, und sie hielt daher dem durstigen Körper eine sehr nachdrückliche Ermahnungsrede. "liebes Körperchen", sagte sie ihm, "du wirst ein wenig zudringlich; du willst mich mit aller Gewalt zwingen, wider meine Grundsätze und Einsichten zu handeln und mich durch tierische Vergnügungen zu entehren. Ich sage dir ernstlich, dahin bringst du's nicht bei mir; gib dir weiter keine Mühe. Ich habe deine Schwachheiten bisher geduldet wie die Fehler eines Freunds; du bist eine Masse von Luft, Erde, Feuer und wasser, weiter nichts; du bist mir als mein Diener zugegeben, als mein Sklave, der mir auf den Wink gehorchen und nicht den Herrn über mich spielen soll; weisst du das wohl? Wenn du deine Unverschämteit zu weit treibst, so zieh ich von dir aus; ich habe so lange ohne dich gelebt, als ich seit Jahrtausenden in der Luft herumschwebte und die Zeit erwartete, wo ich eine solche Fleischmasse wie dich beleben sollte; ich kann dich wohl entbehren, aber was willst du ohne mich anfangen? Verlass ich dich, so fällst du zusammen und musst dich begraben lassen. Ich rate dir also wohlmeinend, sei mässig! Fodre nicht mehr, als zu deiner Erhaltung nötig ist; die natur bedarf wenig, und es ist eine Übertretung ihres ersten Gesetzes, wenn man ihr mehr aufdringt, als sie braucht."
In diesem Tone predigte sie lange und sehr gründlich über das Laster der Unmässigkeit, handelte im ersten Teile von seinen schädlichen Folgen, im zweiten von den Mitteln, ihr zu widerstehn, und war eben bei der Nutzanwendung, als die fliehenden Paters im hof anlangten. Da der Strafeifer sie bei ihrer Predigt sehr übernahm, so blieb es nicht bei einem inneren Herzensgespräche zwischen einer Seele und ihrem Körper, sondern sie zwang ihn, sich die Lektion vernehmlich und laut selbst zu halten.
"Was?" riefen die Flüchtlinge voll Schrecken, als die Ermahnung aus dem Spundloche in ihre Ohren schallte, "nun predigen uns gar die Weinfässer die Mässigkeit? Das ist ein rechter Satansstreich. Noch ist es gut, dass er seine Kanzel in einem leeren aufgeschlagen hat; Brüder, lasst uns beizeiten zuvorkommen, eh er auch in die vollen fährt." Der Rat war so gut ausgedacht, dass ihm alle ohne Anstand folgten; sie eilten in den Keller, exorzisierten und tranken so lange, bis keine Zunge mehr exorzisieren konnte.
Das Zimmer war also leer, wo die Blunderbussische Seele in ihrem philosophischen Körper schmachtete, und alles so still, dass es ohne Selbstgespräch nicht abgehn konnte; die durstige Monade war zwar sonst an Selbstbetrachtungen nicht gewöhnt, aber das Ausserordentliche ihres gegenwärtigen Zustandes nötigte sie wider ihren Willen dazu. Jeder Ton, jede Farbe, jeder Gegenstand kam ihr anders vor als sonst, weil sie durch ein Paar andre Augen sah und durch ein Paar andre Ohren hörte; die bekanntesten Dinge schienen ihr fremd, und es kostete ihr sogar Mühe, ihr ehmaliges Leibglas unter den übrigen wiederzuerkennen; der Weingeruch, der sie sonst so labte, kam ihr widrig und der Weingeschmack ekelhaft vor. Sie härmte sich über die Abnahme ihres Vergnügens und ward von der Traurigkeit so sehr überwältigt, dass dem Körper die Tränen in die Augen traten; vor Verdruss wünschte sie, sich von einem leib zu trennen, der ihr nur matte Empfindungen zuschickte und ihre liebsten Vergnügungen in Bitterkeit verwandelte.
Während dass sie sich so ängstigte und den Tod um hülfe flehte, kam die Seele im Weinfasse mit ihrer Predigt über die Mässigkeit zu Ende, und weil sie damit bei dem unmässigen Körper hinlänglichen Gehorsam bewirkt zu haben vermeinte, um sich ohne Schaden mit ihm unter die Menschen zu wagen, so machte sie Anstalt, aus dem Fasse herauszukommen; sie gab dem Körper einen Stoss, der Körper gab ihn der Tonne, und die Tonne fiel auf die natürlichste Weise von der Welt um, rollte auf den Steinen hin, eine steinerne Treppe hinunter, die Reifen sprangen ab, das Fass fiel auseinander, und die eingesperrte Seele kam nebst ihrem Körper auf die natürlichste Weise von der Welt aus dem Fasse.
Ebenso natürlich ging es zu, dass der Körper, ohne die Seele weiter darum zu fragen, seinen Weg gerade nach der stube nahm, wo er so oft gezecht hatte: Es geschah aus Instinkt. Wenn sich doch das Erstaunen mit Worten beschreiben liess, das die beiden Seelen überfiel, als jede ihren bisherigen treuen gefährten erblickte, ohne mit ihm in der vorigen Verbindung zu stehen! Sie wussten sich's nicht anders zu erklären, als dass es nicht mit rechten Dingen zuginge, und um hinter das Geheimnis zu kommen, liessen sie sich in ein Gespräch ein.
"Welcher Sappermenter hat mir meinen lieben Körper genommen", fing die Blunderbussische Seele an, "und mich in eine solche verdammte Maschine gesteckt, der Geschmack, Geruch und alle andre Sinne fehlen?"
"O hättest du ihn noch, diesen lieben Körper!" antwortete die andere, "er wird mich noch um alle meine Philosophie bringen."
"Welches Hundeleben, wenn der Körper nichts taugt!" klagte die erste.
"Welche Qual, wenn der Körper beständig den Herrn spielen will!" jammerte die andere.
"Schaff mir einen Dolch oder eine Pistole!" rief die durstige Seele. "Ich will die verwünschte Maschine ins Herz stossen, damit ich von ihr loskomme; was soll ich in so einem baufälligen Leimenhaufen sitzen, dem weder Essen noch