r m u t h , hatte auch bei uns seine Dienste getan. Auch mein Mann und meine Tochter genossen einer Stärke der Gesundheit, von der sie bis dahin durch sich selbst keinen Begriff gehabt hatten. In unsern Mussestunden, deren wir aber nur wenige hatten, lasen wir aus dem Büchervorrate unseres Freundes; da ich mich aber in allem Ernst vor dem Bücherlesen fürchtete, so schränkte ich mich grösstenteils auf Spaldings schätzbare Schriften ein. Der sanfte Geist, der darin atmet, tat meinem Herzen unendlich wohl. Doch las ich auch wirtschaftliche Schriften, Naturhistorie, Physik, etc. und unser Freund brachte mir einige praktische botanische Kenntnisse bei.
Unser kleines Hauswesen gedieh so gut, dass wir uns in kurzer Zeit schon nach Erweiterung des Raumes, den wir inne hatten, umsahen. Uns war so wohl, wir dachten so wenig an die Welt, die wir, oder vielmehr die uns verlassen hatte, zurück, dass es uns beinahe eine schmerzliche Nachricht war, als meines Mannes Tante starb, und uns eine gute Erbschaft hinterliess. Die Eingeschränkteit hatte uns in steter Spannung und Tätigkeit erhalten; ich fürchtete jetzt den Wohlstand wie eine Hyäne. Allein wohl mir! meines Mannes Gefühl war gereinigt, wie das meinige. Er hob die Erbschaft, brachte nur so viel Zeit, als eben zu diesem Geschäfte erforderlich war, ausser dem kleinen Bezirke unsrer Zufriedenheit zu, baute uns nachher unsre Hütte bequemer und anständiger auf, kaufte das Land, das wir nur in Pacht gehabt hatten, und das ist nun eben das Häuschen, in welchem Sie, meine Ida, Ihrer Freundin so einfach und so überaus glücklich ihre Tage verrinnen sehen! – D e r k l u g e , g u t e H e r r , dem wir unsre bessere Existenz verdanken, ruht dort unter den beiden Linden, über welchen die vergoldete Kirchturmfahne hervorragt. Ich gehe den Hügel, der seine teure Asche deckt, nie vorüber, ohne meine Tochter dabei verweilen zu lassen, das Andenken dieses unsres Heiligen zu segnen, und mir den Spruch zu wiederholen, den ich oft von seinen werten Lippen gehört habe: "W o T u g e n d und Arbeitsamkeit herrschen, da w o h n t a u c h d a s G l ü c k ." Minna schwieg als sie ihre Erzählung geendigt hatte, und Ida sass tief in sich versenkt, mit zurückgelehntem kopf. – Also Armut und strenge Arbeitsamkeit wurde Ihnen der Weg zum Glücke! Gut, das braucht man ja nur zu wollen! arbeiten, o ja, arbeiten ist sehr gut! Nüchternheit reinigt die Seele, sagt man. – So redete sie in abgebrochnen Sätzen, als wenn sie allein wäre. Minna erschrak, und schlug ihren Arm liebend um der Freundin Nacken. – Was bewegt Sie so sonderbar, meine Liebe? meine Erzählung hat Sie empört. Nicht wahr? Sie sinnen, wie Sie nur ein Herz von sich entfernen wollen, das Ihrer Liebe nicht immer w e r t h war. – O nein, nein! rief Ida, und brach in Tränen aus; ich sann, ich gestehe es Ihnen, ich sann, wie ich dem Versprechen, Sie mit mir bekannt zu machen, wenigstens noch auf einige Zeit ausweichen könnte, und da erschrak ich, dass das Ende Ihrer begebenheiten mich ereilt hatte, ohne dass ich vorbereitet war. Und nun, Minna, hat mich der Schluss derselben, Ihr Edelmut, die Grösse Ihrer Beharrlichkeit, Ihre Entschlüsse, das alles hat mich vernichtet; ich habe Ihnen grössere Fehler, und weniger Mut, sie gut zu machen, mitzuteilen. O, erlassen Sie mir die bittere Aufgabe! nur noch auf einige Zeit erlassen Sie sie mir! Sie sollen alles hören; aber mich sogleich neben Sie, die Gute und Edlere, zu stellen, das vermag meine Eigenliebe nicht. Ich bin klein, sehr klein, wie Sie sehen; aber ich war nicht immer so arm, so mutlos. Einst, – ach, es war eine schöne Zeit! – durft' ich mit freiem blick um mich schauen; doch das ist lange her, und seitdem – – – Hier trat der Verwalter des Edelhofes, den Ida seit einiger Zeit bewohnte, zu ihnen. Er redete Ida an: "Madame, es tut mir recht leid, dass ich Ihnen etwas sagen muss, das Ihnen unangenehm sein wird; Sie sind ohnehin immer so traurig. Ich gehe schon seit gestern mit dem Gedanken um, wie ich's Ihnen vorbringen soll. Nun, da eben die Madame bei Ihnen ist, kann die Sie trösten; die ist ja immer so lustig wie ein Finkenmännchen." – Diese Einleitung machte einen sichtbar unangenehmen Eindruck auf die Frauen. Ida hatte nicht den Mut, zu fragen, was das für eine Nachricht sei. Minna drängte den Mann, dass er damit herausrücken musste. "Ja," fing er langsam stammelnd an, "als der gnädige Herr nach Mecklenburg ging, liess er mich kommen, und sagte: 'Hör' Er mal, Schulz, ich reise zu meinem Bruder, der ist krank, und werde bis zum Oktober wegbleiben. Da steht nun das Haus und alle die Wirtschaft allein. Es ist Schade, dass kein Mensch in der Blumenzeit hier sein soll. Findet sich jemand, nämlich ordentliche, rechtliche Menschen, so kann Er die Zimmer da unten zum Sommerplaisir vermieten tun, und