freilich durch ihre Eingezogenheit nicht an Eleganz gewonnen hatten, und also dem Endzwecke meiner guten Frau, sich ein wenig sehen zu lassen, schlecht entsprachen. Es half alles nichts; jedes Stück wurde belacht und bekrittelt. Endlich erhielten wir den hochadlichen Besuch in unsrer wohnung, als die Familie mit allen Adlichen, fünf Meilen im Umkreise, fertig war. Die unbehülfliche gnädige Frau fand in der Gegend alles insupportable, brachte allerlei kleine nippes zum Vorschein, die sie von ihrer Mutter hatte, welche Hofdame an einem kleinen hof, und respektive intime Freundinn Sr. Durchlaucht des Fürsten gewesen war, sprach von grossen Gesellschaften, in welchen sie zu Berlin hatte sein müssen, die so u n v e r a n t w o r t l i c h g e m i s c h t gewesen wären, dass sie den plattitudes d e r k r a s s e n B ü r g e r l i c h e n beständig ausgesetzt gewesen sei, es wär' entsetzlich, wie sich dort der Adel im bürgerlichen Umgange herabsetze; daher denn diese rohe Race sich anfange einzubilden, sie könne es endlich durch die Erziehung dem Adel wohl gleich tun! Man könne wohl populär sein, aber sich doch mit dem Bürger nicht gemein machen. Meiner Frau Zupfen und Fusstreten unterm Tisch, und ihr bittendes Gesicht, bändigte einigermassen den Geist, der aus mir reden wollte; doch entfuhren mir einige Kernsprüche, die ich der albernen adlichen Frau scharf ans Herz legte. Diese taten gut; die Dame lenkte ein, und verfiel nun auf das Kapitel der Moden. Zu meinem Schrecken und Ärger verleideten sie nun meiner Frau jedes ihrer Kleidungsstücke, so dass meine armen Frauenzimmer ganz beschämt da sassen, als wären sie nur im Kostüme der alten Mutter Eva gewesen. "Sie können sich ja dergleichen Kleinigkeiten leicht aus Berlin kommen lassen." O freilich, fiel ich etwas derb in den Text, der Verwalter kann, wenn ich ihn mit Wolle oder Korn hinschicke, das Korn gleich gegen Hüte und Kopfputz, und die Wolle gegen Kleiderflor umsetzen. Das geht recht gut. Und kommt denn der Pachttermin, je nun Lieschen, so bieten wir der kammer – je was denn? – alten Flor? – an. Meiner Frau, der das plötzlich einleuchtete, trat eine Träne ins Auge, der ich leider nie zu wiederstehen vermochte, und ich verliess das Zimmer.
Seit dem Tage ging mein Elend eigentlich an. Meine Frau sah beständig missmütig. auf mich. Meine herzlichste Liebkosung erwiderte sie verdrossen, oder durch ein: geh' nur, du böser Mann, du hast mich doch nicht lieb, würdest du sonst nicht mehr für deine Kinder tun? – Die natur hat Julchen mit allem, was ein Mädchen zur lieblichsten Blume macht, reichlich ausgestattet. Wir haben getan was uns oblag, wir haben nichts von dem was sie gegeben hat, verkünstelt, sagt ich dann wohl. – Freilich ist Julchen von natur sehr angenehm, aber sie hat doch kein Air, wie die Forstmeisterinn sagte, wendete mir dann mein Lieschen ein. "Du bist wunderlich Liese, hat unsre Tochter nicht Verstand und ein gutes Herz?" – Antwortete ich härter, so fiel sie mir weinend um den Hals: nur auf zwei, zwei kurze Jahre sollt' ich Julchen nach Berlin lassen. Noch wollte ich nicht darauf hören; endlich kam es gar heraus, dass die gnädige Frau deshalb schon nach Berlin an eine sogenannte Erzieherinn geschrieben hätte. Ich ergrimmte, schalt, und – ward wieder gut; des ewigen Streitens und Ankämpfens gegen die Lieblingsideen geliebter Personen wird das Herz bald müde. Ohnedem sind die Weiber (mit ihrer erlaubnis Frau Pastorinn) schwach wie die neugebornen Kinder, wenn sie gegen irgend eine ihrer Neigungen kämpfen sollen: aber gilts eine Lieblingsidee durchzusetzen, o dann ist keine Löwinn beherzter, und keine Amazoninn unternehmender.
Ich nahm Julchen bei Seite, um ihre eignen Wünsche über diese Angelegenheit auszuforschen. Sie äusserte zwar viel Gehorsam gegen mich; aber ich sah leicht, dass die Mutter ihrem biegsamen Herzen schon die ihr selbst gefällige Richtung gegeben hatte. Ihrem jungen unerfahrnen Sinne war Berlin in die glänzendsten Perspektive gestellt; sie selbst sah sich schon dort im Geist als eine vielgeltende Erscheinung; das hatte der fräulein frivoles Geschwätz bewirkt. Überdem fand ich, dass meine Frau der verächtlichen Begegnung dieser gnädigen Gänselein zu viel Gewicht bei ihr gegeben hatte. Dies beugte vollends meinen Mut. "Auch du wieder mich, meine Tochter?" – Kurz nach einigen Wochen, die unter häuslichem Zwist verflossen waren, kam die Nachricht, dass Madame la Porte sich gefallen liesse, gegen ein Kostgeld von 200 Rtl., die Maitres ungerechnet, meine Tochter in ihre Pension aufzunehmen, wo sie zugestutzt und zu einem Caquet abgerichtet werden sollte, dass sie hoffentlich in ihrem Leben nicht weiter gebraucht haben würde. Mein Weib hatte das alles, um sichrer zu gehen, durch ihre adlichen Gönnerinn, in der Stille betrieben. "Also willst du denn doch deine Tochter Preis geben?" sagt' ich zu ihr, als sie mir diese Nachricht, freilich etwas schüchtern, überbrachte, weil sie einem Sturm' entgegen sah. Wie? Preis geben? sagte sie sehr weise, wobei ihr gutmütiges Gesicht sich zwang, schlau auszusehen; ich liebe Julchen wie mein Leben, aber ich sehe weiter als du mein Kind. Es würde dir denn doch wohl recht lieb sein,