dass er den tiefsten Eindruck auf mich gemacht hätte, aber ich beschwöre ihn, wenn er einige Zärtlichkeit für mich besässe, mich nie wieder zu sehen, und mich m e i n e m unglücklichen Schicksal zu überlassen.
Diese Erklärung überwog bei einem so schwachen kopf, wie meines baron seiner war, alle adelichen Vorurteile. Er trug mir seine Hand an. Die Einwendungen, die ich zum Schein machte, wurden leicht gehoben, und es wurde eine heimliche Heirat verabredet. Dieses hatte ich gewünscht. Er war der einzige Sohn einer Mutter, und ihr Abgott. Waren wir einmal verehlicht, so hoffte ich sicher, dass seine Bitten und meine Schmeicheleien die Alte erweichen würden. Dann war ich gnädige Frau – Sie wissen, W i l d b e r g , dass ich den adelichen Stand sehr liebe – Besitzerinn eines Vermögens, mit dem ich nach meinen Phantasien schalten und walten konnte. herrliche Aussichten! O warum mussten sie so vereitelt werden?
Meine einzige Sorgfalt ging nun dahin, unser Verständniss bis nach der Trauung geheim zu halten. Vergebliche Vorsicht! Der Baron war nicht dazu gemacht, sich zu verstellen. Die gnädige Frau merkte Unrat. Sie liess uns belauren; wir wurden behorcht, als wir eben von unsrer Verabredung sprachen, und sie erfuhr die ganze geschichte. Man liess sich gegen uns nichts merken, aber der gnädige Herr sandte einen heimlichen Boten an die alte Baronesse, und malte ihr in einem Briefe die Gefahr ihres Sohns so gross ab, dass er Vollmacht von ihr erhielt, mit demselben alle die Maassregeln zu nehmen, die er für die zuträglichsten halten würde. Ich musste auf einen ganzen Tag mit der gnädigen Frau auf ihr Landgut reisen. Unterdessen nahm ihr Gemahl meinen Baron auf sein Zimmer, stellte ihm die schädlichen Folgen vor, die eine Heirat mit mir haben würde, und redete zuletzt mit so viel Ernst, dass der furchtsame Tropf aufs feierlichste versprach, auf immer von mir abzulassen. Der gnädige Herr, der schon vorher alle dazu nötigen Anstalten getroffen hatte, sandte ihn nun noch denselben Tag an den Hof zu B . Ein erfahrner Hofmeister begleitete ihn, und hatte den strengsten Auftrag, ihn die zwei Monate seines dortigen Aufentalts keinen Augenblick aus den Augen zu lassen.
Als wir am Abend zurückkamen, war der Baron fort, und ihr Gnaden erläuterten mir nun gnädigst die ganze Sache. Diese Erläuterung war nichts weniger als angenehm für mich, zumal da sie mit einigen ernstlichen Verweisen verknüpft war. Ich suchte mich, so gut ich konnte, zu entschuldigen, aber vergebens. Man erklärte mir, dass ich binnen acht Tagen das Haus verlassen sollte. So lange wollte man mir Zeit lassen, teils darum, damit niemand die wahre Ursache meiner Verabschiedung ahndete, teils auch, damit ich mich erst nach einer andern Stelle umsehen könnte.
Es bleibt mir also kein andres Mittel übrig, als wieder nach meiner Vaterstadt zurückzukehren. Ich werde denn freilich die Ursache meiner Wiederkunft ganz anders erzählen, als ich sie Ihnen geschrieben habe. Genug, dass mir der infame Vorfall äusserst fatal ist. Glauben Sie wohl, W i l d b e r g , dass es mich jetzt sehr gereut, dass ich A l b r e c h t nicht fester gehalten habe? Hätte ich mir nicht damals sichre Rechnung auf den Hauptmann von B . gemacht, wäre ich nicht, als ihn sein Regiment nach S – s rief, um mit ihm in einer Stadt zu sein, als Gesellschafterinn mit meiner gnädigen Frau gereist, so hätte wahrlich A l b r e c h t niemals der empfindsamen M a r i e zu teil werden sollen. Es ist wahr, man hatte ihm meinen Umgang mit dem Hauptmann verdächtig gemacht; seine Liebe zu mir war schon im Abnehmen; er hatte M a r i e n in einer Gesellschaft gesehen; war – so drückte er sich damals aus – von ihrem vortrefflichen, reellen Geist und Charakter bezaubert worden. Aber, aller dieser mislichen Umstände ungeachtet, wäre es mir doch ein leichtes gewesen, ihm seinen Verdacht zu benehmen, seine Liebe zu mir wieder anzufeuern, und ihm M a r i e n als die abgeschmackteste person vorzumalen, wenn ich nur gewollt hätte.
Ich Törinn, dass ich nicht wollte, dass ich Titel und Rang einem guten Auskommen vorzog! Der undankbare Hauptmann. Wie schlecht belohnte er meine Liebe! Doch ich mag an diese Dinge nicht denken, sie machen mich nur noch melancholischer. Ich lege Ihnen hier ein Zettelchen, in unsrer Sprache geschrieben, bei. Sie werden daraus sehen, dass mir daran liegt, die darin entaltnen Dinge vor meiner Abreise beantwortet zu sehen. Schreiben Sie also mir eiligst Nachricht darauf. Ich wünschte, dass Sie mir einen recht langen interessanten Brief schrieben, mit welchem ich mich in der Postkutsche amüsieren könnte; denn meine Reisegesellschaft wird sehr trauriger Art sein.
A propos, W i l d b e r g , es fällt mir eben ein, dass Sie selbst einmal stark von M a r i e n angeschossen waren. Das ist doch, hoffe ich, längst vorüber, sonst würden Sie mir wohl meine Aeusserung von ihr nicht verzeihen. Ich möchte nur wissen, was das wimmernde, moralisirende geschöpf Anzügliches für die Männer haben kann. Leben Sie wohl, und lassen Sie mich künftigen Posttag nicht vergebens auf einen Brief warten. Ich glaube, es sind wenigstens acht Wochen, dass ich nichts von Ihnen sah