wenig ins Schäferliche; mit einem Worte: ins Ridiküle. Bei mehrerer Erfahrung wirst Du finden, dass in der Abwechslung der wahre Lebensgenuss liegt. – C'est un mariage, que de n'en aimer qu'un!
denke' doch! Der insolente Baron, mein verabschiedeter Bräutigam, beantwortet meine Einladung ganz kalt, und wünscht mir Glück zur neuen Verbindung. Der Unverschämte! meiner Rache entgeht er nicht. – Wäre ich so grillenhaft wie sonst jemand, so hätte ich nun schönen Stoff, in empfindsame Tränen auszubrechen. – Im Vertrauen, Julie, ich bin schon mehr als halb getröstet über den Unfall, der mir den Genuss der Stadt versagt; es gibt hier herum ganz hübsche Leute, man muss sich nur orientiren. Sag' das aber nicht weiter, damit es meiner dürren Hälfte nicht zu Ohren kommt, die ich posttäglich mit Klageliedern heimsuche. Schon hat er mir den Streich gespielt, mir, unter einem elenden Vorwande, den Postzug wegführen zu lassen. Nun fahre ich in meinem Whisky, oder lasse mich bei üblem Wetter in des Pfarrers alter Kalesche mit ledernen Vorhängen herumrütteln.
Deine Heloise ist unleidlich. Tugend und Liebe, und Liebe und Tugend, das einem die Ohren weh tun! Hier ist sie zurück. Schick' mir Komödien von der sauersüssen Gattung, hörst Du? Was doch in aller Welt mit dem Louis sein mag! A dieu, portez vous bien!
M a r i a n e ."
(Julchen an Marianen.)
"Ich bin verloren, Mariane! Unglücklicher ist noch
kein Mädchen in der Welt gewesen! Ihr Bruder ist fort. Man hat Nachricht, dass er sich, unter fremden Namen, in Hamburg aufhält, und dass er da mit den dänischen Werbern umgeht. O, es kommen entsetzliche Dinge heraus! Ich wage es kaum, seinen Namen zu nennen, und doch müssen Sie alles erfahren! Seit vorgestern, da ich die unglückliche Nachricht erhielt, habe ich so viel geweint, dass mein Kopf ganz ausgetrocknet ist. Ich schreibe dies mit trocknen Augen; die Tränen sind versiegt.
Schon seit einiger Zeit fuhr ich immer zusammen, wenn ich Magot kommen sah. Es fehlte mir an Mut, ihn nach – o, wie nenn' ich ihn jetzt? – zu fragen, und doch wenn der Mensch fort war, und nichts von ihm gesagt hatte, war ich den ganzen Tag wehmütig. So hofft' ich von einem Morgen zum andern. Vorgestern bemerkte ich, dass Magot mit der Madame angelegentlich sprach. Ich hörte einigemal den Kornet nennen, und sah, dass sich Madame entsetzte. Ich zitterte am ganzen leib. Beim Herausgehn nahm Magot seine Zeit so gut wahr, dass er mir einen Brief, oder vielmehr ein Paquet, in die hände spielte. Der Atem verging mir vor Schreck. In einer ganzen Stunde hatte ich keine gelegenheit es zu erbrechen. Erst während der Klavierstunde schlich ich mich ins Kabinet. O, mein Gott, welch' ein Unglück! – ein Brief von einer fremden Hand, – alle meine Briefe an ihn, – ein Schattenriss, – eine rabenschwarze Locke, die doch von mir blondem Mädchen nicht sein kann! – – Lesen Sie doch den beleidigenden Brief:
'An Mademoiselle Grüntal.
Liebenswürdigstes Mädchen! Der Mensch, den Sie mit Ihrer Liebe beglückten, ist derselben, wie er selbst gesteht, nie wert gewesen. Seine verzweiflungsvolle Lage hat ihn genötiget, sich vom Regimente zu entfernen. Die ungeheure Verschwendung seiner Mätresse, der Figurantin Annette, wogegen ihn die Freigebigkeit des reichen Judenmädchens nicht schadlos halten konnte, hat ihn bewogen, einen falschen Wechsel auf seinen Schwager v. L.. zu machen. Er würde der Festung schwerlich entgangen sein, hätte er nicht das Weite gesucht. Ich habe die Ehre, Ihnen Ihre so angenehmen Briefe wieder zuzustellen; der Auditeur hat sie mir ungern ausgeliefert. Wenn ein treuerer Liebhaber Sie über den Verlust eines leichtsinnigen trösten kann, so schlage ich mich Ihnen vor. Schon lange war ich ein aufrichtiger Verehrer Ihrer Schönheit.
Der Lieutenant, Graf von ***.
N. S. Magot wird mich Ihnen näher bekannt machen, englisches Mädchen.'
Fühlen Sie die entehrende Demütigung, Mariane? Ich bin tief, tief an meiner Ehre gekränkt. Wie verabscheue ich ihn! ihn, mich, und alle, alle die dazu beitrugen, mich elend zu machen! Gott, wäre ich nur schon aus diesem haus! Der Fussboden brennt unter mir! Könnt' ich mich in die Erde verkriechen! O! und habe ich ihn nicht so treu, so einzig geliebt? Mehr als mein Leben hätt' ich für ihn hingegeben; und er? eine liederliche Tänzerin, ein wollüstiges Judenmädchen neben mir! – Ein armes, unerfahrnes, liebevolles Mädchen so zu hintergehen! – Ich werde sterben, Mariane. Wünschen Sie mir's. Ich verachte ihn, und kann ihn doch nicht hassen. arme Schwester, ich bedaure Sie! Gott beruhige Ihr Herz!"
Mariane an Julchen.
"Das ist bei dem allen ein böser Streich von Louis! Wo es mich nicht geahnet hat! Hätte er nur auf v. L.. keine Schulden gemacht! Dieser Unhold wird's mich nun entgelten lassen. Es ist schlecht von meinem Bruder, das gesteh' ich. Sonst wundre ich mich, liebes Kind, dass Du wegen der kleinen Seitensprünge des losen Vogels so ausser Dir bist.