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nie auseinander. Ich habe das Ding bisher schweigend angesehen und geglaubt, sie würde es bald von selbst überdrüssig werden; aber heute übernahm es mich, als J o h a n n herauf kam und mir den Vorfall mit K a t h r i n e n meldete.

Jasetzte er hinzuich wollte, unsre, bald hätte ich gesagt, selige, Frau wäre noch hier. Du lieber Gott, was ist das für ein Unterschied gegen diese! Wie gut und liebreich war sie gegen uns! Ich hätte wollen durchs Feuer für sie laufen. Ach! wenn ich noch daran denke, so gehen mir die Augen über. Gestern sprach ich einen Bauer aus ihrem dorf, der sagte, sie sähe so elend aus wie ein Schatten.

"Wie? sie wäre noch in dem dorf?"

"Ja freilich. Er wusste nicht genug von ihr zu rühmen, wie sie immer die kleinen Kinder beten liesse, und – –"

"Schweig davon, J o h a n n , ich mag nichts hören."

"Haben Sie sie denn so ganz vergessen? Ach, lieber Herr, davon wäre viel zu sagen. Es gibt so gewisse Leute, doch Sie wollen nichts hören. Aber sie meinte es gewiss recht gut mit Ihnen. Wenn sie mir etwas zu tun befahl, und Sie riefen, so sagte sie: lasst dieses liegen, und geht geschwind zu euerm Herrn, und wenn ihr denn seinen Befehl ausgerichtet habt, so kommt wieder; ich will so lange warten. Aber die neue Madam hätte mir gestern beinahe ein paar Ohrfeigen gegeben, als sie mich ausschicken wollte, und als ich, wie Sie mich riefen, erst zuhören wollte, was Sie verlangten. – Ich weiss nicht, ob ich es sagen darf: es kommt hier immer ein junger Herr her, wenn Sie nicht zu haus sind, und dann darf niemand ins Zimmer kommen, und es geht so allerlei vor, was sich für eine rechtschaffne Frau freilich nicht schickt."

"Halts Maul, J o h a n n , und geh aus dem Zimmer. Ich will nichts mehr hören."

Er ging traurig hinaus; aber seine Reden waren tief in mein Innres gedrungen. Der verdammte junge Herr ist ein Engländer, der oft ins Haus kommt, und den ich schon einmal vor unsrer Verheiratung bei ihr gesehen habe. Ich entschloss mich noch einmal in Güte einen Versuch zu machen und zu sehen, ob vernünftige Vorstellungen helfen wollten. Ich ging zu ihr, setzte mich neben sie, küsste ihre Hand und bat sie mit so vieler Freundlichkeit, als mir nur möglich war: sich doch ein wenig mehr der Haushaltung anzunehmen, und die vielen Gesellschaften einzuschränken, denn meine Einnahme litte solchen Aufwand nicht. Auch in einem andern Punkt wünschte ich eine kleine Aenderung. Ich hätte zwar bisher noch keinen Zweifel in ihre Treue gesetzt, wünschte aber doch, dass sie, wenigstens der Leute wegen, ihren Umgang mit Herrn B r e d o n ein wenig einschränken möchte.

Sie liess mich nicht endigen, und sagte sehr aufgebracht: Um die Reden der Leute bekümmre sie sich nicht. Sie fände an Gesellschaften Vergnügen, und würde fortfahren, sie zu besuchen. Sie wehre mir nicht, auch hinein zu kommen, aber sie wollte ebenfalls ihre Freiheit haben. Sie wäre nicht gewohnt, selbst Küchenmagd zu sein, und würde auch jetzt nicht solche für sie unschickliche Beschäftigungen anfangen. Sie hätte andre Dinge zu tun, und bäte mich ernstlich, ihr mit solchen unnützen Vorstellungen nicht wieder zu kommen.

Ich antwortete hierauf, wie es sich gebührte, und wir gerieten in einen heftigen Streit, der durch den Besuch eines Fremden unterbrochen wurde. Aber ich werde die Madam schon belehren, was für Pflichten sie mir schuldig ist. –

Himmel! was ist das? J o h a n n bringt mir zwei Rechnungen für Sachen, die Madam als Braut ausgenommen hat, auf meinen Namen geschrieben. Die eine vom Juden Samuel zweihundert Taler, die andre von einem Galanteriekrämer fünfundsechzig Taler. – Das hole der Teufel! Auf diese Art würde mich Madam bald zum Bankerott bringen. Ich werde hingehen, und aus einem ernstlichern Tone mit ihr sprechen. Das wäre mir eine schöne Zucht!

Fortsetzung.

Hole der Teufel die Vettel und Dich dazu, der Du mich zu dieser Heirat beredetest. – Ich ging voll Aerger herunter. Die Tür war verschlossen. Ich öffne sie mit Gewalt, finde niemand im Zimmer, eile voll schrecklicher Vermutung in die kammer, und finde das schändliche Weib mit B r e d o n in meinem Bette. Ihr Buhler sprang hurtig heraus, stiess mich um, und eilte, während dass ich aufstand, zur Tür hinaus. Ich prügelte die Hure mit einem Stock derb ab, und sperrte sie, ihres Tobens ungeachtet, auf ein Zimmer, aus welchem sie, so lange ich lebe, nicht wieder heraus kommen soll.

Ich wahnsinniger Tor! der ich eine Frau verstiess, von deren Untreue ich nur schwache Beweise hatte, und einen solchen Teufel zu mir nahm! Ich möchte rasend werden über meine Blindheit! Dass ich die Verstellung dieser Schlange nicht eher merkte! Aber du sollst mir büssen, Nichtswürdige, so war ich A l b r e c h t heisse!

Albrecht.

Achtundneunzigster Brief

Amalie an Bredon

Ich finde Mittel, Dir diesen Brief durch mein treues Mädchen zuzustellen. Ach liebster B r