an mich mit Lieschen in mancherlei rührende Situationen des Hausstandes zu versetzen; bei diesen Träumereien wurde mir das Mädchen immer lieber, und endlich so lieb, dass ich nicht mehr ohne sie leben konnte. Eines Abends in der Heuerndte kam ich, in süssen Liebesträumen vertieft, die Wiese her geschlendert, dachte mir dies und das, wenn es so oder so wäre; darüber wurde es spät, die Sonne war unter-, der Mond aufgegangen. Die trauliche Dämmerung wirkte allmächtig auf mein empfängliches Herz; die natur war in ihrer lieblichsten Gestalt, um mich her Wiesenduft, der Mond ruhte über krausen Silberwölkchen, und im Westen dämmerte noch das letzte erlöschende Purpurrot. Mein Herz ward ungewöhnlich weich. Soll ich denn die liebliche Milde von alle dem allein, und immer nur allein geniessen, jeden grossen herzerhebenden Gedanken in mich verschliessen? Soll nie eine verwandte Seele den Schöpfer der natur mit mir feiern? Lieschen, ja gewiss das liebe Lieschen ist diese verwandte Seele. Guter Gott! gieb mir dieses fromme Mädchen zu meiner Gefährtinn durch dies Leben! Und der Entschluss, ernstlich um sie zu werben, stand fest und deutlich vor mir. Ich eilte in den Amtsgarten, und fand sie da in den Erbsenbeeten, mit einem Körbchen am Arm. Lieschen, lassen Sie alles stehen, hub ich an, und kommen Sie mit mir. Sie sah mich verwundernd an, setzte ihr Körbchen mit Schooten nieder, trocknete die hände an ihrer Schürze und folgte mir. Ich führte sie in eine Laube, aus der man ins freie Feld sehen konnte. sehen Sie doch, meine Liebe, wie herrlich das alles um uns her ist! – Ja wohl, aber – das wusste ich schon längst, sagte sie lächelnd, und forschte in meinem Auge. – lachen Sie nicht, Lieschen, ich wollte Ihnen sagen, dass ich das nicht mehr länger a l l e i n geniessen kann. – Erst sagen Sie mir aufrichtig, haben Sie mich lieb? – Sie wurde hochrot, und sagte dann stockend und angenehm verschämt: Warum sollte ich Sie nicht lieb haben, Sie sind ja ein recht guter Mann? – Nun, Lieschen, und wollten Sie wohl dem guten Mann Ihr liebes frommes Herz schenken? Sehen Sie das war es, was ich Ihnen zu sagen hatte. – Sie wand blöde ihre Hand aus der meinigen.
"Sprechen Sie mit meinem Vater; er will ich soll keinen andern als einen Landwirt nehmen." – Wenn ich nun einer würde, nähmen Sie mich d a n n g e r n ? – Ich habe Sie immer herzlich lieb gehabt, sagte sie mit gesenktem blick, in welchem Tränen glänzten, und werde nie einen Menschen so lieb haben als Sie. – Lieschen, wenn das nicht Ihr Ernst ist, und ich fasse Sie beim Wort? – O ja, Herr Grüntal, der liebe Gott weiss es, dass ich Ihnen gleich gut ward, als Sie zu uns kamen, und wenn mein Vater einwilligt, so habe ich was ich mir längst im Stillen gewünscht habe, setzte sie jungfräulich blöde hinzu. Ich war wie im Himmel als sie diese Worte sprach, und mir erlaubte den ersten ehrfurchtsvollen Kuss von ihren Lippen zu nehmen. Ehrfurchtsvoll war er gewiss, denn ich hatte tiefen Respekt für die helle Unschuld dieses hübschen Mädchens, die sich übrigens nicht auf Einfalt gründete, ob sie schon nur ein schlichtes Landmädchen war.
Von ihr eilte ich zu dem Vater. Wie ich einlenken sollte, um die Heirat aufs Tapet zu bringen, hatte ich nicht überlegt; der Alte brachte mich aber zufällig selbst ins rechte Geleis. Ich stockte und stammelte darauf alles hin, was er wissen sollte. Er hörte freundlich zu, nickte manchmal bedeutend dazwischen; endlich sagte er gutmütig lächelnd: und wovon will denn der junge Herr das Mädchen ernähren? denn auf Grasung kann er doch Weib und Kind nicht schicken. Da sass ich, spielte verlegen an den Bändern seines vor mir liegenden Tobaksbeutels, und schwieg mäuschenstill. – Ja, so sind wir jungen Brausköpfe! in den Romanen geht das alles, da regnets Gold und Erbschaften! Aber in der wirklichen Welt, ja da haperts; Weib und Kind wollen essen und gekleidet sein. Er weidete sich eine Weile an meiner Verlegenheit, endlich aber rückte er mit seiner Meinung heraus, und es wurde bald alles richtig. Er trat mir einige Vorwerke ab; ich sollte unter seiner Aufsicht die Landwirtschaft gründlich lernen. Ich war mit Allem himmelhoch zufrieden, und so gab ich jeden lüsternen blick auf Geheimenrat und Präsident willig auf für die frohe Aussicht auf harmloses häusliches Glück, das in einer wonnigen Zukunft so reizend vor mir lag.
Nach sechs Wochen waren wir Mann und Weib. Die Flitterzeit war ein Himmel. Ich war so ganz nach meiner eignen Art glücklich. Wir blüheten auf, und breiteten uns aus wie ein Baum an den Wasserbächen, beteten und arbeiteten, und der gute Gott gab das Gedeihen. Im ersten Jahr schenkte mir Lieschen einen Sohn, im zweiten noch einen, zwei Jahre nachher eine Tochter, und damit war es Basta! Bald darauf starb mein Schwiegervater; ich übernahm nun das ganze Amt. Zwar nahm nun die Wirtschaft den grössten teil meiner Zeit weg; doch strengte ich alle meine Kräfte an, auch etwas für die Bildung meiner Kinder zu tun. Als die Knaben der weiblichen Pflege entwuchsen, nahm ich einen gescheuten Hofmeister an, den ich freilich etwas