Grüntal, werden Sie nicht bitter; Ihre Tochter ist allein, ist hülf- und schutzlos. Der Gram, die sehnsucht reibt ihre Lebenskräfte auf. Sie müssen, Sie w e r d e n verzeihen. – kennen auch Sie mich schon so gut? – Hat sie Ihnen denn schon gesagt? – Sie hat mir nichts gesagt, als dass sie ursache hat zu verzweifeln; und doch ohne Sie versöhnt zu haben, nicht leben kann. – Er stand still in sich gekehrt, unentschlossen und wiederholte für sich: nein, nein, verzweifeln soll sie nicht. Dann war er wieder still. – Herr Grüntal, fing ich wieder an, was soll ich meiner Freundin für eine Antwort bringen? Er schreckte auf, fasste hastig meine Hand, und sagte: – nun so kommen Sie, kommen Sie denn, ich bin von Herzen bereit. Doch! sollte die Verzeihung suchende nicht zum Vater kommen? – O pfui pfui, Herz an Herz, und wenn's Liebe sein soll, dann ohne Rückhalt! Kommen Sie. – Er riss mich fort. Ich hatte Mühe, seinen von der feurigsten Bewegung angetriebenen Schritten zu folgen.
Er flog voran, indem ich mir fast die Lunge zersprengte ihm zuzurufen, mit dieser Hast, und diesem Überraschen könne er seiner Tochter den Tod bringen. Die Eil war ohnedem vergeblich; denn es hatte sich indess etwas ereignet, das uns beide gleich unvermutet und schreckhaft überraschte. – Ida, nicht doch, – Julchen, hatte, von banger Erwartung gefoltert, meine Zurückkunft nicht ruhig in ihrem Zimmer erwarten können. Sie war mir gefolgt, und hatte mich wahrscheinlich in einer Laube des Gartens erwarten wollen. Dort fanden wir sie zu den Füssen der Frau von Auerfeld ohnmächtig, und diese Frau zitternd und in Tränen gebadet. Ich verzage, lieber Wilhelm, Dir ein anschauliches Bild von dieser, in ihrer Art, einzigen Szene entwerfen zu können. Grüntal schoss an mir vorbei, indem er unartikulirte Töne ausstiess, die mir durch Mark und Bein drangen. Mir war um des Mannes Verstand bange. Er riss die ohnmächtige Tochter auf, nahm sie wie ein Kind in den Arm, küsste und überströmte sie mit seinen Tränen ohne zu sprechen, oder Notiz von uns Umstehenden zu nehmen. Julchen öffnete die Augen, schrie auf, als sie sich in ihres Vaters Armen fand, und umklammerte ihn konvulsivisch. Lieber Onkel, sagte die Frau von Auerfelde mit lieblicher stimme, Sie werden beide der Gewalt dieser Eindrücke unterliegen. Still, Karoline! weisst Du, wie dem Vater war, als er den verlohrnen, den reuigen Sohn wieder umarmte? – Als nach einer Weile die Tochter zu sich kam, rief sie noch immer, den Vater fest umklammernd: Vater, Vater, auch Karoline nimmt mich wieder an; sie vergiebt mir, – Liebstes Mühmchen, antwortete die herzige Frau, lass das Vergangne uns vergangen sein. Mein heissester Wunsch war, dich wieder zu finden; nur der alten Liebe wollen wir uns erinnern. Julchen riss sich vom Vater los, und stürzte zu den Füssen der liebreichen Frau hin, und legte angetrieben, man sah's deutlich, angetrieben von tiefer zerknirschender Demut, ihr Gesicht in den Staub hin. – Frau von Auerfeld vermochte den Anblick kaum zu ertragen, sie winkte dem Vater, dass er die Tochter aufheben möchte; der es dann mit einer Bewegung tat, die ich nie vergessen werde. Julchen, mein Kind, mein armes Kind, hast Du so vor deinem Schöpfer in den Staub dich gebückt, so ist die Schuld bei dem Barmherzigen getilgt, und wir müssen Dir die hände zur herzlichen Versöhnung reichen. Sieh nur, Julchen, wie Du der armen Karoline das Herz brichst. Liebe Nichte, Ihnen ist ohne dies schon nicht wohl. Schonen Sie sich. Lassen Sie mich, ja lassen Sie mich die Freude allein tragen. In diesem Augenblick beneide ich jeden, mit dem ich Julchen teilen muss. Karoline, gehen Sie jetzt zu Ihrem Gemahl, und bereiten ihn vor, wen er zu erwarten hat. Die arme Karoline war für diese angreifende Szene zu schwach geworden; ihr war so übel, dass ich ihr meine Unterstützung anbot, sie nach ihrer wohnung zu führen Als wir uns entfernten, hörte ich, dass Julchen wieder Worte gewann, und in liebkosenden Tönen mit dem Vater sprach. Da mein Brief zu einer solchen Länge herangewachsen ist, breche ich hier ab; künftig lernst Du den Gutsherrn kennen. – Auguste küsst Dir kindlich die hände; ich umarme Dich zärtlichst und bin ewig die Deine.
W i l h e l m i n e ."
Minna zur Fortsetzung.
"Deine Abwesenheit, mein Lieber, macht mich zur gewaltigen Schreiberin. Verzögert sich Deine Zurückkunft, so fürcht' ich gar ein Buch zur Welt zu bringen. Ich stelle mir vor, dass Dich die Geschichten, die hier zu land vorgehen, sehr interessiren, und da Du Ida immer gern leiden mochtest, wirst Du gern hören, was weiter aus ihr wird. Ich gehe also frisch an's Werk. Ich bin, wenn Du Dich erinnerst, noch mit der Dame auf dem Wege nach ihrer wohnung. Sie fragte beim Eintritt in das Haus, wo ihr Mann wäre? Der Herr Oberst sind in ihrem Zimmer und schreiben, sagte der Jäger. Sie war so matt, dass sie ein Glas wasser foderte. Sie sehen mich in einiger Verlegenheit