nicht vergeben, dass Du sie einem so empfindsamen Affen aufopfertest, wie M a r i e ist, und die Dir Deine Liebe so schlecht lohnt.
Vierundfunfzigster Brief
Albrecht an Wildberg
Dank Dir, W i l d b e r g , dass Du den Zettel beilegtest. Ich hätte sonst Mistrauen in die Treue eines Freundes gesetzt, so unwahrscheinlich war mir die Untreue des Weibes, von deren schönem Charakter ich so viele Proben zu haben glaubte. Die nichtswürdige Gleissnerinn! War das die Ursache des Gewinsels, der Seufzer, der Tränen ohne Ende? Die Schändliche! Schon lange war ich ihrer Empfindsamkeit müde; denn ich kann die schwachen Nerven, die Reizbarkeit, über die das Frauenzimmer jetzt immer klagt, nicht ausstehen. – Darum war mir Amalie so lieb, weil sie gar nichts von solchen Zierereien an sich hatte. O W i l d b e r g , warum schriebst Du mir von ihr? War meine Lage nicht ohnediess desperat genug? O A m a l i e ! ich fühle, dass meine Leichtgläubigkeit Deine Verachtung verdient, und Du liebst mich noch! Ich Tor! – Zwar kann ich nicht sagen, dass Marie alle die Päpeleien und Vapeurs ihrer Zeitgenossinnen gehabt hätte, allein sie war mir doch zu weich, und ihre Klagen über meine Unempfindlichkeit bei Dingen, die sie tief rührten, wurden mir oft verhasst. Aber eines solchen schlechten Betragens hätte ich sie nie fähig gehalten. Desto mehr bringt es mich gegen die Nichtswürdige auf. Aber warte! ich will Dich und Deinen elenden Liebhaber aus einander treiben, dass eure zarten Seelchen erbeben sollen, und dass die Lust zu solchen empfindsamen Zügen euch ins künftige vergehen soll!
Hätte ich doch nicht gedacht, dass mich etwas so sehr aufbringen könnte! Aber Du sollst es erfahren, M a r i e , dass der kalte A l b r e c h t eines heftigen Zorns fähig ist, wenn man ihn reizt! – Ich werde meine Geschäfte zu Ende bringen, und dann gleich nach Empfang Deines briefes zu dem zärtlichen Turteltäubchen reisen, und ihren Täuber verjagen, dass er staunen soll. schreibe mir ja aufs schleunigste.
Albrecht.
Fünfundfunfzigster Brief
Wildberg an Albrecht
Er ist angelangt, der zärtliche Liebhaber. Sie hat ihn vor Freuden fast erdrückt, und ihre Zärtlichkeit ist über alle Maassen weit gegangen. Es ist keine platonische Liebe, wie man sie von so feinen Seelen erwarten könnte, sondern sie sind sehr körperlicher Eindrücke fähig. Man hat sie beide in sehr zweideutiger Stellung auf dem Kanapee sitzen sehen, und seit der Zeit werden auch immer nächtliche Besuche abgestattet. Die gute Frau! Es mag ihr wohl zuweilen in dem grossen Bette grauen, in welchem sie seit Deiner Abreise so ganz allein liegen muss. Sehr natürlich also, dass sie sorge trägt, diesen leeren Platz durch ihn zu besetzen. Vielleicht wird man bald die Spuren der Fruchtbarkeit an ihr wahrnehmen, deren Mangel sie bisher so oft beweinte.
Ich bedaure Dich von ganzem Herzen, guter A l b r e c h t ; aber es ist kein andres Mittel, dem Dinge ein Ende zu machen, als wenn Du Dich von ihr trennst. Dieses hat sie verdient, und es ist nicht zu erwarten, dass eine Frau von so verderbtem Herzen sich je bessern wird. Was willst Du auch noch mit ihr? Du dienst ja doch zu nichts, als zu einem Deckmantel ihrer Schande, und wirst nie wieder eine frohe Stunde mit ihr haben können. Lebtest Du nicht vor Deiner Heirat viel glücklicher als jetzt? Du betriebst Deine Geschäfte, und in Nebenstunden genossest Du einen vergnügten ungezwungnen Umgang mit Deinen Freunden. Du warest in allen Gesellschaften willkommen, und hattest die besten Aussichten zu Glück und Ehre vor Dir.
Alles das ist seit Deiner Heirat verdorben. Dein empfindsames Weib verscheuchte alle Deine Freunde, deren Umgang ihr zu rauh schien: Du wurdest allentalben weniger geachtet, weil man Deine Frau und ihre moralischen Unterhaltungen nicht ausstehen konnte. Sogar der Geheimde Rat G., Dein mächtiger gönner, wurde dein Feind, weil M a r i e einmal seiner Frau in einer grossen Gesellschaft widersprach. Er hat einigemal gesagt, und viele mit ihm: "Schade, dass der Mann die Närrinn zur Frau hat!"
Und was ward Dir für diesen Verlust? Ein weinerliches geschöpf, dessen Umgang Dir nur Misvergnügen machte, bei der Du gar keine Erholung, keine Aufheitrung fandest, wenn Dich Geschäfte ermüdet hatten. Kam sie Dir nicht allentalben mit ihrem feinen Gefühl in die Queer?
Oeffne die Augen, Freund! Lass sie mit ihrem Romanhelden laufen, und bei wasser und Brod sich von Liebe satt schwatzen. Und Du wirst dann wieder so glücklich, so ruhig leben, wie vorher. Du wirst Deine Bekanntschaft mit Amalien zu erneuern suchen. Ihre Gesellschaft, ihr muntrer Witz, durch Deinen Anblick wiederum belebt, wird bald die Eindrücke von Deiner kopfhängerischen M a r i e bei Dir vertilgen.
Vor dem Urteil der Welt brauchst Du Dich nicht zu fürchten. Man weiss hier schon allentalben die geschichte, man bedauert Dich und wünscht, dass Du Dich von der Treulosen scheiden möchtest. Und ich bin gewiss, dass man Dich hier allentalben mit Verachtung ansehen, und mitleidig die Achseln über Dich zucken würde, wenn Du Deine Hahnreischaft so gelassen ertrügest. Du wunderst Dich vielleicht über meinen Eifer. Aber die Ehre und das Glück meines Freundes liegen mir zu sehr am Herzen, als dass ich bei