diesem Tage! Der folgende verstrich eben so unter seelenlosen Geräusch in des Forstmeisters haus; nur bemerkte ich mehr noch, als vorher, dass Julchen mit der mir so fürchterlichen Mariane innigst vertraut war, worüber ich in neue Besorgnisse geriet, um so mehr, da Mariane Julchen bedeutend drohete: sie wolle es ihrem Bruder, dem Kornet, sagen, wenn sie so viel nach dem Pedanten (das war, mit Ehren zu melden, mein armer Eiche) hinüberkukte. Ich nahm den Abend Julchen ernstaft vor; sie entschuldigte sich aber so kunstlos mit Marianens übergrosser Lustigkeit, dass ich mich nur zu leicht beruhigen liess.
So verstrichen die Tage, auf deren Genuss ich mich so innigst gefreut hatte, in einem ununterbrochenen Wirbel von Faseleien und Kleinigkeiten. Er war so ansteckend, dass keiner von uns an ein herzliches Gespräch denken konnte. Bald wollten die Damen Schlitten fahren, bald da-, bald dortin; das war eine Rastlosigkeit, ein beständiges Abwechseln der Zeitvertreibe, und dennoch genossen sie nie des Augenblicks, sondern sehnten sich nach dem, was erst noch kommen sollte. Bei jedem Schritt den wir taten, bekam sowohl die tiefgelahrte Erzieherin als ihre Untergebnen Anlass, ihre grobe Unwissenheit über jeden Gegenstand des gemeinen Lebens an den Tag zu legen. Z.B., die grosssprechende L i n d e n f e l s hatte in ihrem Leben noch nicht daran gedacht, woher die Wolle käme; sie war ausser sich vor Verwundrung, dass die einfältigen Schafe doch so nützlich wären! – Von der Baumwolle habe ihr maître de géographie ihr gesagt, sie wüchse en Italie an sehr hohen Bäumen. Wenn ich dem Äffchen dann erklärte, wie es mit diesem oder jenem zuginge, nahm Madame Brennfeld, der es ohnedem zu geringfügig war, sich davon zu unterhalten, mir die Worte aus dem mund, setzte mit kalten, nachlässigen Tone die Erklärung fort, und sagte gewöhnlich das Gegenteil von dem, was ich zu sagen hatte. Aber ihre Selbstgenügsamkeit liess sich nicht irre machen; über den einfachen Mechanismus des Pfluges sprach sie ein Langes und Breites, und als es zur Sache kam, hielt sie die Egge für den Pflug. –
Sultan, der alte respektable Haushund, sprang Julchen freudig entgegen, als er sie ansichtig wurde. Er war, so zu sagen, ihr Milchbruder; denn bei ihrer Geburt hatte er der Mutter den Überfluss an erster Kindesnahrung abgesogen. Sie erwiderte seine Liebkosung, wie seine lang bewährte Treue es verdiente. "Fi, Julie," – rief Madame, indem sie selbst mit allen ihren jungen Gänschen, voll Grausen, zurücksprang; – "Fi! wer wollte sich mit einem Hunde abgeben! Überhaupt finde ich nichts fader, als diese abgeschmackte Neigung gegen Tiere. Ich glaube, Julie hat ihren Hänfling lieber als uns alle. Ich sage ihr so oft" – sagte sie, sich gegen mich wendend, – "dass man seine Zeit wohl besser anwenden könne, als sie mit Tieren zu vertändeln." – (Ja, dachte' ich, z.B. man kann in der Zeit einige Robbers W h i s t spielen!) – laut sagt' ich: nun, das freut mich doch, dass Julchens Sinn für diese kleinen schuldlosen Freuden noch nicht abgestumpft ist! Was das Fade betrifft, so kann man Friedrich den Zweiten, der sich viel mit Hunden abgab, wohl eben nicht beschuldigen, dass er so gar fade gewesen sei. Wenn Julchen nicht so viel Zeit auf Spiel oder zweckloses Umherstreifen verschwendet, wird sie immer Zeit genug behalten, dieser kleinen unschuldigen Neigung nachzuhängen, für die ich ihr kleines Mädchenherz recht geflissentlich gebildet habe, damit keine der zarten Neigungen, die der Schöpfer in die Seele des Weibes legte, unentwickelt bliebe. Und wie so manches holde Blümchen mehr streut dies auf ihre Pfade hin! Wohl meiner Tochter, so lange sie noch mit Vögelchen und Hunden tändelt! Leider wird der Aufentalt in der Stadt wahrscheinlich die Zeit früher herbeiführen, wo sie diese Spielzeuge mit weniger unschuldigen und kostspieligern vertauschen wird! – –
Diese ganze Apostrophe diente zu nichts, als die Madame zu überzeugen, ich sei ein einfältiger Landtropf, dem es nicht der Mühe wert sei, die Schätze ihres besseren Erkenntnisses zu eröffnen. Da es des Tages nur zu viel Auftritte der Art gab, war ich beinahe froh, als sich das plappernde hirnlose Völkchen zum Abschied anschickte. Ich ermahnte noch vorher meine Tochter mit väterlichem Ernst, sich fest an das, was i c h sie gelehrt hatte, zu halten, und sich nie von dem Modeton, der nach einer gemissbrauchten Jugend ein freudenleeres Alter gebiert, hinreissen zu lassen. Lass es, sagt' ich, mich nie bereuen, dass ich mir meine Einwilligung habe abschwatzen lassen. Wär' es nach mir gegangen, wir verlebten hier noch stille, frohe Tage mit einander. Julchen war nicht ungerührt, aber doch fühlt' es mein, auf die Liebe dieser Tochter eifersüchtiges, Herz, dass sie uns nicht mehr so ungern verliess. Die scharfäugige Erzieherin hatte sich bei meiner Frau besonders beliebt zu machen, und, als wahre, schlaue Kennerin, ihre Schmeicheleien an dem rechten Orte anzubringen gewusst. Auch hat sicherlich jedes Lob, das sie den Talenten der Tochter mit freigebiger Zunge spendete, ihr ein Fässchen Butter, ein Stückchen Leinen, ein Dunenbett, oder sonst ein Kontingent zur Wirtschaft eingebracht. Sie schied mit übertriebenen Freundschaftsversicherungen. Sie war so