m i n e n s Umgang ganz umgeschaffen. Sein rauhes Wesen hat sich verloren; seine Sitten sind sanfter und milder geworden, und er ist jetzt ein liebenswürdiger Jüngling. Aus seinem Betragen blickt die heftigste Liebe hervor; auch bei ihr ist der Eindruck nicht zu verkennen, den er auf ihr Herz gemacht hat. Ihre gegenseitige Neigung wurde beiden Eltern merklich. Sie waren vertraute Freunde. F e r d i n a n d war reich – ein grosser Beweggrund bei W i l h e l m i n e n s Vater – W i l h e l m i n e hat zwar nur mittelmässiges Vermögen, aber der alte S u d s b e r g hielt den Reichtum für die unwesentlichste Eigenschaft bei seiner künftigen Schwiegertochter. Die unentbehrlicheren zum Glück seines Sohnes glaubte er bei ihr zu finden. Dieses alles waren Bewegungsgründe genug auf beiden Seiten, um die Väter ebenfalls eine Verbindung ihrer Kinder wünschen zu lassen. Aber unser würdiger geheimder Rat, weiser und durchschauender, als beide, tat jetzt den Ausspruch:
"F e r d i n a n d hat in seinem bisherigen Betragen nur den jungen Unbesonnenen – ich wähle den gelindesten Ausdruck – sehen lassen. Er muss erst durch edlere Taten zeigen, dass er fähig ist ein guter Ehemann und ein nützlicher Bürger des staates zu sein, ehe er auf W i l h e l m i n e n Ansprüche machen kann. Wir wollen ihm zwei Probejahre setzen, die er in ** zubringen soll. Ist, während dieser Zeit, seine Aufführung untadelhaft, und sein Fleiss so gross, dass er das Versäumte einbringt, und alle die Kenntnisse erwirbt, die von ihm gefordert werden können; tilgt er ferner durch schöne Handlungen den Schandfleck aus, den er auf sich gebracht hat: so kann, nach Verlauf dieser Zeit, die Gründlichkeit seiner Ansprüche auf W i l h e l m i n e n von ihr selbst und ihrem Vater bestimmt werden. Auch werde ich dafür sorgen, ihm eine anständige Bedienung zu verschaffen, wenn er meinen Wünschen ganz Genüge leistet. Aber ich werde ein strenger Richter sein, sowohl in der Untersuchung seiner Aufführung, als in der Prüfung seiner Kenntnisse. Ist die erste nur im mindesten zweideutig, und die letzten mangelhaft: so ist W i l h e l m i n e für ihn verloren. Finden Sie diesen Ausspruch zu hart?"
"O wie könnte ich Ihre weise Güte zu hart finden? Ich fühle, dass ich mich der Liebe W i l h e l m i n e n s und meines Vaters, nebst der achtung der Rechtschaffnen, unwert gemacht habe; aber alle meine Kräfte sollen künftig nur dahin gehen, meine Fehler wieder gut zu machen. Ich müsste kein menschliches Gefühl haben, wenn ich je wieder vom guten Wege abfallen könnte, wenn nicht diese Güte, und die Verzeihung meines Vaters, meine ganze Seele durchdränge. Ob nach Verlauf der angesetzten Zeit das höchste Glück in W i l h e l m i n e n s Armen mir blühen wird, das mögen Sie, T h e u e r s t e , selbst bestimmen."
W i l h e l m i n e n s Blicke bestimmten dieses so ziemlich deutlich, und nun herrschte die Freude auf allen Gesichtern; nur auf K a r o l i n e n s Stirn stand noch eine Wolke, und auch in meinem Herzen ist noch so ein gewisses Etwas, welches mir den ganz unbefangnen Genuss der Freude untersagt.
Bartold.
Fünfundachtzigster Brief
Amalie an Wildberg
Raten Sie mir, W i l d b e r g . Ich weiss gar nicht, was ich mit A l b r e c h t anfangen soll. Er ist seit einiger Zeit so tiefsinnig, dass er oft halbe Stunden bei mir sitzen kann, ohne ein Wort zu sprechen. Dann sieht er auf eine Stelle, und ist blind und taub bei allem, was vorgeht. Ich fürchte, es kommen ihm allerlei Erinnerungen von M a r i e n , die ihn so tiefsinnig machen. Wenn es mir nicht bald gelingt, ihn von seinen Grillen zu befreien, so verzweifle ich fast, dass mein Plan, ihn zu heiraten, durchgehen wird. Ich bin es auch beinahe müde, mich in seiner Gesellschaft zu ennuyiren, und so genirt zu leben, wie ich jetzt tun muss.
Ich habe einen allerliebsten jungen Engländer, der sterblich in mich verliebt ist, mit dem ich aber sehr heimlich verfahren muss, damit A l b r e c h t nichts merkt. Neulich traf er ihn in meinem Zimmer an. Er machte gewaltig grosse Augen, und ich war auch etwas verlegen, so dass mein junger Liebhaber es merkte und fortging. Nun hatte ich tausend fragen von A l b r e c h t auszustehen, und es kostete mir viel Mühe, ihn zu beruhigen. Dieses gelang mir nun zwar völlig, aber – ein weit grösserer Kummer für mich – die Zeit verstrich, in der Sir B r e d o n mich zu besuchen pflegt, und er kam nicht, liess sich auch den ganzen andern Tag nicht sehen. Ich schickte unter dem Vorwand, ein Buch holen zu lassen, zu ihm, und da musste denn mein verschmitztes Mädchen ihm so ganz von ungefähr erzählen, dass ich sehr unpass wäre. Bei dieser Nachricht ist er lebhaft erschrocken, und kurz