erwarten.
Jetzt kamen die Frauen der Fürstin, und kleidrten sie an; ich begab mich in mein Zimmer, und diesen und den folgenden Tag fiel weiter nichts vor.
Es schien mir am dritten Tage von übler Vorbedeutung zu sein, dass Madame Lebrün mir schon früh sagen liess, sie werde in meinem Zimmer frühstücken. Sie erschien mit einer Freundlichkeit, die ihr nicht natürlich war, und die mich auf etwas besonderes vorzubereiten schien. Nach dem Frühstücke fragte sie mich um Verschiednes aus meinem vorigen Leben, hielt sich besonders bei dem Umstande auf, dass ich eine verlassne Frau sei, holte noch weiter aus, und dann lenkte sie plötzlich wieder mit der Äusserung ein: dass die Fürstin mich gern versorgt sehen würde, wenn sich eine Partie fände. – Gott! will denn jetzt schon die Fürstin mich los sein? Unter ihrem Schutze habe ich mich für versorgt gehalten! – Sie würden es sein, wenn nicht gewisse Besorgnisse – – gewisse Blikke – – – Sie verstehn mich wohl. – Sollte der Geschmack von der schönsten Rose auf eine gemeine Feldblume fallen können? – Man hat Beispiele. Denken Sie indess auf den Vorschlag, den Ihnen die Fürstin wegen einer Heirat macht. – Ich gab zu verstehen: ich glaube, der Vorschlag komme von ihr selbst. – So? das ist also mein Dank! O, mein Kind, man fürchtet sich nicht so geschwind vor jedem Dinge, das ins Haus geschneit kommt! Alte Dienste und geprüfte Treue vergisst man nicht um jeden Fremdling, der, wer weiss woher? kommt. Sagen Sie mir doch, warum ich Sie gern los sein sollte? Hm! mich verdrängt keiner; am wenigsten certaines gens, (gewisse Leute), die Monseigneur empfiehlt. Als die Alte mich tief genug gekränkt und gedehmütigt sah, schien ihr Stolz befriedigt zu sein, und sie sprach gelinder. Es hätte sich wirklich eine Partie gefunden, welche die Fürstin für mich zu machen wünsche: ein junger hübscher reicher Mann, der mein Landsmann sei. Sie müsse nur sagen, dass er mir heute Abend vorgestellt werden sollte. Ich könne ihn doch wenigstens sehen, denn sonst müsse die Fürstin meine Weigerung auf eine gewisse Rechnung setzen. – – Mir ist nicht bange ihn zu sehen, Madame; wenn er hört, dass ich verheiratet bin, wird er nicht mein zweiter Mann sein wollen. – Verheiratet? Hoho! ein entlaufner Mann ist kein Mann! Das ist plaisant! Und dafür sind die öffentlichen Blätter; zitirt und geschieden, das ist bald gemacht! Damit ich's kurz mache: auf dem jetzigen fuss bleiben Sie nicht länger bei der Fürstin. Soll die Gute sich zu tod härmen?
Die Französin betrieb ihr Werk so emsig, dass sie gegen Abend wirklich einen Mann bei mir einführte; (ich darf nicht übergehn, zu sagen, dass sie mich den Tag über offenbar absichtlich von dem Zimmer der Fürstin abgehalten hatte, unter dem Vorwande: diese Dame sei an den Hof gegangen). Der Mann ging strotzend, in schönen Kleidern, welche wie die abgelegte Garderobe eines Vornehmen aussahen; seine Haltung stand im auffallendsten Kontraste mit seinem Anzuge, welcher durchaus seinem stand nicht zu entsprechen schien. Er fragte seine Führerin sogleich etwas ungeschickt: ist das die Madame? Sie bejahete es, nötigte ihn, ohne mein Zutun, zum Sitzen, und fing an, von seiner neuen Equipage mit ihm zu sprechen; offenbar, um mir eine hohe Meinung von ihrem Schützlinge beizubringen. Während dieser Unterhaltung strickte ich; denn jene hatten sich's ebenfalls so ganz bequem gemacht. – Wie geht's im Klub? – fragte die Lebrün. Ach, antwortete er, es ist für mich jetziger Weile eine böse Zeit! Ich verlor gestern drei Robber nach einander, und da waren dreissig Rubel heidi, als wenn man sie weggepustet hätte. Nach ähnlichem, hin und wieder geredeten, Geschwätz wendete er sich an mich: Die Madame sind aus Berlin? – Wenigstens aus der Gegend. – Also wohl vom land? der Herr Papa war vielleicht ein Prediger? – Nein, mein Herr, ein Amtmann. – Ja, das Berlin ist auch ein schöner Ort. Meine Eltern wohnten in der Fischerstrasse, und hatten hernach ihr Häuschen im Vogtlande. Sie hatten ihr gutes Auskommen; aber wir Kinder richteten unsern Sinn immer aufs Ausland, und nun bin ich ein Russe geworden. Wo unser einer sein Stückchen Brod hat, da ist man zu haus. – Sie haben wohl Recht, mein Herr, in dem schönen Petersburg und unter seinen guten Einwohnern kann man Berlin wohl vergessen. – Na, ich höre schon, die Madame verlangt auch nicht wieder zu haus. Ja, wenn's einem vollends nicht sonderlich an 'nem Orte gegangen ist! – – Ich wurde rot, und fühlte meine Stirnader anschwellen. – Der Herr Liebste war ein königlicher Bedienter? – Er diente dem staat bei einer Kasse. – Und ist? – Auf Reisen gegangen, sagt' ich hastig, das Folgende abzuschneiden. – Ja, ja! sagte er dumm lachend, als wollte er zu verstehn geben, er wisse es besser. – Ich stand, oder sprang vielmehr auf; und als er mich beleidigt sah, bat er auf eine tölpische Art um Verzeihung, und platzte nun mit der eigentlichen Absicht seines Besuches heraus, weil ihm bange wurde, ich möchte ihm entwischen. Er stelle sich vor, dass