würden mit eben so viel Strenge als Sultan M a ss o u d die Verläumdung ahnden. Aber Scherz beiseite, meine M a r i e , ich pflichte Ihrer Meinung vollkommen bei. Ihr Brief hat eine sehr ernstafte wirkung auf mich gehabt, und ich empfand bittre Schaam und Reue über die unvorsichtigen Reden, zu welchen mich zuweilen meine geläufige Zunge verführte. Ich habe auch den festen Vorsatz gefasst, sorgfältiger über mich zu wachen, und mich nie wieder durch meinen Leichtsinn zur Tadelsucht gegen andre hinreissen zu lassen. Da es mir aber doch ein Bisschen schwer fallen möchte, alle spöttischen Anmerkungen zu unterdrücken, so will ich in Zukunft nur über meine eignen Torheiten spotten. Mit diesem Vorsatz sind Sie doch zufrieden, liebste M a r i e , nicht wahr?
Den Tag vor der Hochzeit kam W i l h e l m an. K a r l s h e i m flog in seine arme. Ihre Liebkosungen waren äusserst zärtlich, und W i l h e l m schien sich sehr über die Wendung zu freuen, die seines Freundes Schicksal gehabt hatte. Wie ihre Freudenbezeugungen etwas vorüber waren, bemerkte er auch uns, – J u l i e n und mich – und kam auf uns zu. Wir hatten uns vorgenommen, ihm nicht zu sagen, welche von uns die Braut wäre; sein Scharfsinn erriet es aber gleich. Er küsste mit Wärme J u l i e n s Hand, und sagte auch mir viel Schönes, aber gar nicht in dem Ton der Schmeichelei unsrer jungen Herren. Ueberhaupt haben alle seine Handlungen etwas Charakteristisches, das ihm sehr gut steht, und jede seiner unbedeutendsten Handlungen anziehend macht.
Ich würde nicht so viel von ihm geschrieben haben,
wenn ich nicht aus einem Gemälde, das er im Ringe trägt, wüsste, dass er eine Braut hat. Und wäre auch das nicht, so ist doch mein Herz, durch meine Begebenheit mit K a r l s h e i m , der Liebe auf ewig verschlossen. Ich gebe es zu, dass der Ehestand unsre Bestimmung ist, aber es gibt auch Ausnahmen. Man hat auch im ledigen stand gelegenheit genug, gut und nützlich zu sein. Sie sollen mich in der Erziehungskunst unterrichten, liebe M a r i e , und dann will ich mir ein süsses Geschäft daraus machen, kleine Mädchen zu mir zu nehmen und zu erziehen. Mein sonst so flatterhafter leichtsinniger Geist, den Sie so oft vergebens auf ernstafte Gegenstände zu richten suchten, findet jetzt selbst Geschmack an ernsten Dingen; alle andere Spielereien, die sonst mich ergötzten, sind mir verhasst.
J u l i e war an ihrem Hochzeittage schön, wie ein Engel. Das schmachtende Wesen, welches ihr ehemaliger Kummer so fest in ihre Gesichtszüge gewebt hat, mit der stillen Freude, das Ziel ihrer Wünsche nun erreicht zu sehen, vereinigt, machte eine höchst liebenswürdige Vermischung in ihrem gesicht. Sie trug ein simples weisses taffetnes Kleid mit einer blassblauen Brustschleife. Sie hatte einen leichten Florputz um den Hals, und eben solche Aermel – Spitzen wollte sie nicht annehmen. Statt der jungfräulichen Krone hatte sie eine Rose auf ihrem blonden Haar, und einen Straus von Vergissmeinnicht vor ihrer Brust. K a r l s h e i m betrachtete sie mit Entzücken, und sagte ihr, sie sei ihm jetzt schöner als an dem Tage, da er sie zuerst sah. Sie wurden in einer ländlichen Kirche getraut. Wir hatten den Weg dahin mit Blumen bestreut. Auch die Pfeiler und den Altar hatten wir mit Blumenkränzen umwunden, und die jungen und alten Bewohner des Gütchens folgten paarweise uns nach. Die Traurede war kurz und rührend. Nach der priesterlichen Einsegnung kehrten wir in des Pachters wohnung zurück. Vor dem haus ist ein grosser freier Platz. Hier wurden drei Tafeln gedeckt. An der ersten sassen Braut und Bräutigam, der Prediger und seine Frau – ein rechtes gutes Weib – W i l h e l m , mein Onkel, ich, unser Wirt, einige Aeltesten des Orts, in allem zwölf Personen. An der zweiten sassen alle Männer und Weiber, die alten und jungen, an der dritten das unverheiratete junge Volk und die Kinder. Mein Onkel hatte für alle Tafeln simpel, aber gut zubereiten lassen; auch Wein und Bier floss reichlich, und es herrschte bald eine ungezwungne Fröhlichkeit unter allen Gästen.
Nach der Mahlzeit wurde getanzt. Dieses war zwar nicht nach dem Geschmack des jungen Ehepaars, welches den Tag der Verbindung lieber in stiller Freude, ohne Geräusch, gefeiert hätte; aber sie mussten meinem Onkel nachgeben, der alles nach seinem Geschmack veranstalten wollte. Er selbst tanzte auch sehr rasch für seine Jahre mit der Braut und mit allen Weibern und Mädchen Menuet, und sah nachher mit vielem Anteil den englischen und schwäbischen Tänzen zu. Je lustiger es dabei zuging, um desto mehr erfreute es den alten Mann, und er litt durchaus nicht, dass vor dem Anbruch des Morgens aufgehört wurde. Ein feierlicher Kehraus musste den ländlichen Ball schliessen, und das junge Paar wurde von Anwesenden, unter Musik und Tanz, in das Brautgemach geführt. Einigemal rief mein Onkel mit gerührter stimme aus: Wollte Gott, dass der alte B e h r w a l d noch lebte, und dass ich ihm durch die Feier dieses tages vergelten könnte, was er an mir tat!
Es müssen besondre Umstände unter ihm und dem Seligen vorgefallen sein; denn er gedenkt seiner