könnte. Nicht wahr? sagte er einmal – heute darf ich nach nichts fragen? Wir sind noch alle zu voll, zu froh! – Sie sollen alles erfahren, liebster Vater, antwortete Julchen: so weh es tut, sich selbst anzuklagen, fügte sie leise hinzu, so haben Sie doch ein zu entschiedenes Recht, alles zu wissen. – Einmal entwischte es mir, sie I d a zu nennen: Wie? was war das? nicht Julchen? nicht mehr Julchen? ach, sagte sie errötend, als ich unglücklich, und weit von Ihnen war, konnte ich die Laute eines Namens nicht ertragen, den mein Vater oft so zärtlich ausgesprochen hatte. Ich war eifersüchtig auf den Namen, der mich an glücklichere, unschuldsvolle Tage erinnerte. Ich legte ihn zurück, bis ein Tag wie dieser ihn mir wiedergeben konnte. Grüntal lauschte mit Wohlgefallen auf Ihre stimme, als ob er den Tönen einer entfernten Musik horchte. Der ehrliche Mann tat so schmuk und festlich, als wenn sein Hochzeitstag wäre.
Die Frau von Auerfelde war so erschöpft und angegriffen, dass der Oberste auf frühen Abschied und Trennung drang. Uns, mit den starken Nerven, sagte er, wird's freilich nichts anhaben; aber da die Armen, mit den zarten seidenen Fäserchen; – entlass sie, Grüntal. Oheim, Ihr übertreibts. Die Frauen werden uns erkranken. Sieh nur meine arme Lina; sie schwebt nur noch. Diese Rede des biedern Obersten wirkte. Eine Stunde nach dem Abendessen begab sich ein jeder zur Ruh. Julchen für diesmal noch nach dem Hügel, und ich verlangte nach unsrer kleinen Heimat entlassen zu werden, wo ich jetzt nach Mitternacht noch sitze, Dir diese Ereignisse mitzuteilen. Morgen früh bin ich wieder hinbeschieden. Da Auguste sich so tätig der Wirtschaft annimmt, so kann ich einige kurze Abwesenheiten wagen. lebe' wohl, Du Lieber, und gedenke Deiner
W i l h e l m i n e T ."
Fortsetzung.
"Wir versammelten uns zum Frühstück in der Jasmin Laube, in der ich so manche glückliche Stunde mit Ida zubrachte Ach wie so lieb und wert die ersten Eindrücke sind, nie, nie werde' ich den teuren Namen Ida, unter welchem sie mir zuerst bekannt wurde, ohne freudige Schauer aussprechen! Die Gesellschaft fand sich bald zusammen. Julchen war durch die Ruhe der Nacht zu einer bessern Fassung gelangt. Grüntal sah ihr recht scharf in die Augen, und sagte dann, mit dem Finger auf die Augen zeigend: Da sizt Gott Lob! noch recht viel vom ehemaligen Julchen aus Lindenau. – Die Augen schwollen ihr bei dieser Anrede; sie drückte seine Hand an ihr Herz und antwortete: auch hier, lieber Vater! Ihr Julchen wird aus dem gereinigten Sinn und Willen wieder hervorgehen. Bei dieser gelegenheit machte sie eine Bewegung mit der Hand, wodurch ihm ein prächtiger Brilliant in die Augen fiel, den sie zu tragen pflegte. Sein blick wurde wie mit einer düstern Wolke bezogen, und mit Unwillen in Ton und Gebärde fragte er: hattest Du das schon, als Du noch – als Du noch – er wusste sich nicht auszudrücken. Sie verstand ihn vollkommen, und indem sie tief beschämt den Ring abzog, stammelte sie ein: Nein! Er fasste sich, und erwiderte schnell, gut; das gehört den armen abgebrannten Nachbarn. – Und auch dieses, sezte sie hinzu, indem sie noch ein Kleinod, welches sie am Halse trug, hinzufügte. – Julchen, tu mir den Gefallen, wenn Du wieder unter uns leben willst, – dies sagte er ihr halb leise, – bringe nichts f r e m d e s mit, Du verstehst mich. Du sollst mit allem, was Dir fehlt, reichlich versorgt werden. Sie bückte sich auf seine Hand und küsste sie dankbar.
Mühmchen, fing der Oberst an, dass wir nicht wieder in den gestrigen Ton fallen, hätte ich grosse Lust, Ihnen zu erzählen, wie meine würdige Lina zu dem alten Degenknopf gekommen ist, den sie mit ihrer Hand beehrt hat. Lina soll ich? Karoline sagte, sie wollten sich in die Erzählung teilen, wenn's ihm beliebe. Gut, – sagte er, – so mache ich den Anfang.
Ich war Kommandeur des Regimentes, welches in in Garnison liegt. Meine Lebensart war die eines Garçon, der gutes Leben und wenig zu tun hat, ich schlief, ging auf die Parade, nahm einen Schnaps in der Apoteke, wenn die Wachparade abgeführt war, ging in mein Quartier, blätterte in Büchern und Landkarten, ass mit den Offizieren meiner Eskadron, schlief dann wieder, liess den Braunen satteln, ging mit meinem Tiras auf die Jagd, ass wieder und ging zu Bette. Diese Lebensweise war bis auf die Exercierzeit, die etwas mehr Strapaze, und weniger Schlaf gewährte, so unabänderlich einförmig, wie der Küchenzettel im Kloster. Man wird derselben so gewohnt, dass eine Abänderung zur Anstrengung ungeübter Kräfte wird; denn endlich wird einem der buntgefiederte Hahn des Nachbars, und die weisse Kuh der Frau Gevatterin, das, was in der grossen Welt ein Stutzer, und eine neue Maitresse ist.
Einst erscholl im Örtchen plözlich die Nachricht, es sei eine fremde Dame angekommen. Sie beziehe ein Haus und Garten in der Vorstadt, und so reich sie auch sei, würde sie doch aus wohltätigem Hange, eine Erziehungsanstalt errichten. Da war nun mit einem Male eine