mein lieber Vater, nach welchem ich unbedingt handeln werde. Herr E i c h e hat mir im Voraus seinen Seegen gegeben, hat sich aber, wie er mir sagt, entalten, Ihnen umständlich darüber zu schreiben, weil er Ihre gute Meinung nicht bestechen wollte. Eine schöne Aussicht gewährt es mir, wenn ich durch ein so gutes Vermögen, welches ich durch Arbeitsamkeit noch vermehren würde, im stand wäre, meinem über alles geliebten Vater ein ruhiges sorgenloses Alter zu verschaffen, und wenn es der Himmel gäbe, dass meine arme Schwester sich wieder fände, auch dieser ein anständiges bequemes Leben zu bereiten!
Missbilligt aber mein bester Vater den ganzen Entwurf, so bin ich gewiss, dass er die verneinende Antwort so einkleiden wird, dass ich sie der gradsinnigen Frau mitteilen kann. Es würde ihr wackres Herz tief verwunden, wenn sie glaubte, ihr Vorschlag habe irgend eine lächerliche Seite. – Nehmen Sie mir es nicht ungütig, lieber Vater, dass ich so zutraulich und ganz schlicht weg schreibe; unser einer geht grade durch; und derbe Arbeit gibt derben Sinn. Ich verehre und liebe Sie von ganzem Herzen, und bin Ihr gehorsamer Sohn.
F r i e d r i c h G r ü n t h a l ."
Grüntal an seinen Fritz.
"Da! da! H i e r ! nimm meinen Seegen, und herzliche Einwilligung; was denkst Du, Junge? Ich sollte eine lächerliche Seite an dem Benehmen der würdigen Frau auffinden? die meinem lieben Fritz so wohl will? Nein, mein gutes Kind! ich habe noch Glauben an Menschentugend, und ehre, wie Du weisst, die erwerbende und producirende Klasse von ganzem Herzen. Bringe Deiner neuen guten Mutter mein herzliches Ja! und Liebe und Dank daneben. – So gibt's denn aller Orten für mich Fried' und Freude, nach so mancher kummervollen Stunde. Komm zu uns; da sollst Du die Dame sehen, die Julchen so ähnlich ist; als ob sie's selbst wäre, Komm und sieh! – Dann ziehen wir mit Dir, und jubiliren, feiern die Hochzeit, und ich tanze mit Deiner Braut den Ehrentanz. – Hiemit gehab Dich wohl. Dein guter Vater.
Grüntal.
Fritz liess sich die Einladung nicht zweimal sagen, er schnürte seinen Reisebündel, und kam auf des Obersten Gute an. Der überraschende Anblick der Schwester machte einen seltsamen Eindruck auf den gutmütigen Menschen. Erst wagte er sich nicht an sie heran. weil sie ihm zu vornehm vorkam; aber Julchen stürzte ihm um den Hals, Schwester und Bruder blieben sich nicht länger fremd, und wurden, wie in den ersten goldnen Tagen der Kindheit, wieder ein Herz und eine Seele. Grüntal blieb in einem ununterbrochenem lauten jubel; und wünschte immer ums dritte Wort, dass sein Lieschen das noch erlebt haben möchte. Die Familie war nun, bis auf den jungen Amtmann Grüntal, beieinander, und Minna und ihr Mann, der von seiner Geschäftsreise zurückkam, wurden als werte Mitglieder derselben angesehen.
Noch vor der Erndte reisten sie alle nach Berlin, Fritzens Hochzeit beizuwohnen. E i c h e war mit seiner würdigen jungen Frau dabei, und verrichtete die Trauung. Dass er verheiratet war, milderte Julchens Verlegenheit in seiner Gegenwart. Der Oberst liess sich's nicht nehmen, mit seinen alten steifen Reiterbeinen die Braut-Menuet zu tanzen: der alte Grüntal aber hielt's mit dem Kehraus, und sang dabei nach alter Sitte, wie er's sich vorgesetzt hatte:
Als der Grossvater die Grossmutter nahm,
Da ward der Grossvater ein Bräutigam!
Als die Freudentage der Hochzeit vorüber waren, reiste die ganze Familie, das neuverheiratete Paar nicht ausgeschlossen, nach dem Gute des Obersten zurück, wo der alte Herr sich so nach seiner eignen Weise eine Freude ersonnen hatte. Er hatte eine der geseegnetsten Erndten gehabt, und davon wollte er das fest recht feierlich begehen. Seine Lina und sein alter Georg standen ihm bei der Veranstaltung treulich bei. Grüntal war wie im Himmel, dass er wieder im Kreis der Seinigen ein solches fest begehen sollte!
Der schöne Tag brach an; ein heitrer wolkenfreier Himmel, und allentalben heitre wolkenfreie Stirnen! Das Alter war zur Freude gestimmt, wie die Jugend. Grüntal sang von früh an, was er von Sommer- und Erndteliedern wusste: und ihm war's recht im Herzen wohl. Als die Feierlichkeit beginnen sollte, führten der Oberst und Lina den alten Grüntal und seines Sohnes Frau auf eine Anhöhe, nicht weit vom Edelhofe. Von ferne tönte eine gute ländliche Musik. Grüntal schöpfte kaum Atem, um keinen der ihm so teuren Laute zu verlieren; sein blick war erwartend nach der Gegend hin gerichtet, von wo sie kommen sollten. Der schöne ländliche Aufzug erschien; und – o der Wonne! – Julchen als Erndtekönigin, wie ehemals, in weissem Kleide mit hellgrünen Bändern, geschmückt mit Blumen, wie der ländliche Garten sie gab; sie ging zwischen ihren Brüdern wie ehemals, und trug den Kranz. Der Zug nahete sich dem Hügel; er umschloss die Alten, indem der herzerhebende Kirchengesang: N u n d a n k e t a l l e G o t t ! angestimmt wurde. Grüntals Herz erlag der Allgewalt dieser Gefühle und Erinnerungen! Er brach in lautes Weinen aus; streckte die arme, wie zu einer Umarmung, empor, und rief schluchzend: o, mein gutes Lieschen