1784_Wezel_127_14.txt

Der Geiz'ge lässt vom List'gegen sich betören,

Und den Verschwender will der schlechte Wirt

bekehren.

Bald gibt, durch muntern Witz gestärkt,

Dem Hohn die beissende Satire

Das Lächerliche preis; zu andrer Zeit

Erweckt das Drollige den Geist zur Heiterkeit;

Bald malt ein zärtlich Herz in süsser Trunkenheit

Der Liebe Schmerz, der Liebe Seligkeit,

Ein andres die Verlegenheit,

Wenn man vor Liebe brennt und das Geständnis

scheut.

Vom Hofmann bis zum Musketiere

Sieht jeder seines Stands Philosophie,

Manieren, Sitten, Sprach in richtiger Kopie.

"Das ist mir recht", sprach der König, "dabei wollen wir bleiben; das Lächeln macht aufgeräumt, das lachen guten Schlaf und guten Appetit."

Als acht Tage vorbei waren, beschwerte er sich, dass ihm etwas fehlte; jedermann war schon bereit, es herbeizuschaffen, sobald er es nennen würde. "So etwas, das Augen und Ohren beschäftigt", antwortete er, als ihn seine Gemahlin darum befragte. "Der Witz und die Laune sind wohl gute Dinge, aber sie werden's nicht übelnehmen, wenn man sie endlich auch überdrüssig wird."

Man brachte ein Ringelrennen, ein Feuerwerk, einen Wettlauf in Vorschlag. "Recht so!" war des Königs Antwort. "Das ist gerade meine Sache."

laut wiehernd stampft der Hengst im Karussell,

Mit langgestrecktem Galopp durch die staubende

Laufbahn zu jagen,

Zum Siege den glänzenden Ritter zu tragen.

dicht, wie ein Wald vom Strahl der Morgensonne

hell,

Geordnet in zwei Reihen, blitzen

Der Lanzen aufgepflanzte Spitzen.

Begierig wartet schon, dem das gezogne Los

Den ersten Lauf bestimmt', aufs langverschobne

Zeichen.

Die Pauke schallt, schnell fliegt, wie vom Bogen

ein leichtes Geschoss,

Mit wankendem Federbusch Ritter und Ross,

Die Mitte des schwebenden Rings zu erreichen.

Ach! welch ein neidisches Geschick

Lenkt neben ihm vorbei die schwere Lanze?

Ein unglückselig Ross bei allem seinen Glanze,

Kehrt ohne Paukenschall der traur'ge Gaul zurück,

Und seufzend senkt die leere Lanze

Der Ritter mit verschämtem blick.

Um soviel mutiger durchrennt der zweite

Die Bahn auf einem Ross, durch langen Ruhm

bekannt;

Mit ausgestrecktem Arm fliegt ihm das Glück zur

Seite

Und lenkt ihm hülfreich Lanz und Hand.

Wie braust der stolze Wallach, da das Eisen

Des abgestochnen Rings am glatten Stahle klirrt

Und im gespitzten Ohr die Siegstrompete schwirrt!

Wie hebt der Sieger sich, wenn alle rings ihn

preisen,

Und klatscht den edlen Hals des Pferdes mit

Triumph!

Bald wurde für die überfüllten Sinne

Des Königs diese Lust, gleich jeder andern,

stumpf.

"Wie säte die natur die Freuden dünne!"

So seufzt' er oft. "Mit geiler Fruchtbarkeit

Gedeihn Verdruss und Langeweile."

Der ganze Hof studiert mit Emsigkeit,

Ein Mittel auszuspähn, das diesen Trübsinn heile.

Indessen wird in grösster Eile

Ein Feuerwerk hervorgebracht,

Wie seit der Schöpfung keins auf unserm Erdball

brannte.

In Gnaden schuf dazu der Himmel eine Nacht

So pechschwarz, dass kein Mensch sich selbst

erkannte.

Wald, Ufer, Tal, Gebirge kracht

Von fünfzig donnernden Kanonen.

Am Berge steigt ein feuriger Palast

Selbst Feen würden gern darinne wohnen

Wie hergezaubert auf. Dort wälzt sich eine Last

Von Feuer in die Luft mit prasselndem Getümmel;

Raketen speit der flammende Volkan

Zu Tausenden empor; sie bilden einen Himmel,

So sternenreich, dass Venus, Wassermann

Und grosser Bär erlischt. Es prasselt, platzt und

kracht

Weg ist der sternenreiche Himmel,

Geld, Pracht und Lust verdampft und alles finstre

Nacht.

Der König geriet ausser sich vor Entzücken und verlangte nunmehr zu seiner Glückseligkeit nichts als Feuerwerke; an allen Orten wurden Pulvermühlen angelegt; man ging auf nichts aus, als Schwefel und Salpeter zu entdecken, und die Feuerwerker wünschten sich doppelt so viele hände, um ihre Arbeit desto geschwinder fodern zu können. Schon bei dem fünften Feuerwerke beschwerte sich der König über Einförmigkeit in den Erfindungen, und das sechste sah er gar nicht.

Da er mit seinem Vergnügen und die Hofleute mit ihrer Erfindsamkeit ganz erschöpft waren, so wandte er sich an seine Akademie und gab ihr den Auftrag, die Erfindung eines neuen Vergnügens zur Preisaufgabe dieses Jahrs zu machen. Es liefen eine Menge Abhandlungen ein: Ein Astronom empfahl die Betrachtung des gestirnten himmels und die Berechnung der Kometenbahnen; ein Antiquar riet die Entzifferung und Aufsuchung alter Denkmäler an; ein Philosoph behauptete, dass ein Mensch gar keinen Kopf haben müsste, wenn er Langeweile in einer Welt hätte, wo es Metaphysik gäbe; so erteilte jeder seinem Vergnügen den Vorzug und glaubte, dass alle Menschen mit ihm auf einem Wege zur Glückseligkeit gelangen müssten und nur darum nicht dazu gelangten, weil sie einen andern gewählt hätten. "Lauter bekannte Dinge!" rief der König voll Zorn, als man ihm von den eingelaufnen Vorschlägen Bericht erstattete. "Etwas Neues will ich." – Jeder gestand in Untertänigkeit, dass es ihm unmöglich wäre, dies Verlangen zu erfüllen, weil... "Ach", unterbrach sie der König, "beweist mir nur nicht, was ich deutlich genug sehe. Es ist kein Wunder, dass ihr niemals Zeit übrig habt, wenn ihr alles beweist, woran niemand zweifelt. Halt ich mir nicht eine Akademie, die mir so vieles Geld kostet, und doch kann sie mir nicht einmal das Leben erträglich machen."

Er warf sich verzweiflungsvoll in seinen Armstuhl und beschloss den Genuss des Vergnügens damit, dass er gar