1784_Wezel_127_11.txt

Bosheit zu sehen. – Die arme Katze kam am schlimmsten dabei weg, denn zum grossen Leidwesen der Prinzessin starb sie auf der Stelle von der Einquartierung.

Die Prinzessin, die sich's nicht zweimal sagen liess, wenn sie einen Possen spielen sollte, begab sich sogleich ins Vorgemach des Königs; der Prinz eilte aus gutem herz eben dahin, um geschwind dem Könige etwas Gutes zu wünschen. "Kak", rief die Prinzessin, "Kak", rief der Prinz, und in der Minute legte jedes ein Ei; sie sahen sich voll Verwundrung an. "Kak, kak, kak", schrie die Prinzessin. "Wird denn das verwünschte Eierlegen bald aufhören? Da sind schon wieder drei Stück." Sie rief voll Zorn: "Kak, kak, kak", und je mehr sie rief, desto mehr legte sie Eier, desto mehr verwünschte sie die Eier, stampfte, schimpfte auf die Hexe, die ihr den Streich spielte, und musste von neuem rufen und von neuem Eier legen. Der Prinz, der von einem viel sanftern Temperamente war, verrichtete sein Geschäfte mit vieler Gelassenheit, sprach sehr gutmütig: "Kak", und sagte mit ebenso gutmütigem Tone, wenn er sich umsah:

"Schon wieder ein Ei?"

Die Prinzessin wurde immer heftiger und warf endlich vor Grimm alle ihre Eier an die Wand; sie rollten unter die Produkte des Prinzen, eins stiess an das andere, alle brachen entzwei. Und welches Wunder! aus jedem Dotter wurde ein Mensch, und jeder dieser Menschen war einer von dem Heere, das ehmals die Vorgemächer bevölkerte, da die Grossen noch der Etikette frönten und die Fesseln des Zeremoniells noch nicht zerbrochen hatten wie jetzt. Grosstürsteher, Grossschlüsselbewahrer, Grosskleiderkammermeister und wie sie weiter hiessen, und

Alle standen chapeau bas

Frisch gepudert, scharf geschultert da.

Jeder ging an seinen Posten, der Prinz und die Prinzessin in ihre Zimmer und begriffen nicht, was aus dem Wunderwerke werden sollte.

Der König wollte auf die Jagd gehen und glaubte noch wie sonst Herr seines Willens zu sein; er gab Befehl; der Befehl wurde dem obersten Stallmeister überbracht und brauchte eine ganze Stunde, eh er von diesem durch alle mittlere Instanzen zu dem Reitknechte hindurchkam, der das Pferd vorführen sollte; ebenso viele Zeit brauchte er, um sich von dem ersten Oberjägermeister bis zu dem niedrigsten Jagdburschen durchzuschlagen, der mitreiten musste, und zwei ganze Stunden wurden erfodert, ehe die Verordnung des ersten Marschalls zu allen gelangte, in welcher Uniform jeder sich einfinden sollte, der zur Begleitung bestimmt war. Der König verging beinahe vor Verdruss; er sah mit Verwundrung vom Fenster, dass sich eine Menge Pferde versammelten, als wenn er in den Krieg ziehen wollte. Die Begleitung wartete im ersten Vorgemache, aber niemand konnte zum König und der König nicht heraus; alle Türen waren verschlossen und der Grosstürbewahrer noch nicht da, der den Schlüssel dazu hatte. Er kam endlich, und vier Stunden, nachdem der Befehl aus dem mund des Königs gegangen war, brach der Zug auf.7

Es liessen sich Fremde vorstellen, und der König sprach mit ihnen, wie ein Mensch von verstand mit einem Menschen von verstand, offen, lebhaft, ohne Zwang. Als er sie von sich gelassen hatte, tat ihm der Grossfremdenvorsteller einen Vortrag, worin er ihm die Erinnerung gab, dass Ihre Majestät bei der Audienz wider die Regel der Etikette verstossen und mehr gesprochen hätten, als einem Monarchen anständig wäre. Der König fragte lachend, was einem Monarchen nach seiner Etikette anständiger wäre zu sprechen? "Nichts", antwortete jener, "als zwei fragen, eine über den Weg, die andre über die Gesundheit." – "Ich will reden wie ein Mensch, der zu reden weiss und bei Leuten, mit denen er spricht, Unterricht oder Vergnügen sucht", sagte der König unwillig. "Hat denn ein Klotz mehr Würde als ein Mensch?" – Durch diese unbedachtsame Rede tat er sich vielen Schaden bei den Grossen des Reichs; denn sie waren nicht unzufrieden, dass er redte, sondern dass er mit jemand ausser ihnen sprach; es entstand allgemeines Murren.

Der König wollte eine von seinen vorigen Freigebigkeiten ausüben und griff nach seinem grünen Sakke; wo war er? Der Grosssackbewahrer hatte ihn unter seine Aufsicht genommen. Umsonst befahl der König, ihn auszuliefern; der Verwahrer desselben behauptete, dass allein ihm das Recht zukäme, die Auszahlungen aus dem Sacke zu tun; auch dies liess sich der König gefallen, aber sooft er Befehl zu einer gab, so machte der Sackbewahrer so viele Gegenvorstellungen und Einwendungen, wenn er keine Lust dazu hatte, dass eigentlich nicht mehr der König, sondern sein Sackbewahrer Gnaden austeilte und dass sie daher nicht der Verdienstvolle bekam, sondern wer vor diesem Herrn am besten kriechen konnte.

Nicht besser ging es mit dem roten Nachtstuhl und der goldnen Büchse; der König wollte täglich, befahl täglich, und niemals wurde sein Wille, niemals sein Befehl erfüllt; er war nichts als eine Puppe, die den König vorstellte, die Ehre des Monarchen genoss und den Willen der Grossen unterzeichnete.

Er klagte seiner Gemahlin seine Not, wie sehr er in Vormundschaft geraten wäre und wie wenig er sich davon befreien könnte; sie erinnerte sich an den Rat der Katze und antwortete ihm nichts als "Kak". Sie vermutete, dass sich auf dieses Wort alle Vergnügen der Erde um sie her versammeln würden; aber