e d o n , was muss ich ausstehen! Wie froh bin ich, dass Du der Wut meines Barbaren entronnen bist! Er behandelte mich auf die unmenschlichste Art, sperrte mich in ein finstres Zimmer, und schwur, dass ich nie das Tageslicht wieder sehen sollte. Der Unmensch! Und doch ist seine Grausamkeit mir nicht so empfindlich, als der Gedanke, von Dir, mein Geliebter, auf ewig getrennt, und an einen verhassten Tyrannen gekettet zu sein, den ich mehr verabscheue, als den Tod. Wenn ich nur noch einmal Dich wiedersehen könnte! Aber das ist mir unmöglich. Ich werde vor Kummer sterben, ohne den Liebling meines Herzens gesehen zu haben. Mit Tränen schreibe ich Dir das letzte Lebewohl.
Deine
unglückliche, Dich ewigliebende
Amalie.
Neunundneunzigster Brief
Bredon an Amalien
Nein, teuerste A m a l i e , Du sollst nicht, von mir getrennt, unter den Händen eines Ungeheuers sterben. Die Trennung von Dir ist mir schrecklicher als der Tod! Komm, Geliebte, entflieh mit mir dem verhassten Tyrannen, wir wollen in mein Vaterland zurückkehren, wo nichts unsre Liebe stören soll. Ich kann ohne Dich nicht leben, und muss Dich besitzen, sollte ich auch Deinen Besitz mit Blut erkaufen!
L o u i s e sagt mir, dass ein Fenster aus Deinem Zimmer in den Garten geht. Ich will mit ihrer hülfe diese Nacht durch die Gartentür herein steigen, und eine Leiter an Dein Fenster setzen. Dann kömmst Du auf mein gegebnes Zeichen herunter in meine arme. Wir eilen aus der Stadt. Vor dem Tore soll ein Wagen mit raschen Pferden unser warten, und uns aufs schnellste aus der verhassten Gegend in ein Land bringen, wo kein Hinderniss sich gegen unsre treue Liebe auflehnt. Bedenke Dich nicht, mir zu folgen, meine Liebste. Du sollst das angenehmste Leben und eben so unumschränkte Macht über das Vermögen Deines B r e d o n s haben, wie Du über sein Herz hast. Du weisst, dass ich der einzige Erbe eines grossen Reichtums bin. Hier ist ein Wechsel auf tausend Pfund, wenn Du vielleicht noch Ausgaben vor Deiner Flucht zu bestreiten hättest. Gieb mir doch Nachricht, um welche Stunde zu Dir kommen soll
Dein
getreuster Verehrer
Bredon.
Hundertster Brief
Amalie an Wildberg
Wenn Sie diesen Brief erhalten, so bin ich schon weit von hier. Denn, unsrer Freundschaft ungeachtet, hätten Sie es doch vielleicht nötig erachtet, meinen Plan zu zerstören, damit A l b r e c h t nicht zu früh Ihre Kartenmischung wahrnähme. Mir aber werden Sie verzeihen, dass die Selbstliebe bei mir über die Freundschaft siegte. Ich glaubte in der Tat keinen Beruf zu haben, Ihnen zu Gefallen mein Leben in einem finstern Zimmer, von aller Welt abgesondert, zuzubringen. Sie werden die geschichte mit mir und A l b r e c h t wohl schon wissen. Der Pinsel! Es ist ja jetzt nach dem grossen Ton, seine Galane zu haben. Muss sich ein tölpischer Mann da hineinmischen? Ich dächte es wäre gut für ihn, wenn seine Frau Leute hätte, die ihren Putz und andre Ausgaben besorgten, ohne dass er den Beutel zu ziehen brauchte. Aber, ungeachtet seines filzigen Geizes, der so weit ging, dass er bei jedem Groschen, den er ausgab, seufzte, dachte A l b r e c h t doch so kleinstädtisch, dass er die Sache unrecht verstand. Das Untier unterstand sich, mich zu schlagen – (es kränkte mich am meisten, dass ich mich an dem Elenden nicht rächen konnte –) und einzusperren, und gab mir die feste Versichrung, dass ich nie wieder aus diesem Gefängnisse kommen sollte.
Ich war nur zu sehr überzeugt, dass er Wort halten
würde, und hatte gar keine Neigung, in einem finstern Loche zu versauren. Ich sah gleich ein, dass das beste Mittel, mich zu befreien, eine Flucht mit B r e d o n sei. D i e s e m also schrieb ich so beweglich, als ich nur konnte, ein letztes Lebewohl. Meine treue L o u i s e , die glücklicher Weise ausersehen war, mir das Essen zu bringen, brachte ihm meinen Brief, heulte ihm viel von meinem Elend vor, und als er denn recht weich war, und meinen Verlust bejammerte, tat sie ihm, als wäre es ein plötzlicher Einfall von ihr, den Vorschlag, mit mir zu entfliehen. Er fing gleich Zunder, und die listige Hexe wusste ihre Sache so gut zu machen, dass sie ein ansehnliches Geschenk von ihm bekam; denn sie überredete ihn, dass es viele Mühe haben würde, mich zur Einwilligung in diesen Entschluss zu bewegen. Ich machte zum Schein viele Schwierigkeiten, und liess mich auch nur unter sehr vorteilhaften Bedingungen zu dieser Flucht bewegen. B r e d o n , der eben so verliebt als reich ist, ging alles ein, und wir reisen nun in einer Stunde mit L o u i s e n ab.
Ich melde Ihnen dieses, damit Sie sich so gut als
möglich aus der Sache wickeln können. Denn wenn A l b r e c h t jetzt schon Ihre Verräterei in Punkto M a r i e n s merkte, so würden vermutlich alle Ihre Plane auf sie vereitelt werden. hören Sie, W i l d b e r g , ich kann nicht unterlassen Ihnen noch einmal meinen letzten freundschaftlichen Rat zu geben