, dass es zu Deinem Glücke ist, – hiess es. – Recht so, Mutterchen; Konsistorialrat wird nun wohl Dein Fritz nicht, aber gewiss ein so ehrenvoller Bürger, als einer in Deutschland. – Sie bat, wir möchten ihr nur Zeit lassen, sich von der ersten Bestürzung zu erholen, dann würde sie sich wohl allmählich ganz mit der Vorstellung aussöhnen; und das war denn auch nicht mehr als billig.
Nun hielt ich mich aber nicht länger, ich musste dem Bruder nach seiner Schwester fragen. "O Vater, die ist noch mehr gewachsen als ich, und Sie finden sie nicht mehr aus dem Stadtmädchen heraus. Ich bin einigemal dort gewesen, aber die schnippischen Mädchen neckten mich immer; und ein junger Prediger, der unter ihnen herumschäkerte, versuchte beständig seinen Witz an mir, darum bin ich nicht wieder hingegangen." – Braver Junge! sagt' ich, Du denkst wie Dein Vater! was er aber von Julchen gesagt hatte, ging mir doch im kopf herum. Bei jedem Wagen, den ich in der Ferne entdeckte, schlug mir hörbar das Herz. Gegen Abend endlich wehete mir ein Luftstoss ein verworrnes Getöse von pfeifenden Stimmen zu. Das waren sie denn, und bald nachher kam auch der Wagen zum Vorschein.
Sobald mich Julchen ansichtig wurde, riss sie hastig den Schlag auf, sprang herab, und schweigend stürzte Nun erst, als wir mit unserer Tochter allein gelasc e l l e n t ; wir hatten g a n z u n d g a r k e i n e I d e e , wie h e r r l i c h oder g ö t t l i c h diese oder jene Lapperci war. Ihre Beschreibungen übertrieben in Allem; wenn ihr der Zwirn riss, so machte sie das g a n z e r s t a u n e n d u n g l ü c k l i c h ; fiel eine Masche, s o v e r z w e i f e l t e sie ganz und gar. Mögen doch die lebhaftern Franzosen tout-à-fait désolé sein, wo wir uns höchstens nur ein wenig ärgern, oder désespéré werden, wo wir kaum trübe blicken! Uns kältere Deutsche kleidet der pretiöse Ton nicht; er liegt nicht in unserm charakter, nicht im Genius unsrer energischen Sprache. Ich unterdrückte jedoch jeden Tadel, der mir oft entwischen wollte, teils, um der entzückten Mutter die Freude nicht zu verderben, die mit einer Art von Ehrfurcht die Tochter betrachtete, teils auch, um Julchen nicht zurückhaltend zu machen, wodurch ich meine Hauptabsicht verfehlt haben würde. So oft aber ein solcher, mir in der Seele widerstehender Ausdruck vorkam, blieb mir's gleichsam in der Kehle stecken; ich hustete oder räusperte.
Spät erst führte die Mutter Julchen in ihre ehemalige Schlafkammer. Ich eilte zu Bette, und stellte mich, da meine Frau wiederkam, als schliefe ich schon, um ihrem Sagen und fragen, was ich von der Tochter hielte? auszuweichen. Sie versuchte mit Husten – "Männchen, schläfst Du schon?" – ob ich schliefe; ich hielt mich aber ganz still, und so schloss sich der erste Abend.
Hier sei meinen Freunden ein Ruhepunkt vergönnt; ist ihnen die Fortsetzung nicht zu langweilig, so wird sie nächstens erscheinen. am folgenden Morgen stand ich und meine Frau, wie gewöhnlich, sehr früh auf; aber bei unsern Stadtdamen war noch tiefe Nacht. Ich hustete ein paarmal scharf genug vor Julchens Tür; – alles mäuschenstill. Endlich wurde mir die Zeit zu lang; ich steckte den Kopf hinein, und fragte: "Mein Kind, willst Du denn noch nicht aufstehen?" – "Ist es denn schon so sehr spät?" – rief sie, wie aus dem ersten Schlafe aufgeschreckt. – "So spät, dass Deine gute Mutter schon seit drei Stunden auf den Beinen ist." – "Ach, sie stehen auch hier gewaltig früh auf!" – rief sie gähnend, und streckte träge die Hand nach ihren Kleidern aus. – Mein Gott! brummte ich für mich, indem ich mich entfernte. Sonst hatte ich immer die Freude, besonders an den Festtagen, dass meine Kinder mir, wenn ich aufstand, schon schmuck und festlich angezogen, entgegeneilten; wie ist das alles nun so anders! Das Frühstück stand da; Julchen liess sich ein paarmal rufen, ehe sie erschien. Fritz, der diesen Auftrag auszurichten hatte, kam ganz niedergeschlagen zurück; sie hatte den armen Jungen angefahren, als er zum zweitenmal sie erinnerte, und gemeint, wenn man sich so ohne Friseur quälen müsse, ginge das nicht schneller. Endlich erschien das Püppchen in einem zierlichen und gezierten Morgenanzug, ganz die ungekünstelte Kunst, die unsre Damen mit dem so beliebten e i n f a c h zu bezeichnen pflegen. Bald nach ihr erschienen nun auch die andern; alle sehr nachlässig, und einige sogar – locker. Ich halte es für Pedanterie, an allem, was Mode und Zeitgebrauch heischt, tadeln zu wollen, besonders wenn sie, so wie jetzt, sich immer mehr und mehr einem bessern Ideale nähern; aber tadelswert hat mich jederzeit das leichtsinnige Wechseln derselben gedünkt; dieses allein hat schon manchen ehrlichen Mann um Haus und Hof, und um Ehre obendrein gebracht. Ich verbiss meinen Unwillen, wenn ich auf meine Frage nach diesem oder jenem Kleidungsstücke meiner