, Mann, so lustig habe ich Dich ja in mancher Zeit nicht gesehen! was giebts denn?" fragte mein Weib. – Lieschen, studiere Du nur fleissig in Deinem Kochbuche; aufs fest bekommen wir vornehme Gäste. – Nachdem ich sie eine Weile hatte herumraten lassen, überraschte ich sie mit der Nachricht: Julchen käme herunter. Die ehrliche Seele weinte laut vor Vergnügen, und küsste mich wohl hundertmal in der Freude ihres Herzens. Bei der gelegenheit musste ich mir alle Gewalt antun, dass ich nicht mit meinem geheimnis, nämlich E i c h e n s Absichten auf Julchen, herausplatzte, so sehr war mein Herz im zug, sich zu ergiessen. Noch zur rechten Zeit besann ich mich; denn was die Mutter wusste, wurde der Tochter immer warm mitgeteilt, und dies würde meinen Lieblingsplan zerstört haben. Die jungen Äffchen pflegen zuweilen in ihrem jugendlichen Übermute einen ehrlichen Mann wohl vor den Kopf zu stossen, weil diese und jene von den hundert m e i n e L i e b e n sie damit aufzieht.
Je näher Weihnachten heranrückte, je lustiger wurden wir, und waren am letzten Advent beinahe ausgelassen. Meine Frau war bei ihren Zurüstungen so flink und munter, wie ein Mädchen, das sich vor seinem Liebhaber sehen lässt. Ich pfiff oder trallerte, wo ich ging und stand. E i c h e nahm stillschweigend teil an unserer frohen Erwartung, und es müsste einem Dritten einen sonderbaren Anblick gewährt haben, zu sehen, wie wir alten Narren uns gebehrdeten. Endlich erlebten wir die erwünschte Woche; ich liess meine grosse Reisekalesche vom Hühnermist säubern, und meinen G ü r g e n sich recht stattlich ausputzen, damit die feinen Stadtdamen an dem ländlichen Aufzuge nicht zu viel Ärgerniss nehmen möchten, gab ein Reitpferd für meinen Fritz mit, und predigte es dem ehrlichen Dorfkutscher hundertmal ein, er solle ja hübsch behutsam fahren. Meine Frau gab ihm so viel Pelze und Fusskörbe mit, als ob die Reise nach NovaZembla ginge.
Mein Fritz kam einen Tag früher, als die Frauenzimmer, an. Der Junge war in dem halben Jahre beinahe einen Kopf gewachsen, seine Seele war tadellos, wie ich ihn von mir gelassen hatte; aber er hatte sich bei einer Schrittschuhpartie eine Heiserkeit zugezogen, die von Folgen zu sein drohete, wie einige einsichtsvolle Ärzte geurteilt hatten, und es war zweifelhaft, ob er je wieder stimme bekommen würde. – Das war ein herber Schlag für die Mutter, die ihren süssen Jungen schon im Geist die Lindenauische Kanzel besteigen sah, und das Kanzellied zur Antrittspredigt bereits ausgesucht hatte. Über alle Beschreibung aber entsetzte sie sich, als der junge Mensch mich ganz patetisch anredete: "Lieber Vater, die Güte, mit der Sie eingewilligt haben, mich nach meiner Neigung studieren zu lassen, lässt mich der festen Zuversicht sein, dass Sie es ebenfalls billigen werden, wenn ich bei dem Voraussehn, dass ich nun bei dem Verlust meiner stimme weder zum Prediger, noch zum Schulmanne tauge, eine andere Laufbahn einschlage, auf der ich ebenfalls ein nützlicher Mensch werden kann. Ich hätte grosse Lust, irgend ein Handwerk zu erlernen; ich habe viele Gewerbe kennen gelernt, allen aber ziehe ich das Tischlerhandwerk vor, und dies um so mehr, weil ich es schon so ziemlich weit im Zeichnen gebracht habe." – Ich kriegte den braven Jungen beim Kopf, und herzte und küsste ihn, denn er hatte mir wie aus der Seele gesprochen. "Von ganzem Herzen meinen Segen dazu! werde ein so wackrer Mann, als Dein Grossvater war, der eben dies Gewerbe mit Ehren trieb." – Dass die Mutter so ganz still dazu schwieg, wunderte mich; aber nun war das Entsetzen an mir, als ich sie, todtenblass und alle Gesichtszüge starr, da sitzen sah. "Um Gotteswillen, Mutterchen, was ist Dir?" – "Ach Gott!" stammelte sie, "ich .. kann ... mich ... ja nicht ... so geschwind ... fa ... fassen; der Schlag hat mich überwältigt! Das war meine liebste Hoffnung!" – "liebes Herzensweib, der redliche, fleissige Handwerker ernährt sich und noch viele Andre, indess der Pfarrer sich von Andern muss ernähren lassen. Der fleissige Professionist ist ein glücklicher, unabhängiger Mann. Vielleicht, wenn der alte Amtmann längst zu seinen Vätern versammelt ist, pflegt dieser Meister Tischler Deines Alters." – Fritz stürzte gerührt auf ihre hände: "Mutter, ja, liebste Mutter, Sie sollen gewiss Freude an mir erleben; alles, was ich erwerbe, soll Ihnen gehören, und – ich will gewiss kein Stümper werden!" – Ihr quält mich grausam, sagte das beinahe überwältigte Mutterherz, das im Begriff war, sich den Tränen ihres Herzblattes zu ergeben, aber doch noch, zum letzten Versuch, fragte: ob er denn nicht glaubte, predigen zu können, wenn die Kirche recht klein, z.B. wie unsere Lindenauische wäre, wo ihn die Leute von Kindheit an gekannt hätten? – "Nein, liebste Mutter, auch selbst in dem kleinsten saal würde mir die Anstrengung Lungengeschwüre zuziehen, versicherte mir einer der geschicktesten Ärzte." – Wäre der junge Mensch listig gewesen, er hätte nicht vernünftiger einlenken, und mehr zum Vorteil seiner Sache sagen können; denn dem widerstand ihre Zärtlichkeit nicht. Nun denn, in Gottes Namen, wenn Du meinst