e n so ziemlich vergessen liessen; auch hörte ich, dass sie arm geworden wäre, und meine Umstände erforderten eine reiche Partie. Ich weiss aber doch nicht, was ich getan hätte, wenn sie bei meiner Zurückkunft noch ledig gewesen wäre. Aber so fand ich zu meiner grossen Verwundrung, dass mich Albrecht, durch seine Heirat mit ihr, aller Zweifel überhoben hatte.
Bei ihrem Anblick wachten alle alten Eindrücke so lebhaft wieder bei mir auf, dass ich mir vornahm, ihre Liebe zu erlangen, es koste auch, was es wolle. Sie wissen, was ich für Versuche machte. Aber alle schlug die spröde Schöne zurück. Sogar Albrechts letzte Entfernung half mir nichts. Verwünschter E d u a r d ! Nichtswürdige Memme! Du steht mir im Wege? Aber ich will dich herausschleudern, dass du das Wiederaufstehen vergessen sollst! Wenn ich nur wüsste, wo er sich aushielte. Er muss wohl in der Nähe sein. Ich werde es auszukundschaften suchen.
Heute Abends komme ich zu Ihnen. Dann wollen wir mehr reden.
Wildberg.
Dreiundfunfzigster Brief
Wildberg an Albrecht
Deine Besorgniss wegen der Traurigkeit, die Deine Frau seit einiger Zeit zu haben scheint, hat mich sehr aufmerksam gemacht. Ich habe, Deinem Auftrage gemäss, alles angewandt, um die Ursache davon zu erforschen. Aber vergeblich. Denn Du weisst, ich schikke mich nicht zum empfindsamen Ritter, und Deine Frau, die denn gar gewaltig viel Feinheit besitzen will, wirft mir auch darin immer einen grossen Mangel vor. Ich überraschte sie einigemal bei dem Lesen gewisser Papiere, welche sie stets sorgfältig bei meiner Ankunft verbarg. Endlich war ich so glücklich, durch eine unschuldige List, ohne dass sie es merkte, eins davon zu erhaschen, und nun sah ich die ganze Veranlassung ihres Tiefsinns. Ich stand zwar erst bei mir an, ob ich Dich durch diese Erzählung kränken wollte, aber ich glaube doch, dass es besser ist, wenn Du alles erfährst; vielleicht kannst Du dann eher die rechten Mittel brauchen, um sie zu heilen.
Der Brief war von E d u a r d , ihrem ehemaligen Liebhaber, um deswillen sie ehemals Deine Bewerbung ausschlug. Endlich beehrte sie Dich mit ihrer Hand; ihr Herz und ihre heimliche Liebe aber behielt er. Ich weiss nicht, wodurch ihr Verständniss aufs neue mag wiederum erweckt worden sein – eigentlich haben sie wohl immer einen Briefwechsel mit einander gehabt – genug, der Brief entielt Zärtlichkeitsversichrungen, im erhabensten Romanenstyl geschrieben. Er dankte ihr für die Nachricht von Deiner Abreise, bat sie, ihm die Nacht zu benennen, in der er sie sprechen könnte, kam mit ihr darin überein, dass ein solcher Unwürdiger, wie Du, ihre Liebe nicht verdiene, und schrieb noch mehrere Sachen, mit deren Erzählung ich Dich nicht kränken mag. Ich selbst hätte diess nie der Frau zugetraut, die beständig so viel von schönen Empfindungen, Tugend und Herzensgüte schwatzt! Ich werde mich näher nach der Sache erkundigen, und Dir weitere Nachricht geben. Nimm auch eher keine Maassregeln, und schreibe ihr nichts, bis Du noch einen Brief von mir bekommen hast. Zu Deiner überzeugung schicke ich Dir hier das Ende des briefes, den ich ihr raubte. Den Anfang musste ich wieder an den Ort legen, wo ich ihn gefunden hatte, um ihr keinen Verdacht zu machen. Teils fürchtete ich auch, Dich durch die darin entaltnen Schmähungen gegen Dich zu sehr aufzubringen. Ich bedaure Dich von ganzem Herzen, Freund, denn ich weiss, wie sehr Hörner die Stirne des Mannes drücken. Bald schreibe ich Dir mehr.
Wildberg.
N. S. A m a l i e ist wieder hier. Sie errötete, als ich von ungefähr deinen Namen nannte: Ach Gott, sprach sie, nennen Sie ihn nicht. Der Gedanke, dass er, durch falschen Argwohn bewogen, sich von mir trennte, schmerzt mich noch immer unendlich tief.
"Ach schweigen Sie doch, A m a l i e . So ganz richtig war es doch wohl nicht mit dem Hauptmann und Ihnen. Und dann sind Sie auch zu liebenswürdig, als dass Sie nicht viele Anbeter unterdessen sollten gehabt haben."
"Sie beleidigen mich, Herr W i l d b e r g . Was sollte ich für ein Interesse dabei haben, Ihnen die Wahrheit zu läugnen, da Albrecht doch leider! auf immer für mich verloren ist? Aber, ich schwöre es Ihnen zu, der Hauptmann hat nie Eindruck auf mich gemacht. Wie hätte ich auch neben A l b r e c h t einen andern lieben können? Und so leichtsinnig ich sonst auch war, so ernstaft hat mich jetzt der Kummer gemacht. Es haben sich wohl einige Männer um meine Liebe beworben, aber es ist mir unmöglich, für irgend einen andern Mann Gegenneigung zu haben. Jene unglückliche Liebe hält mich noch immer zu sehr gefesselt."
Sie ist auch wirklich nicht halb so munter mehr, als ehemals. Sie wohnt eine Viertelstunde von der Stadt, und lebt sehr einsam. Sie hat mich auch gebeten, sie nur selten zu besuchen, teils, damit nicht durch meinen Anblick die Erinnerung an Dich – die sie zu verbannen bemüht sein wollte – zu lebhaft erneuert würde, teils auch, damit sie auf keine Art ihren guten Ruf in Gefahr setzte. Dieses Verbot ist mir sehr unangenehm; denn ihr Umgang ist einer der angenehmsten, den ich kenne. Ich kann Dir die Torheit