Aussicht hatte, wurde dadurch verbaut. Aber nun zeigte sich ein schlimmer Umstand. Man hatte nun keinen Platz, wo eine zahlreiche Gesellschaft speisen konnte, auch keinen Raum zu den Bällen, die oft zu M a y f e l d gehalten wurden. Was sollte der Herr Amtmann nun anfangen? Den Saal wieder in den vorigen Zustand setzen? Das hiesse ja bekennen, dass man geirrt hätte, und das gesteht er nie ein, es koste auch was es wolle. Er liess also ein ganz neues Nebengebäude errichten, in welchem zwei schöne Säle gebauet wurden. Dieses Nebenhaus kostete ihm mehr als dreitausend Taler, denn er bezahlt alles noch einmal so teuer, als andre Leute, ob er gleich glaubt, alles wohlfeiler zu haben. Dem ungeachtet aber ist er weit davon entfernt, diess Geld zu bereuen, sondern hält es noch immer für sehr nützlich angewandt.
Als wir mit dem haus fertig waren, wurden wir in den Garten geführt. Dieser war sonst zum Küchengarten bestimmt gewesen. Er aber fand es angenehmer, ihn auf englische Art zu haben. Es wurden also viele auswärtige Gewächse herbei geschafft, und ein Bosquet, Grotten und Einsiedeleien darin angelegt. Um aber auch Abwechselung zu haben, liess er einen andern Obstgarten auch umarbeiten. Wo sonst eine kühle dunkle Laube stand, prangte jetzt ein schönes Gewächshaus, und statt der Bäume, die sonst so voll Aepfel hiengen, dass die selige Frau Amtmänninn sie nie ohne Freude betrachtete, ragten griechische Büsten und Säulen hervor. Um den teil des Gartens, der aufs Feld ging, war ein Graben gezogen, wozu das wasser sehr weit durch Kanäle hergeleitet wurde. Man konnte zwar mit einem Sprung bequem herüber kommen, um aber ganz vor Dieben gesichert zu sein, hatte er eine kostbare Zugbrücke verfertigen lassen, die des Nachts aufgezogen wurde. Auch auf dem feld waren viel geschmackvolle Veränderungen angebracht. Es ist wahr, sprach er, ich kaufe jetzt viele Früchte, die mein Vorfahr verkaufte, aber solche Sachen sind auch jetzt so spottwohlfeil, dass es sich wahrhaftig der Mühe nicht verlohnt, sie selbst zu bauen, und das Vergnügen, das meine jetzige Einrichtung mir und meinen Freunden macht, ersetzt mir den kleinen Verlust reichlich, den ich etwa dabei habe.
Nun gings zur Tafel, die zwar reichlich besetzt, aber gar nicht schmackhaft bereitet war. Zudem war das Tischgeräte nebst Tellern und Schüsseln zwar kostbar, aber gar nicht reinlich; auch die Wahl und der Aufsatz der speisen war abgeschmackt. Die Frau Amtmänninn verlangte ein Glas wasser; ein Bedienter eilte es ihr zu reichen. Sie bog sich auf einmal so stark zurück, dass sie dem Menschen das Glas aus der Hand stiess. Nun hätten Sie das Spektakel hören sollen, das sie machte. Der arme Kerl hiess nun ein Tölpel und Flegel über den andern. Schert euch nur gleich vom Tisch, ihr dummer Klotz, ihr seid doch zu nichts zu gebrauchen. Dass Johann statt eurer heraufkömmt. Nun, ihr Schöps, was steht ihr noch? Packt euch, oder ich werde euch das Glas an den Kopf werfen.
M i n c h e n . "Ach liebe Mama, der arme Friedrich konnte ja nichts dafür, dass das Glas hinfiel, Sie waren selbst Schuld daran."
A m t m ä n n i n n . "Schweig, dummes Mädchen, ich werde dich lehren deiner Mutter widersprechen. Augenblicklich geh vom Tisch, und leiste dem niederträchtigen Kerl Gesellschaft."
Und nun musste das arme Kind mit einer tüchtigen Ohrfeige zur Tür hinaus wandern. Das ist recht, sprach L o t t e , die älteste Tochter, das kleine Mensch ist auch immer so naseweiss, und will alles besser wissen. K a r l s h e i m , ein liebenswürdiger Jüngling, der auch zum Besuch da war, wagte es mit der einnehmendsten feinsten Art von der Welt, der barbarischen Mutter einige Vorstellungen zu M i n c h e n s Besten zu tun; aber sie wiedersprach ihm mit einer solchen Art, die ihn auf immer abhielt ihr noch einmal zu widersprechen, wenn sie auch die ungereimtesten Dinge behauptete.
Nach Tische lenkte sie das Gespräch aufs Lesen. Weil diese Unterredung wirklich merkwürdig ist, so will ich sie Ihnen ganz hersetzen.
F r . A m t m . "Was ist denn jetzt die Hauptlektüre in der Stadt, Herr Karlsheim?"
K a r l s h e i m . "Das kann ich wirklich nicht sagen, Frau Amtmänninn, denn ich bin als ein Neuling noch in der Stadt bekannt. Ich lese jetzt zum zweitenmale den M e s s i a s ."
F r . A m t m . "Ei, ist denn das ein hübscher Roman?"
K a r l s h . (lächelnd) "In der Tat ein sehr erhabener Roman, von dem erhabensten gegenstand geschrieben."
F r . A m t m . "O so schicken Sie mir es doch, liebster Herr K a r l s h e i m ; so wird wohl vermutlich viel von Prinzen und Prinzessinnen drinn stehen, so etwas lese ich gar zu gerne."
L o t t e . "Aber so müssen Sie mir auch ein Buch mitschicken, damit die Mama nicht allein eins hat. hören Sie, vergessen Sie es doch ja nicht."
K a r l s h . "Nein, ich werde es