auffallend genug von den übrigen aus. B r a n d stellte ihnen in mir seinen neuen Fund vor.
"Das ist der Mühe wert. Wahrhaftig, eine schöne Figur! –" schrien alle mit Hohngelächter.
"O ho, sachte, Kinder! Dieser Kerl ist vielleicht mehr wert als ihr alle. Du Jakob, M o r i t z , R a u f b o l d , J ä g e r , und du S c h w a r z e r da – er zeigte auf fünf Kerle, welche die fürchterlichste Gesichtsbildung hatten – ihr, alle seid zwar treffliche Fechter, aber dieser ist mir noch brauchbarer. Unter euch allen ist keiner, den ich zum Kundschafter in Häusern brauchen könnte, und ein solcher ist uns doch so notwendig. Ueberhaupt ist dieser neue Bruder von so guter Familie, als irgend einer unter euch."
Es kam mir höchst lächerlich vor, diese Lotterbuben von vornehmer Familie reden zu hören. Ich verbarg aber meine Betrachtungen, und sah F e r d i n a n d an, der bisher in tiefen Gedanken gesessen hatte, nun aber aufsah, und bei meinem Anblick frappirt zu sein schien. Er hatte mich aber nicht erkannt. Bloss die A e h n l i c h k e i t meiner Gesichtszüge mit andern, welche er schon einmal gesehen zu haben glaubte, hatte ihn in Erstaunen gesetzt, und er schien, von diesem Augenblick an, über etwas nachzudenken. Ich fand gelegenheit, ihm unvermerkt mein Brieschen zuzustecken. Es war des Inhalts: "Lieber F e r d i n a n d ! Die Begierde Dich zu retten, treibt mich zu dieser sonderbaren Verkleidung. Wenn Du daran denkst, was Du Deinem Vater, der um Dich jammert, und Deinen Freunden schuldig bist, und also in meinen Plan einstimmst: so hoffe ich Dich und mich zu befreien. Dein Vater weiss nichts von diesem Schritt, und es steht Dir ganz frei, zu gehen, wohin Du willst; wenn Du nur aus den Händen dieser Elenden bist, so bin ich zufrieden."
Er schien zu stutzen, als er das Papier in seiner Hand fühlte, steckte es aber unvermerkt in die tasche, und nun hiess B r a n d uns schlafen gehen. Den andern Morgen gaben sich alle beim Aufstehen die Hand. F e r d i n a n d kam zuletzt zu mir, und drückte ein Papier in die meinige. Ich entfernte mich unter einem Vorwande, und las folgendes: "O Gott! B a r t h o l d ! bin ich es noch wert, dass meine Freunde sich meiner annehmen? Edelster! Bester unter den Menschen! O warum erkannte ich Deine Freundschaft nicht immer so wie jetzt? Ich bin von Deiner Grossmut durchdrungen, und werde ewig dankbar gegen Dich sein; aber wenn Du mich retten willst, so rette auch meinen Feldheim, der diese unselige Verbindung eben so verabscheut wie ich."
Voller Freuden eilte ich wieder zu den andern, und gab mir alle mögliche Mühe, B r a n d s Liebe und Vertrauen zu gewinnen. Es gelang mir auch so gut, dass er mir bald einen Plan mitteilte, in dessen Ausführung er meine Fähigkeiten prüfen wollte:
"Es wohnt hier in der Nähe ein reicher Alter auf einem einsam gelegnen Gute, bei dem wir eine treffliche Beute finden werden. Aber weil wir hier gar nicht mehr sicher sind, so müssen wir diesen Ausfall so bald möglich, ich wünschte schon zukünftige Nacht, unternehmen, und uns dann sogleich aus dem Staube machen. Kennst du das **sche Gut?"
– Gott, wie erschrack ich hier! Es ist eben das Gut, auf dem Du, mein E d u a r d , sonst wohntest, und dessen gefährliche einsame Lage Du kennst. Ich fasste mich inzwischen so gut, dass er meine Bestürzung nicht merkte, und antwortete:
"Dem Namen nach kenne ich es wohl. Ich habe es auch liegen sehen, wurde aber verhindert, meinen Weg dahin zu nehmen."
"Nun! es ist genug, wenn du nur die Lage weisst. Wenn ich wüsste, dass du recht gescheidt wärest, so solltest du dahin gehen und Kundschaft von allen den Dingen einziehen, die wir notwendig zu unsrer Sicherheit wissen müssen. Aber sollte ich mich auch wohl auf dich verlassen können, da du noch so neu bist? Ich wage wirklich zu viel."
"Gewiss nicht, Herr Hauptmann! Ich habe in meinem Leben keine grössere Freude empfunden, als diejenige war, wie Sie mich in Ihre Gesellschaft aufnahmen, und Ihr Auftrag erfüllt alle meine Wünsche."
"Wie so? sagte er etwas befremdet."
"Je nun, weil er mir ein Zeichen Ihres Vertrauens ist. Ich bin zu solchen Geschäften geboren. Es wird mir einen rechten Spass machen, wenn die Bedienten mir in aller Unschuld das entdecken, was uns zu wissen gut ist. O ich will sie so zahm und treuherzig machen, dass es eine Freude sein soll. Aber, Herr Hauptmann, wäre es nicht besser, wenn ich in einer andern Kleidung da erschiene? etwa als ein Korn- oder Viehhändler? Auf die Art könnte ich wohl leichter Zutritt zu dem Herrn selbst bekommen?"
Bravo, du bist ein tüchtiger Kerl. Aber mach fort, damit du bald wieder hier bist. Du siehst, was ich