l d , denn von dem werden Sie doch wohl reden – – –"
D i e T a n t e . "Herr S t e r n f e l d ist ein recht braver Mann. Immer so geputzt und geschniegelt wie eine Puppe. Es ist eine Freude, ihn anzusehen, und wahrhaftig, er ist Ihnen recht gut, das glauben Sie nur, Kind. Er hat Sie sehr gelobt, und ist recht von Ihnen charmirt."
I c h . "Aber ich bin es nicht im mindesten von ihm, und das würde denn doch wohl erfordert, wenn aus uns ein Paar werden sollte."
D i e T a n t e . "Nein, wahrhaftig, das geht zu weit. Sie sollten es mit Dank erkennen, dass man sich so weit herablässt, Sie gleichsam um Rat zu fragen. Mit mir wurden so viele Umstände nicht gemacht. Höre, Miekchen, sagte mein Vater seliger, der Herr Burgemeister hat um dich angehalten. Er ist ein braver Mann, der einen hübschen Pfennig Einnahme hat. Ich habe ihm das Jawort gegeben; in vierzehn Tagen soll die Hochzeit sein. Sehr wohl, Papa, sagte ich, und machte einen Knix. Und ich habe es nachher niemals bereut. Es war so ein guter Mann, er tat alles, was er mir nur an den Augen ansehen konnte; während unsrer ganzen Ehe hat er mir kaum zweimal widersprochen. Und als ich ihn da nur unfreundlich ansah, standen dem guten Mann gleich die Tränen in den Augen, er bat mich aufs beweglichste um Verzeihung, und – –"
D e r O n k e l . "Und schluchzte wohl gar dabei, wie ein altes Weib? Du weisst, dass ich das dumme Geschwätz nicht ausstehen kann. Schlimm genug, dass dein Mann eine solche Nachtmütze war, Gott hab' ihn selig! Ich hoffe aber, F i e k c h e n wird ihrem S t e r n f e l d auch nie so begegnen, wie du ihm tatest; auch hoffe ich, dass er es nicht leiden würde."
I c h . "Ums Himmelswillen, teuerster Onkel, was sagen Sie? S t e r n f e l d , mein Sternfeld? O Sie werden mich doch nicht zwingen wollen, diesen verhassten Menschen zu heiraten? Sie waren ja immer so gütig gegen mich, wie ein Vater gegen sein Kind sein kann, und nun wollen Sie so hart sein? O ich beschwöre Sie bei ihrer Zärtlichkeit!"
D e r O n k e l . "zwingen werde ich dich auch nicht, mein Töchterchen, dazu habe ich dich zu lieb; aber ich möchte dich denn doch gern bei meinen Lebzeiten verheiratet sehen. Sage mir, mein liebes Kind, was hast du denn an S t e r n f e l d auszusetzen? Ein Bisschen geckenhaft kam er mir wohl vor, aber das habt ihr Mädchen ja sonst gern, und das wird sich wohl im Ehestande geben."
I c h . "Ach nein, bester Onkel, bei Leuten, die schon so alt sind, wie er ist, und doch noch den Narren spielen, gibt sich das nicht so leicht. Es ist immer ein Zeichen, dass sie wenig Verstand haben, und dass ihnen auch andre gute Eigenschaften fehlen, wenn sie noch im vierzigsten Jahre durch die Torheiten der jungen Herren zu gefallen suchen. Und S t e r n f e l d ist auch sonst ein schlechter Mensch. Er hat viele Schulden, die er aus keinen löblichen Gründen gemacht hat, und sucht nur eine Frau, mit deren Aussteuer er diese tilgen kann."
Diese Nachrichten hatte mir mein Aufwartemädchen mitgeteilt. Diese wurde nun vorgefordert, und bewies ihre Aussage auf eine Art, die keinen Zweifel an der Wahrheit mehr übrig liess. Mein Onkel und meine Tante erstaunten, und der erste, der ohnediess eben keinen besonderen Gefallen an Herrn Sternfeld gefunden hatte, gab mir denn erlaubnis ihn zu verabschieden. Der Himmel wird ja dem Mädchen schon einen andern Mann zuschicken, der besser für sie ist, als dieser Schurke, sprach mein Oheim, und ich hatte dabei meine eignen Betrachtungen. Als wir in diesem Gespräch begriffen waren, kam ein Brief von Herrn S t e r n f e l d an mich, in welchen ein gar rührendes Gedicht eingeschlossen war, das er gewiss aus irgend einem verjährten Roman abgeschrieben hatte. Der Brief war auf rotes Papier geschrieben, und ganz erbärmlich buchstabiert. Dass lauter Unsinn darinnen stand, vermuten Sie wohl, ohne dass ich es Ihnen sage. Ich beantwortete denn stehendes Fusses dieses Sendschreiben, dankte ihm sehr für die Ehre, die er mir zugedacht hätte, bedauerte aber höchlich, dass ich keinen Gebrauch davon machen könnte, und bewies ihm diess mit so triftigen Gründen, dass er hoffentlich nie wieder etwas von seinen gütigen Gesinnungen gegen mich erwähnen wird.
Ach M a r i e , ich wollte Ihnen nichts von K a r l s h e i m schreiben; aber, was soll ich es Ihnen läugnen? sein Name schwebt mir immer auf dem Papier. Ja, liebe Freundinn, ich glaube mit Ihnen, dass die Liebe sich mit desto stärkerer Macht an uns rächt, je länger wir ihrer spotten. Ich hielt mich für unüberwindlich, glaubte, dass nie ein Mann mein Herz würde rühren können. Ich