Ich musste meine ganze Politesse zusammennehmen, um ihn nicht bei jedem Worte, bei jeder Schmeichelei, womit er mich peinigte, anzufahren. In der Stadt, wo man von ganzen Schwärmen lieber Jungen umflattert wird, merkt man nicht so ganz die Lästigkeit eines solchen Amanten; aber, mein Schatz, im einsamen Landschlosse, da! – Doch weiter. Der Hochzeittag kam immer näher heran; ich schwärmte ganze Tage mit meinem Kammerkätzchen und dem närrischen Franzmann, dem Friseur, herum. Dieser drollige Mensch vertrieb den Dämon übler Laune durch seine muntern Einfälle so ziemlich. Herr von L.. beklagte sich über meine Abwesenheit. Warum gehen Sie nicht auf die Jagd? sagt' ich; ich kann mich nicht einsperren lassen, das wussten Sie ja. Er küsste mit reumütig die Hand, und bat um erlaubnis, mich auf meinen kleinen Wanderungen begleiten zu dürfen. Das schlug ich gleich mit einem: 'wir müssen einander nicht geniren' ab, und der Mann war Narr genug, mit ekelhaft verliebten Gesten seine Beistimmung zu allem, was mir gefiele, zu geben. – Nun kamen nach und nach die Hochzeitgäste. Zuerst mein schwerfälliger Herr Papa, der mir mit Moralen und Sittensprüchen entgegenkam, womit ich so frei war, ein wenig munter umzuspringen. Aber er ist doch gut; denn er nahm's von der besten Seite, und nannte mich, so wie er pflegt wenn er mir wohl will, une folle.
Und d'rauf der Hochzeittag, mein Kind. Meine Kleider hast Du gesehen. Ohne Eitelkeit, ich gefiel mir. Rosen und Myrtenfestons im silberglänzenden Flor. Leicht schwebte der Myrtenkranz auf meinem braunen lockigen Haar. Alles schön, nur der Bräutigam nicht; sein Haar dünn und beinahe schon ehrwürdig, sein Teint gelb und Oliven; doch Du kennst ihn ja. Wie viel Paar Strümpfe er mochte angezogen haben, um nur eine Art von verhältnis zwischen Bein und Körper herauszubringen, kann ich nicht sagen. Ein Hochzeitgast war des Bräutigams jüngster Bruder, ein schöner blonder Junge; einer von unsern Elegants. Hätte der bei der Trauung nicht mein vis-à-vis gemacht, und mich durch sein possenhaftes Mienenspiel aufgemuntert, ich glaube, mir wäre übel geworden; denn es ist bei dem allen doch ein fürchterlicher Auftritt. Die Fête nahm sich für eine Dorfgala nicht übel aus. – Nun hör', was weiter geschah: Kein Mensch ausser meiner Nanette wusste um mein Vorhaben. Als man uns mit den gewöhnlichen steifen Zeremonien in die Brautkammer geführt hatte, liess ich meinen alten Geck seine veraltete Zärtlichkeit herperoriren; dann trat ich mit schalkhaftem lachen vor ihm hin, machte ihm meinen besten Kniks, und sagte: mein Herr von L.., wenn Sie geglaubt haben, sich eine nächtliche Gesellschafterin an mir zu erheiraten, so verstanden Sie mich entweder unrecht, oder – ich habe mich sehr undeutlich erklärt. Dies Schlafzimmer ist das Ihrige, das meinige ist dort; nur e i n e Mauer trennt uns. Ich wünsche Ihnen angenehme Träume von Ihrer schönen Braut. Ich öffnete das Nebenzimmer, und liess ihm mein Bette, meinen Nachttisch, und was sonst noch zum Schlafzimmer gehört, sehen. Ich ging, und warf meine Tür ins Schloss. Er verhielt sich ganz stille. Ich plauderte noch mit meiner Jungfer, und bald nachher, als ich sie entlassen hatte, dünkte es mich als hörte ich ihre stimme in dem Zimmer meines Gemahls; es war mir sogar, als ob ich sie lachen und meinen Namen nennen hörte. – Zur Gewissheit habe ich indess diesen Argwohn nicht gebracht; ich möchte die Närrin nicht gern erzürnen.
Die Folgen dieses Einfalles hatte ich nicht genau berechnet; ich sah bloss das Ridiküle, das auf den jungen sechszigjährigen Ehemann fallen würde: aber der Schalk hatte seine Partie sogleich ergriffen. Des Morgens beim Frühstück erzählte er der Gesellschaft den Vorgang, und so eingekleidet, dass er die Lacher auf seine Seite zog. Verlegner als ich war noch niemand gewesen! Diesen Abend wünschte er mir z u e r s t eine gute Nacht, und ging ganz freundlich in sein Schlafzimmer. – Der hämische Kerl! wie gleichgültig er meine Verachtung ertrug! – Schon gut, dachte' ich; es wird denn doch etwas zu erfinden sein, das Dich verdriesst. Ich tat schön mit seinen hübschen Bruder; aber auch das verschlug ihm nichts. So verhetzten wir uns acht Tage lang gegen einander, bis die Gesellschaft sich nach und nach verlor, und ich mit meinen zärtlichen Gatten allein blieb. Nun wurde mir bange; das Heimweh stellte sich ein. Werden wir nicht auch in die Stadt zurückkehren, Herr von L..? fragte ich ganz freundlich. Ja, antwortete er eben so, morgen gedenk' ich abzugehen. Ich rüste mich also in möglichster Eile zur Abfahrt. Den Morgen beim Erwachen überreicht mir Nanette einen Brief vom heimtückischen Menschen; er war fort, und hatte mich zurückgelassen. Sein Brief entielt folgendes: 'Da ich die Einsamkeit zu lieben schiene, so wolle er meinem Hange nicht entgegen sein. Sein Landhaus stände mir zu Befehl, aber in seiner Stadtwohnung müsse er für jetzt meine Gegenwart verbitten; seine Umstände erlaubten nicht, dass ich ihm im ersten halben Jahre dahin folgen könne.' – Ich rasete, als ich dies schändliche Komplot entdeckte. Allein, auf einem einsamen dorf, keine andre Gesellschaft als den Pfarrer, einen alten traurigen Mann, und seine alte knurrige Hälfte