das Geld soll Seine sein. Weil Er mir immer ordentlich gedient hat, so ist's billig, dass ich mich bei allen Gelegenheiten dankbar gegen Ihn beweisen tue. Ich hab's Ihm nicht vergessen, Alter, wie Er mich bei Torgau aus dem Getümmel trug.' – Denn sehen Sie nur, unser Herr war damals Kornet, und das Pferd wurde ihm unter'm leib todtgeschossen, und er bekam eine Wunde, sehen Sie nur, justement hier ging sie ihm vorbei, die Kugel." – – Gut, gut! fiel ihm Minna ungeduldig ins Wort; die Nachricht, lieber Herr Schulz, die Nachricht! – "Ja, dass ich Sie nicht zu lange aufhalte. Der Abend ist ein wenig frisch; um diese Zeit ist es immer so, ich weiss, als ich noch ein kleiner Junge war" – – War Er ein lieber, munterer Knabe, nicht wahr? und wurde leicht ungeduldig, nicht wahr? – rief Minna noch ungeduldiger. – "Herr Jemine, unser einer kann ja nicht so fix mit der Sprache heraus!" fuhr der Alte langsam fort. "Nu, was ich sagen wollte, da sagte ich denn: wenn der gnädige Herr es erlauben tut, so wüsst' ich wohl jemand, dem mit dem Sommerplaisirchen gedient wäre. Da hat mir mein Schwager geschrieben, wenn sich hier herum so etwas fände, bei ihm in Orte hielte sich – tat er mir schreiben – eine Dame auf, von der kein Mensch wüsste, wo sie her gestoben und geflogen wäre. Es müsste wohl so eine Mätresse sein. Er für sein teil früge nicht darnach; sie wäre hübsch und fein, und bezahlte auch gut: bei ihm lebte sie still und ordentlich; nur dass sie manchmal so rappelköpfisch wäre, dass sie stundenlang weinen täte, und über Papieren sässe. – Weiter, mein Freund: ich höre, er meint mich, – sagte Ida; – ja, geweint habe ich viel, mich drückt ein schwerer Kummer, das ist wahr. – Na, darum jammerte es mich auch; und ich dachte, ich wollt's Ihnen zuwenden, weil der Schwager doch schrieb, Sie bezahlten auch ordentlich. Meine Alte brummte auch wohl, und sagte, ich würde wohl allerlei in's Haus schleppen, ich könne die alten Soldatenstückchen noch immer nicht vergessen. Aber, mein Seel'! noch hat's mich nicht gereut, Sie sind eine gute liebe Madame. Nur schade, dass die Freude so bald ein Ende nehmen soll; da schreibt nun der gnädige Herr: – er las den Brief: 'Mein lieber Schulz, wenn das Heu herein ist, so sorge er doch – nun das dient Ihnen nicht zu wissen. – Und – ja wo ist es denn nun? – Von wegen der wohnung, sorge er, dass sie geräumt wird. Es sei denn, dass die fremde Dame sich mit dem kleinen Gartenhause, auf dem Berge behelfen wolle. Denn ich bringe einen alten Freund mit, den ich in der untern grünen stube gern einquartieren möchte.' – Da war's heraus, Madamchen. Nun tun Sie, was Sie wollen. Morgen oder Übermorgen kommt die herrschaft. – Das Gartenhäuschen ist wohl hübsch. Eine, zwei – ja warten Sie mal; ein, zwei Stuben und zwei Kammern. Der Kamin ist geräumig genug zum kochen. Und ne Aussicht, potz tausend! man sieht bis in andrer Herren Land."
Ida, welche etwas schreckliches besorgt hatte, sagte mit erleichtertem Herzen: ich nehme es an, lieber Schulz; mir liegt daran, noch eine Weile in dieser Gegend zu bleiben, wo ich eine so liebe Freundinn gefunden habe, und wo ich den Ausgang meiner Angelegenheiten abwarten will. – Sein Herr ist also wohl ein recht braver Herr? ist er verheiratet? – O er ist ein scharmanter lieber recht gemeiner Herr; ob schon ein grosser Generals Sohn, und so alt von Adel, dass es bald gar nicht mehr wahr ist; so ist er doch gar nicht grossmütig, wie die andern Herren vom Adel, die da immer denken, unser einer wäre von andern Kot zusammengesezt. Denn sieht er wohl, lieber Schulz, – sagt' er oft, – ich bin aus der Mutter Schooss gekommen, wie mein Knecht, und muss meine alten Knochen dahinlegen, wie er; was sollt' ich mich denn überheben, wenn meine Vorfahren brave Kerls waren? Und seine Dame, ob schon sie nicht von Adel ist, so tut sie auch nicht so dicke tun, wie wohl andre, die in der Welt zu was kommen. Sie ist eine fromme demütige Dame, die nicht hoch 'raus will, und man immer sich mit der Armut abgeben tut: da tut sie die Kinder dies und das lehren; o unsre Mädchen sind auch weit und breit berühmt, dass sie sich so gut können mit Kindern behelfen; das lehrt sie alles die gnädige Frau. Die Madame Nachbarn wird wohl schon davon wissen.
Sie hat einen ungemeinen Ruf, sagte Minna; ich kenne sie selbst noch nicht, aber meine Auguste hat ihre Bekanntschaft schon gemacht, und erhebt sie bis in den Himmel, wegen ihrer Güte. Allein, damit wir doch endlich etwas beschliessen, liebe Ida, Sie müssen also das grüne Zimmer, des alten Hausfreundes wegen, der mit kommt, räumen. Schade! das