gemacht ist, gehasst.
Vor einigen Tagen waren wir zum Besuch bei einer solchen Gans gebeten. Es befanden sich ein kleiner Knabe und zwei Mädchen von sechs und acht Jahren im Zimmer. Das älteste Mädchen war schön, aber schon ganz eines von den Gesichtern, die stets bemüht zu sein scheinen, es selbst zu sagen. Das jüngste war von den Pocken verdorben worden, hatte aber doch eine gute offne Miene. Ich bemerkte dieses letzte gegen die Mutter.
"Ach! sprach sie, was tue ich mit der offnen Miene, da das Mädchen so hässlich ist wie eine Fratze? Sie glauben gar nicht, was ich für Aerger von ihr habe. Keinen Augenblick kann sie auf einer Stelle sitzen. Ruckst du schon wieder auf deinem Stuhl, du garstiges Tier! Du möchtest wohl gern den ganzen Tag auf der Strasse liegen, wie die Bauernkinder, und du hättest doch gewiss nicht nötig, den Leuten dein Fratzengesicht zu zeigen. Ehe ich michs versehe, entwischt das alberne Mensch vor die Strassentür, und spricht mit den gemeinen Kindern. Habe ich dir es nicht so oft verboten, du solltest dich nicht mit dem schlechten gemeinen Volk abgeben? Wenn ich es noch einmal sehe, so werde ich dich so derb abprügeln, dass dir die Lust wohl vergehen soll."
D a s K i n d . "Unser Informator sagte mir heute in der Stunde, die gemeinen Kinder wären so gut von Gott erschaffen, als wir."
"Du naseweisses Tier, was hast du zu reden? Der Informator ist nicht gescheidt, wenn er euch solches dummes Zeug vorschwatzt. Kein Unterschied unter vornehmen und gemeinen Leuten? Wie albern ist das! M a l c h e n ist darin viel klüger, als du. Die lässt sich nicht mit allen Leuten in Gespräch ein; und läuft auch nicht den ganzen Tag herum. Sieh, wie sie so still sitzt! Und sie hat doch ein ganz anderes Gesicht, als du, garstiges Ding! Glauben Sie nicht auch, Mademoiselle, dass das Mädchen recht schön werden wird? Sie verdirbt aber auch ihre Haut nicht so in der Luft, wie jene. Sie ginge nicht um vieles nur über den Hof, wenn die Sonne scheint: nicht wahr, M a l c h e n ? Ein klein Bisschen eigensinnig bist du wohl manchmal, aber dafür bist du auch mein ältstes schönes Töchterchen. So, halte nur den Kopf recht gerade, mein Kind!"
Das Mädchen sass da, und verlor kein Wort von dieser klugen Rede. Es wurde Obst gegeben, und die Kleine hob hurtig einen Apfel auf, der zur Erde fiel.
"Sehen Sie wohl, Mama – schrie M a l c h e n – da nimmt J u s t c h e n schon wieder, ehe andre Leute was haben. Willst du mir bald den Apfel hergeben?"
Das Kind weigerte sich. M a l c h e n schlug und kratzte es, und wie es sich wehrte, erhub sie ein Zetergeschrei:
"sehen Sie doch nur, Mama, hier hat sie mir meine Brustschleife abgerissen."
Nun sprang die Mutter wütend auf, stiess die kleine mit vielen Schimpfreden aus der stube, und war sehr bemüht, M a l c h e n durch allerlei Liebkosungen zu trösten. Auf einmal vermisste ich meinen Fächer, und siehe, der Knabe hatte ihn, während der Bataille der andern, heimlich weggenommen. Es war mein bester, und also können Sie wohl denken, liebe J u l i e , dass es mir ein Stoss ins Herz war, ihn in des Knaben Händen zu sehen.
"liebes Kind, wollten Sie mir wohl den Fächer geben? Er ist sehr zerbrechlich; ich will Ihnen etwas anders dafür geben."
D i e M u t t e r . " F r i t z c h e n , gieb doch hin, du sollst auch Zuckerplättchen haben."
"Ne doch, ich will noch mit spielen."
Sie war in grosser Verlegenheit, und nahm F r i t z c h e n auf den Schooss, der sich mit Händen und Füssen wehrte. Sie versprach ihm alles Mögliche, küsste und streichelte ihn, aber umsonst! Der Junge fing so entsetzlich an zu kreischen, dass sie ihn erschrocken herunter liess. Darauf schlug er sie mit dem Fächer ins Gesicht, und ich sah, dass schon ein Stab gebrochen war.
"Wollten Sie mir wohl erlauben, liebe Madam, dem kind den Fächer wegzunehmen? Es ist ein Andenken von meinem Onkel, und ich möchte ihn nicht gern zerbrochen sehen."
Ich versuchte es; aber der Junge trat mit dem fuss nach mir, so dass er gleich ein grosses Loch in meine Florschürze riss; endlich wand ich ihn aus seiner Hand. Nun hätten Sie das Toben, das Heulen sehen sollen. Ich dachte er bekäme jeden Augenblick das böse Wesen. Die Mutter sprang erschrocken auf ihn zu.
"F r i t z c h e n , liebes F r i t z c h e n , gieb dich doch zufrieden, du sollst ein ganz neues Kleid haben. Dass man auch immer von Fremden solchen Aerger haben muss! Was wäre denn an dem Lumpenfächer gelegen gewesen – so brummte sie zwischen den Zähnen. – Das arme Kind! Es wird sich gewiss Schaden tun."
Nichts wollte helfen. Sie bat mich