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Tochter in ihrem jugendlichen Übermute abwies. Auf meine ihm gegebene Versicherung, das Mädchen sei ihm gut, war er, wie ich schon gesagt habe, in seiner Bewerbung um sie ernstlicher geworden; der Wunsch, über eine Sache, die ihm so sehr am Herzen lag, Gewissheit zu haben, war sehr natürlich. Er schrieb also mit dem vollsten Ausdruck der Liebe an meine Tochter, und trug es Karolinen auf, Julchen den Brief zu übergeben. Sie tat es, und das arme verlorne Mädchen drückt sich im folgenden Briefe an Marianen höchst lieblos darüber aus.

"Ich würde glauben Sie wären gestorben, meine beste gnädige Frau, hätte ich nicht den Maskenhabit gesehen, welchen Ihnen Madame Douillet überschikken soll; Sie leben also noch, und sind für's erste auch noch nicht Willens, an den Tod zu denken. Auch Ihr Gemahl scheint sich noch lange seines Lebens freuen zu wollen; er hat A n n e t t e n , bei deren Namen mich noch schaudert, eine schöne Equipage geschenkt, und wohnt mit ihr in einem Garten. Vielleicht ist Ihnen diese Nachricht nicht ganz angenehm, denn Sie werden nun wahrscheinlich wenig von der Stadt geniessen. Ihr Herr Vater verhält sich sehr ruhig, weil das Podagra ihn an seinen Lehnstuhl fesselt, u.s.w.

Das sind freilich trübselige Dinge, aber dafür nun auch etwas Lustiges. Was Sie weissagten ist erfüllt. Seine Hochehrwürden, Herr E i c h e , haben sich ganz förmlich als meinenLiebhaber? o nein, dazu sind wir zu fromm! – als meinen F r e y e r erklärt. Karoline hat mir einen Brief von ihm gegeben, der ein wahres Original in seiner Art ist. Er tat mit zu wissen, dass er, von meinem Herrn Vater aufgemuntert (ich dächte doch, man fragte erst die Tochter, ob auch sie aufmuntern will), es wage, um meine Freundschaftnur Freundschaft, wie genügsam! – undum meine Hand zu bitten. – Sie sehen, die Heiligen machen nicht viele Umstände. – Dann folgt eine weitläuftige Berechnung aller Freuden, die unser Hausstand gewähren würde, – die mir Blödsichtigen aber gar nicht einleuchten. – Endlichim Ernst, er ist bei allem dem entsetzlich kühnerklärt er mit dürren Worten, wie ich mich, als Frau eines Geistlichen und als seine geliebte Hälfte, – oho! so weit sind wir, dem Himmel sei Dank! noch nicht; – zu betragen hätte. Er liebe nämlich die Eingezogenheit, – gut, dass er's vorher sagt; ich liebe sie eben nichtund er gestehe offenherzig: seine Umstände erforderten Häuslichkeit, – so heirate der Mann lieber nichtund verlangten eine billige Einschränkung eingebildeter Bedürfnisse. Dochfügt er recht priestermässig galant hinzudies würde er, in jeder Rücksicht, meinen Einsichten überlassen. – Aber was plage ich mich? hier ist die lesenswerte Pièce selbst; allein ich erbitte sie mir zurück, mein Vater möchte sie sehen wollen.

Falk, wie er nun so ein drolliger allerliebster Mann ist, rät mir, ich soll Eichen einige Zeit in Ungewissheit hinhalten; das will ich auch, der komischen Auftritte wegen, die das geben muss. Karoline behandelt die Sache so ernstaft, als wäre von ihr selbst die Rede. Als sie mir den Brief gab, machte sie ein erstaunlich feierliches Gesicht. Zum Vorspiel umarmte sie mich so oft, weinte, und sah mir so fest in die Augen, dass ich wirklich zitterte, und glaubte mein Vater sei etwa tot, und das würde mir denn doch recht nahe gehen. Als ich mich nur erst überzeugt hatte was es war, fing ich laut an zu lachen. – liebes Julchen, – sagte sie mit kläglichem Gesicht, – der Mann liebt Sie so innig und redlich, er verdient, dass Sie seinen ehrenvollen Antrag ernstafter aufnehmen. Desto schlimmer für ihn, wenn er mich liebt! – antwortete ich, und lachte noch ausgelassener. Ihr Vater, – fuhr sie fort, – hat sein ganzes Herz auf diese Heirat gesetzt. Das hätte er nicht tun sollen! – fiel ich ihr, noch immer schäkernd, ins Wort. – Julchen, Julchen, sehen Sie doch den redlichsten der Männer, E i c h e n , nicht so an, wie die jungen Gecken, die in Gesellschaften Sie umflattern! – Ich glaubte, sie hätte im Sinn mir Vorwürfe zu machen, und das bewog mich, ihr in einem beleidigten Ton zu sagen: es tue mir leid, wenn mein Vater sein Herz auf eine Sache gerichtet hätte, d i e m i c h n o t h w e n d i g u n g l ü c k l i c h m a c h e n m ü ss t e . – Unglücklich? Cousine, Sie bedenken nicht was Sie sagen! Wird es Sie nie gereuen? – Da kam mir der lose Einfall, dass man den steifen Freier wohl für seine kecke Anmassung ein wenig züchtigen könne. Ich zwang mich in einen recht treuherzigen Ton hinein, und bat Karolinen, man möchte mir Bedenkzeit verstatten. Karoline dankte mir so ehrlich, dass es mich beinahe gejammert hätte. Sie umarmte mich; und so endigte dieser feierliche Anwerbungsaktus wie er begonnen hatte, – mit einer Umarmung.

Im Vertrauen kann ich's Ihnen wohl sagen, meine

Liebe, ich glaube