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aber als ich mich ihm ganz entdeckte, war er vor Freuden ausser sich; denn ungeachtet seines Verständnisses mit F e r d i n a n d würden sie beide allein doch schwerlich ihr Vorhaben durchgesetzt haben.

Ein paar Worte waren hinreichend, diesen letzten von meiner Absicht zu benachrichtigen, und nun konnten sie ihre Freude nicht so unterdrücken, dass nicht, ihrer Bemühung ungeachtet, doch noch genug davon aus ihrem Betragen hervorgeleuchtet hätte. B r a n d aber, weit entfernt, Argwohn zu schöpfen, glaubte, sie freuten sich der Ehre, heute zum ersten mal gebraucht zu werden, und lobte sie deswegen. Wir zählten alle Minuten bis zum Abend; aber nun machte ein heftiges Gewitter mit Platzregen verknüpft, die Gesellschaft wankend. Meine Freunde zitterten nebst mir vor Angst, dass unser Vorhaben würde gestört werden; aber zum Glück wurde der Himmel still, und wir machten uns, mit dem nötigen Handwerkszeuge versehen, auf den Weg. Wir kamen bald an Ort und Stelle, fanden das ganze Haus dunkel und still, setzten die Leiter an, und F e l d h e i m stieg mit Zittern hinauf. Voller Todesangst eilt er durch viele Zimmer nach der Haustür, öffnet sie, und wir allezwei ausgenommen, die zur Wache stehen bliebendringen ins Haus. Ich bin der letzte und kann vor Zittern kaum abschliessen. In dem Augenblick öffnen sich zwei Türen. Es wird alles hell, und eine Menge Soldaten dringt von beiden Seiten auf uns zu. B r a n d schrie, vor Wut schäumend: "Verräterei! Nichtswürdiger Betrüger!" – und wollte mit dem Säbel auf mich einhauen. Ich schlug ihm denselben aus der Hand, hatte aber doch eine kleine Wunde bekommen, und nun wurde er mit allen seinen Genossenuns drei ausgenommen, denn wir warfen gleich unsre Säbel von unsentwaffnet und eingesperrt. Er hatte aber doch noch einem Soldaten eine gefährliche Wunde beigebracht, und da seine hände gebunden waren, noch einige mit den Füssen beschädigt.

Auf meine Anzeige setzte nun ein teil der Soldaten den zwei andern, die draussen waren, nach. Einer war entwischt, den andern zwangen sie, sie nach der Höhle zu führen, in der noch drei Spitzbuben sich befanden, welche sie auch glücklich erhaschten. Wir wurden in ein Zimmer geführt, in welchem sich der geheimde Rat nebst K a r o l i n e n befand. Er umarmte mich:

"Grossmütiger Mann, womit soll ich Ihnen danken?"

"Das Vergnügen, eine gute Handlung verrichtet zu haben, und ein Werkzeug zu Ihrer und Ihrer liebenswürdigen Nichte Rettung gewesen zu sein, ist mir die grösste Belohnung. Ich danke Gott, der es uns so schön hat gelingen lassen, diese Unschuldigen aus den Händen der Räuber zu befreien."

Ich sah mich nach beiden um, und bemerkte, dass Feldheim die Augen niederschlug und errötete. Endlich warf er sich mit den Zeichen der stärksten Bewegung zu des Alten Füssen und umfasste seine Knie.

"Teuerster Oheim, können Sie mir vergeben? – Beste K a r o l i n e , kann ich nicht auf Dein Vorwort rechnen? Habe ich auch Deine Liebe verloren?"

"Gott, ist es möglich, bist Du's?"

Sie umarmte ihn, und wir waren vor Erstaunen ganz ausser uns. Feldheim aber wollte die Knie des Alten nicht eher verlassen, bis er seine Vergebung erlangt hätte.

"Du hast einen grossen Fehler begangen, und uns allen vielen Kummer gemacht."

"Ach Gott! dieser Ihnen gemachte Kummer lag schwer auf meiner Seele. Aber ich kann nicht eher von Ihren Füssen aufstehen, bis Sie dem Mädchen werden vergeben haben, das Sie sonst so väterlich liebten."

"Du kennst meine schwache Seite. Wohlan, erzähle mir deine geschichte. Ich wollte, ich könnte darin Entschuldigung für dich finden."

"Sie wissen, dass mein Vater, seiner Güte und Zärtlichkeit ungeachtet, doch zuweilen eine Härte besitzt, die unglaublich scheint. Herr D-, ein reicher, aber nichtswürdiger Mensch, der allen Abscheu eines tugendhaften Mädchens verdient, der schon die Unschuld mancher Unglücklichen zu grund richtete, zugleich aber doch durch die schändlichste Heuchelei den Ruf eines rechtschaffnen Mannes zu behaupten weiss, verliebte sich in mich, und hielt bei meinem Vater um mich an. Dieser, durch seinen Reichtum geblendet, gab ihm sein Jawort, und stellte ihn mir zum Bräutigam vor. Ich hasste den Niederträchtigen, wie er es verdiente, und flehte mit Tränen meinen Vater an, mich doch nicht einem solchen Bösewicht zu geben. Aber er war taub gegen meine Bitten, und würdigte die Beweise von D-s schlechtem Charakter, die er für erdichtet hielt, nicht einmal einer Untersuchung. Die Verzweiflung brachte mich dahin, selbst an D. zu schreiben. Ich bat ihn, wenn er nur noch etwas Edelmut besässe, so möchte er nicht auf eine Verbindung dringen, in die es mir unmöglich wäre einzuwilligen. Seine Beharrlichkeit würde nur dazu dienen, mich Unannehmlichkeiten von meinem Vater auszusetzen; in meinem Entschluss würde sie nichts ändern. Dieses begleitete ich mit den höflichsten Bitten, aber ich erhielt bloss die Antwort: Er glaube, es gäbe im Ehestande allerlei Mittel von sanfter und harter Art, die Abneigung, die ich gegen ihn zu haben schiene, zu überwinden. Es solle ihm zwar leid sein, wenn er die letzten bei mir anwenden müsse