bis zur stärksten Eifersucht. Sie leuchtete mir gewaltig in die Augen, und ich machte ihr allerlei Liebeserklärungen; aber sie war keine Buhlerinn, und gab mir niemals Gehör. Endlich gelang es mir durch vielerlei List und Kunstgriffe, sie mir geneigter zu machen. Man entdeckte unsern Umgang ihrem mann, und er überraschte mich im Bette bei ihr in keiner der ehrbarsten Stellungen. Seine Wut ging über alle Vorstellung, und ich würde auf eine oder die andre Art ein Opfer derselben geworden sein, wenn ich mich nicht schleunig aus dem Staube gemacht hätte.
Auf meiner Flucht wurde ich des Abends spät von zwei Menschen an einem abgelegnen Orte angehalten. Sie forderten mir meine Börse ab, und drohten im Weigerungsfall mich zu erschiessen.
Mit meiner Börse wird Ihnen eben so wenig gedient sein, als mit meinem Leben. Hier ist sie – Sie sehen, meine Herren, dass sie ziemlich leer ist. Ich bedaure von Herzen, dass ich Ihnen nicht mit reicherer Beute dienen kann.
Du scheinst mir ein lustiger Teufel. Wer bist du?
Ich offenbarte mich ihnen, und wir gefielen einander so gut, dass ich mich ihrem Hauptmann vorstellen liess, der mich auch willig annahm. Meine Geschicklichkeit im Beutelschneiden brachte mich bald auf einen ansehnlichen Posten. Und da mein Hauptmann durch seine Dummheit den Galgen zieren musste – es fielen zugleich noch einige brave Kerle – so sammelte ich den Ueberrest unsrer Bande zusammen, und wurde zu ihrem Oberhaupt erwählt, welchem amt ich schon vier Jahre lang mit Ruhm und Ehre vorgestanden habe. Nicht wahr, Brüder?"
Ein lautes: Lange lebe noch unser braver Hauptmann B r a n d ! erscholl von allen Seiten. Und nun wurde das Mittagsessen aufgetragen, wobei sich die ganze Gesellschaft den Wein so vortrefflich schmekken liess, dass sie fast alle taumelnd unter den Tisch sanken. Auf mich hatte die Erzählung des Hauptmanns einen allzudemütigenden Eindruck gemacht, als dass ich einen Bissen zu essen vermocht hätte. Auch der Jüngling, der mich so sehr anzog, sass tiefsinnig da, ohne an dem pöbelhaften Scherz der andern teil zu nehmen. Ich fühlte einen starken Hang zu ihm, und würde mich ihm gern genähert haben, wenn nicht B r a n d – (ob er gleich mehr als die andern gezecht hatte, so war er doch vollkommen bei Sinnen –) ein sehr wachsames Auge auf uns gehabt hätte.
Gegen Abend kamen noch einige andre Glieder der Gesellschaft nach haus. Sie stutzten bei meinem Anblick. Da ich ihnen aber als ein neuer Genosse vorgestellt wurde, umarmten sie mich, zu meiner Quaal, sehr freudig, und legten dem Hauptmann Rechenschaft von den Streifereien ab, die sie vorige Nacht unternommen hatten. Auf die künftige verabredete man einen Ausfall auf den Geldkasten einer reichen witwe.
Ich bin noch zu keiner Ausführung gebraucht worden, so wenig als F e l d h e i m ; man hütet uns aber sehr sorgfältig, so dass es nicht möglich ist, ein Wort mit ihm zu reden.
Ich habe vierzehn Tage an diesem Briefe geschrieben; denn ich muss unter allerlei Vorwande die Zeit dazu stehlen. Aber ich verwünsche noch eben so heftig als Anfangs das Schicksal, das mich in diese Mördergrube brachte. – Was soll ich Dir noch weiter schreiben? Du verachtest gewiss
den elenden
Ferdinand.
Einundsechzigster Brief
Eduard an Bartold
Da hast Du F e r d i n a n d s Brief. Rette ihn, wenn Du kannst, und suche zu erforschen, wo er sich aufhält. Mir ist es nicht möglich, die Gegend zu verlassen, in welcher der leidende Engel wohnt. Ich lebe in einer Bauerhütte, einsam und unerkannt, und suche die einzige Wollust bei meinen Leiden darin, dass ich des Abends um das Pfarrhaus herum gehe, und dann durch das Dunkle der Nacht den Schein ihrer Lampe schimmern sehe.
Gestern wagte ich es durch ihr Fenster zu blicken, und o Gott! wie ward mir da, als ich ihre himmlische Gestalt sah! In ein weisses Gewand gekleidet, schien sie mir ein schon verklärter Engel zu sein. Sie schwebte mit matten Schritten im Zimmer umher, sank dann kraftlos auf einen Stuhl und weinte. O ihr Mächte des himmels, was fühlte da mein Herz! Vielleicht mischte ein Andenken an mich sich in diese Zähren, und ich Elender durfte nicht hinein, sie zu trocknen, und stand ihr doch so nah! Hätte ich nur eine Träne von diesen Wangen wegküssen dürfen, so würde die unbändig tobende Hitze in mir gelöscht sein; aber so waren diese Tropfen brennende Quaalen für meine Seele.
O Himmel! kannst du es zulassen, dass das edelste geschöpf, geschaffen zum Vorbild ihres Geschlechts, solchen Schmerzen unterliegt? dass sie, die die Anbetung der ganzen Welt verdiente, als eine Schändliche verachtet und verstossen wird? O Schicksal, o Menschheit!
B a r t h o l d ! oft liege ich ganze Nächte hindurch vor ihrem Fenster. Wenn ich dann meine arme vergebens nach ihr ausstrecke, und nun der grauende Tag mich von ihrer Tür wegtreibt, dann eile ich in mein einsames Lager zurück, aber der Schlaf flieht mich. Schreckliche Bilder stehen vor meiner Einbildungskraft; matt und kraftlos stehe ich wieder auf, um dem neuen harmvollen Tage entgegen zu gehen! Habe Mitleid mit mir, B a r t h o l d ! Oft scheints, als verlassen mich meine Sinne. Wärs Wunder, wenn der Schmerz sie zerrüttete, da ich ihn so ganz