1784_Liebeskind_067_78.txt

ich getraue mir kaum, die Reise allein zu machen."

Ich versprach diess; denn, wie gesagt, ich liebe F e l d h e i m sehr, und es ist ja gleichviel, wohin mich mein Schicksal führt. Wir versuchten, ob es nicht möglich wäre, jetzt gleich zu entkommen, aber B r a n d hatte sorgfältig alle Ausgänge verschlossen, und wir durften keinen Lärm machen, damit unsre Kameraden unsern Vorsatz nicht merkten. Wir verabredeten also, uns heiter zu stellen, und zu tun, als wären wir begierig, auch bei einem Diebstahl gebraucht zu werden; alsdann wollten wir zu entfliehen suchen. Wollte der Himmel, unser Vorsatz wäre schon ausgeführt! Mein Leben wird mir hier zur Quaal, und der Gedanke an meinen armen Vater martert mich unaufhörlich. O dass ich so mutwillig das Glück meines Lebens zerstörte! denn zerstört ist es auf immer. Wenn ich auch aus dieser höllischen Bande entrinne, so ist doch das Trommelfell mein höchstes Ziel. Einer andern Bestimmung habe ich mich unwert gemacht.

Ferdinand.

Achtzigster Brief

Ferdinand an Eduard

Es ist uns gelungen, das Vertrauen des Hauptmanns ganz zu gewinnen. Als er den andern Morgen zurückkam, stellten wir uns ganz mismütig. Er bemerkte es und fragte mich, was mir fehle?

"Meinen Sie dennsprach ichdass es mir gleichgültig sein kann, bei allen den schönen Unternehmungen, die Sie machen, zu haus gelassen zu werden? Zeigt das nicht deutlich, dass Sie mich für einen Schaafkopf halten, der zu nichts zu gebrauchen ist? Oder vielleicht glauben Sie, dass ich kein Pulver riechen kann. Und das ist mir sehr empfindlich."

"Ich bin freilich wohl nicht so beherztsprach Feldheimwie unsre andern tapfern Brüder, und getraue mir nicht, mit der Pistole oder dem Degen in der Hand so gut wie Sie, Herr Hauptmann, zu fechten; aber wenn es auf List und Ränke ankömmt, so bin ich gewiss so gut als einer; denn die habe ich in meiner Kindheit gelernt. Ich kann so sachte auf den Zehen schleichen, dass mich niemand hört, getraue mir auch wohl ganz leise ein festes Schloss aufzubrechen; meiner Mutter Geldschrank hat diese meine Geschicklichkeit wenigstens oft genug erfahren."

B r a n d . "Es ist mir lieb, Kinder, dass ihr so viel Mut und Ambition habt. Ich hätte es euch nicht zugetraut."

I c h . "Zum Teufel, Herr Hauptmann! Sie haben mir keine Courage zugetraut? Das sollte mir beim Henker kein andrer sagen. Ich bin jetzt eben in der Laune, mir einen Gegner zu wünschen; ich wollte wahrhaftig jeden zu Paaren treiben, der sich mir widersetzte!"

B r a n d . "Verspare deinen Mut, mein Sohn, du sollst bald gelegenheit finden, ihn zu gebrauchen. Hier in der Nähe liegt ein artiges Gut, auf dem nur ein Alter mit seiner Tochter wohnt. Er hat viel Geld und eine öffentliche Kasse in Händen. Das kann ein reicher Schnitt werden. Ich muss nur noch nähere Kundschaft von dem Dinge einziehen. Bei dieser Unternehmung will ich euch brauchen, wenn ihr versprecht hübsch vorsichtig zu sein."

F e l d h e i m . "O wenn es auf Vorsicht und leises Wesen ankömmt! Beides habe ich."

B r a n d . "Gut, mein Sohn! Vielleicht brauche ich dich, ins Fenster zu steigen, weil du schmal bist. Aber würde dir nicht bange werden?"

F e l d h e i m . "O! nicht im mindesten. Ich weiss ja, dass ich brave Gehülfen hinter mir habe."

B r a n d . "Gut gesprochen, mein Kind! Du hast Recht, wir haben tafere Kerle unter uns, die mit dem Teufel selbst fechten würden. Wisst ihr wohl, dass unsre Bande ihrer Herzhaftigkeit wegen in der ganzen Gegend berühmt ist? Es fürchten sich alle, die von uns gehört haben, uns anzugreifen. Sonst würden wir auch nicht mehr alle beisammen sein. Man hat aber doch schon starken Argwohn auf uns, und sucht uns durch List nachzustellen; deswegen wollen wir diese Gegend gleich verlassen, wenn wir diesen Coup ausgeführt haben."

I c h . "Was mich aber anbetrifft, so bitte ich untertänig, dass Sie mich nicht bloss zum Einsteigen in die Fenster brauchen, sondern dass ich unter die andern Fechter gestellt werde."

B r a n d . "Es wird meine Sache sein, jedem von Euch seinen bestimmten Platz anzuweisen. Aber jetzt wollen wir erst eins saufen. Nicht wahr, Jungen, jetzt seid ihr doch gern bei uns? Im Anfang saht ihr beide aus, wie die Ritter von der traurigen Gestalt."

I c h . "Das hat sich geändert. Ich muss gestehen, dass ich freilich im Anfang so allerlei Bedenklichkeiten hatte; aber jetzt sind sie überwunden, und ich wünsche mir in meinem Leben keine bessere Lage, als unsre jetzige ist."

B r a n d . "Bravo, mein Sohn! Nun bist du mir noch einmal so lieb. –"

Wir gewannen den Tag sein Vertrauen völlig. Es kam mir sehr sauer an, so gegen meine überzeugung zu sprechen; denn es ist gar nicht meine Sache, mich zu verstellen. Aber mein Wunsch, aus dieser Rotte zu kommen, und den armen F