spielte ich schlecht, weil ich überall, wo ich spielte, baares Geld war. Eine Zeitlang nahm mein Mann dies ganz gut auf; hatte er aber selbst namhafte Summen verloren, so hiess es: Du solltest Dich doch etwas mehr in Acht nehmen. Ich tat es nicht, weil ich dachte, er, der grössre Summen aufs Spiel setzt, sollte sich noch mehr in Acht nehmen. Durch diesen Widerstand wurde meine Spiellust bald Spielwut. Mein Nadelgeld, wofür ich mir Putz und Kleider anschaffen sollte, reichte nicht mehr aus, und ich borgte von dem zur Haushaltung bestimmten Gelde. Anfangs ersetzte ich's gewissenhaft; dann nahm ich's weniger genau, ob ich gleich noch vor mir selbst errötete, wenn ich für manchen Einkauf grössere Summen in das Wirtschaftsbuch eintrug, als sie gekostet hatten. Da aber alle diese geringen Behelfe nicht mehr hinreichten, sprach ich unsern Hausarzt um eine Summe an, und gab einen edlen Gebrauch derselben vor. Der blick, mit welchem der edle Mann mir das Geld hinreichte, drang mir tief in die Seele. "Er hat in Deinem Herzen gelesen," sagt' ich mir; "er kennt Dich, sieht Dich so schlecht, als Du Dir selbst erscheinst." So, meine Ida, lag das bessere Ich mit dem hingerissenen, vom Strudel ergriffenen in stetem, erschöpfenden Kampfe. Aber das Bessere siegte so selten, dass ich vielmehr, immer mutloser zum vergeblich unternommenen Kampf, von einer Stufe der Verderbteit zur andern herabsank. Zu den Zügen, die mir noch heiss auf der Seele brennen, gehört einer, bei dessen Erinnerung ich noch erschrocken zurückfahre, weil er das Verderben eines Menschen nach sich zog.
Das schöne baare blanke Geld, welches mir mein Mann gab, um den Domestiken ihren Lohn auszuzahlen, jammerte mich, und ich hatte von ganz gut renommirten Frauen gehört, dass sie ihren Mädchen, statt der versprochnen Münze, alte abgelegte Kleider gaben. Das schien mir nachahmungswürdig; ich sichtete meinen Kleidervorrat, fand viel Veraltetes, legte es in bester Gestalt auf Stühlen aus, machte unmässige Preise, und rief meine Mädchen herein. Die jüngste, ein eitles, törichtes Ding, haschte gierig nach dem modischen Plunder, liess sich jeden Preis gefallen, und die Frau Rätin strich richtig die blanken Taler ein. Bald nachher strotzte sie in dem zusammengestoppelten Flitterstaate, und ich beging nun noch die zweite unverzeihliche Schwachheit, es ihr nachzugeben, dass sie unter dem Vorwande, den Schneiderlohn zu ersparen, die Kleider in dem Schnitte trug, wie ich sie getragen hatte. Das nicht übel aussehende Mädchen fing an, von den Männern bemerkt zu werden, und ein rosaseidenes Jäckchen trug ihr manches reichliche Trinkgeld, und manchen verstohlnen Kuss beim Hinausleuchten ein. So durch Liebkosungen gereizt, ergab sie sich bald den gröbern sinnlichen Ausschweifungen. Ich schaffte sie ab, ein Bekannter meines Mannes unterhielt sie; aber bald überschritt ihre Lüderlichkeit alle grenzen, und nach nicht gar langer Zeit beschloss sie ihr Leben im öffentlichen Krankenhause.
Ein zweites Wochenbett, worin ich meine Tochter gebahr, war mir eine unangenehme Unterbrechung meiner Lebensweise. Ich nahm eine Amme, um geschwinder loszukommen. Diese war von einem heimlichen Übel angegriffen; sie teilte es meinem armen Wurme so sehr mit, dass das unschuldige Kind unheilbar schlimme Augen und einen Fehler am Nasenbeine bekam, wodurch es die schnüffelnde widrige Sprache erhalten hat, deren Laute mich oft aus meiner süssesten Ruhe aufschrecken, und mir meine Verbrechen vorrücken.
Noch war es nicht zu spät umzukehren, hätte mein Mann nur ein Fünkchen Glauben an stille häusliche Zufriedenheit gehabt. Kam die gewohnte Stunde zur Abendgesellschaft, so war's als würden wir mit einem Schlage beide elektrisirt. War zu dieser Zeit jemand bei uns, so wurde es auffallend und lächerlich, unsre Zerstreuung zu bemerken, zu sehen, wie wir einander winkten, und die Sprache nur dann erst wiederfanden, wenn der Gast Miene machte, gehen zu wollen.
Wenn Sie, meine Ida, mich zu fragen scheinen: "Wie konnte ein liebendes, herzliches Mädchen so schnell ein kopf- und herzloses Weib werden?" – so kann ich Ihnen nur antworten: "ich weiss es selbst nicht!" Wie wahr ist es doch, was ein bekannter Schriftsteller von uns sagt: "Das Mädchen hat keinen charakter; das W e i b entwickelt ihn mit schneller Fertigkeit!" Sollte es aber nicht ein Fehler der gewöhnlichen Mädchenerziehung sein, dass man den Begriff von Tugend uns zu sehr vereinzelt, und beinahe die Keuschheit ausschliessend darunter versteht? Diese an sich so schöne, so göttliche Tugend muss dann oft bei wahren Hausdämonen für den Mangel aller übrigen schadlos halten. Mich dünkt, es war Anna von Bretagne, die böse und geizig, aber sehr keusch war, von welcher ihr Gemahl sagte: "ich wollte, sie wäre etwas weniger keusch!"
Und, – was soll ich's bergen? – mein Ideal von einer glücklichen Ehe war unerfüllt geblieben. Die Basis aller meiner guten Anlagen war immer L i e b e gewesen; zwar kindliche, aber dennoch immer Liebe! Auch meinem Gatten hätte ich gern aus vollem Herzen Liebe gegeben, wäre sie nur seinem Herzen wert gewesen. Ach! Liebe will Gegenliebe; sie will empfunden, gewürdigt, erwiedert sein! Ihm war aber die Liebe, – an welcher sein Herz nicht teil nahm, – zur Gewohnheit, zu einem Zeremoniel geworden, wobei er kalt blieb,