Kopf so ähnlich, als wenn er lebte, in seinen Zapfen en haut relief geschnitten. Blunderbuss geriet ausser sich vor Entzücken und liess sogleich den Bruder Hieronymus anzapfen, um seinen Gast zu bewirten.
Es wurde aufgetragen; der Wirt fand den Wein überaus köstlich und konnte sich nicht sättigen. Kein Wunder! denn die Hexe hatte ihm die Prinzessin Frissmich-nicht ins Glas gespielt, die bei jedem zug die äusserst reizbaren Organe des Trinkers mit ihren kleinen Fingern so lieblich streichelte, dass er vor Vergnügen selbst nicht wusste, wie ihm geschah. Er nötigte seinen Gast bei jedem Glase, einem so guten Beispiele zu folgen, allein Kakerlak, der ganz wieder zum Philosophen geworden war, seitdem er die königliche Würde verloren hatte, wehrte das Glas weit von sich ab und war schon im Begriffe, einen sinnlichen Menschen zu verlassen, durch dessen Gesellschaft er sich zu entehren glaubte, doch die Hexe Schabernack wusste ein unfehlbares Mittel, ihn zurückzuhalten. Indem ihm der Herr von Blunderbuss mit gewaltsamen Zunötigungen ein volles Glas an den Mund hielt, spielte sie mit ihrer fertigen Taschenspielerkunst den Prinzen Lamdaminiro hinein, der dem Philosophen leise zuflisterte: "Weisester unter allen Weisen, grosser Kakerlak, trink mich aus! Erhabenster unter allen Sterblichen, würdige mich, dass ich von dir getrunken werde! Mich bestimmte das Schicksal dem grössten Philosophen der Erde. Trink mich aus, grosser Kakerlak!"
Wie geschmeidig gab seine Philosophie nach! Er schluckte begierig das Glas hinunter, das dem grössten Sterblichen bestimmt war, und foderte ein zweites, um die schmeichelnde Auffoderung zum Trinken noch einmal zu hören; er hörte sie und schenkte sich ein, um sie wieder zu hören; er trank fast noch unersättlicher als sein Wirt und berauschte sich in Schmeichelei und Wein so sehr, dass er Sinn und Sprache verlor.
Die Hexe wusste nach ihrer feinen Menschenkenntnis sehr