die Ihrige ist, wer würde da nicht aufs lebhafteste gerührt werden?"
"Ihre Güte, Mademoiselle, macht mir meinen Vortrag nur noch schwerer. O Gott, ich werde Ihr Glück, Ihre Ruhe untergraben! Ich werde – –"
"Sie machen mich zittern. Ach! nur eine Frage: Betrifft das, was Sie sagen wollen, K a r l s h e i m ?"
"Leider Ihn selbst! Glauben Sie sicher, mein Herz denkt gut genug, um meine Ruhe willig I h r e m . Glück, seinem Glück zu opfern; aber heiligere Pflichten, die Pflicht der Mutter gegen ein hülfloses Kind, heischen diesen Schritt von mir."
"O Gott, ich errate die ganze geschichte. War das dein geheimer Kummer, Karlsheim? Verbargst du ein so unedles Herz unter der zärtlichsten schönsten Larve?"
"ist es möglich? Er hatte Kummer? Ach! so dachte er noch vielleicht an die unglückliche J u l i e ? – Darf ich Ihnen die ganze geschichte erzählen? Oder hassen Sie ein armes Mädchen, das eine so grausame Störerinn Ihres Glücks ist? –"
"Wie könnte ich Sie hassen, – (ich schloss sie mit Tränen in meine arme –) weil Sie auch den liebenswürdig fanden, der es in so hohem Grade ist? Sagen Sie mir alles, ich bitte Sie darum."
"Ich bin die Tochter eines Professors in L. In dem zartesten Alter verlor ich meine Mutter. Mein Vater war über diesen Verlust untröstlich, und wandte nun alle Sorgfalt, die ihm bei seinen Geschäften möglich war, auf meine Erziehung, die ihm die letzten Bitten der Sterbenden noch anempfohlen hatten. Mein sechzehntes Jahr rückte heran. Ich hatte Kenntnisse von mancherlei Dingen, nur noch nicht von Liebe. Ach! nur leider zu bald lernte ich auch diese kennen.
Mein Vater befahl mir einst, ein gutes Abendessen zu veranstalten, weil er den Sohn eines Freundes, der ihm empfohlen war, und bei uns wohnen sollte, erwarte. Der Erwartete kam. Ich sah ihn bei Tische, und fühlte ein gewisses Etwas, mir bisher unbekannt, bei seinem Anblicke. Ich hatte oft schon Männer gesehen, war oft von Ihnen geschmeichelt worden; aber mein Herz war bei allen ihren Galanterien gleichgültig. Noch nie hatte ich den Eindruck gefühlt, den jetzt K a r l s h e i m auf mich machte. Noch niemals war ich so rot geworden, als eben diesen Abend, bei einem schmeichelhaften Lobspruch, den er von ungefähr mir gab. Ich, die sonst gleich lebhafte – man sagte witzige Antworten fertig hatte, beantwortete das, was er mit mir sprach, mit so ungewohnter Blödigkeit, dass mein Vater mich durch die Frage – ob mir was fehle? – noch verlegner machte. Auch K a r l s h e i m s Blicke waren beständig auf mich geheftet, und folgten jedem meiner Schritte.
Nach einigen Gesprächen, die den jungen Mann auch meinem Vater wert machten, kam man auf die englische Sprache. Mein Vater äusserte den Wunsch, mich darin unterrichtet zu sehen. K a r l s h e i m , der das Englische sehr gut verstand, erbot sich zu diesem Geschäfte. Er lehrte mich diese Sprache, und mit ihr die Liebe. Wie feurig übersetzte er mir die Dichter, die von Liebe sangen! Wie bald lernte ich sie verstehen! Mit welchem Anteil lasen wir eine gefühlvolle Stelle! Unsre Empfindungen trafen stets auf einen Punkt zusammen, und stimmten so ganz überein!
So schwanden zwei Jahre, durch die Freuden der Liebe beseligt, uns wie Augenblicke dahin. K a r l s h e i m s Abreise, und gränzenlosee Kummer unsrer Herzen mit ihr, rückte heran. Wir sassen, in zärtlichen Unmut versunken, einst in einer einsamen Laube. Es war der schönste Abend, den ich jemals sah; nur der Mond liess seinen blassen Schimmer auf uns fallen. Unsre Empfindungen waren aufs höchste gespannt – ersparen Sie mir ein demütigendes Bekenntniss – – K a r l s h e i m s Liebkosungen wurden mir zu mächtig, – dieser reine heitre Abend wurde das Ende meiner Ruhe. O wie oft habe ich nachher in deinem Schatten gekniet, einsame Laube, die du das Grab meiner Unschuld warest! Mit aufgehobnen Händen, mit tränenden Augen habe ich mich vor dir angeklagt, keuscher Mond, reine Gotteit, zu der ich nicht mehr hinaufzusehen wagte.
Der Gedanke, in K a r l s h e i m s achtung verloren zu haben, machte mir seine Abreise noch quaalvoller. Er vernichtete meine Befürchtungen, schwur, dass seine Liebe ewig in ihm mit gleichem Feuer leben würde, und unter den zärtlichsten Beteurungen steter Liebe und Treue verliess er mich, von seinen Küssen und Tränen bedeckt. Seine ersten Briefe atmeten lauter Zärtlichkeit. Sehen Sie selbst den Beweis in einem Schreiben von ihm, das ich immer noch als ein heiliges Andenken aufbewahre."
"O Gott! – rief ich aus, wie ich ihn gelesen hatte – welch ein Brief! welche ein hinreissender Ton der Liebe! Nie las ich etwas Rührenders. Und dieses Feuer konnte erlöschen! Ach ich hätte ihm nach diesem Briefe ewige Dauer zugetraut."
"Ja, Mademoiselle, auch ich glaubte, eher würde das Feuer der Sonne erkalten, als K a r l s h e i m s Liebe. Unglücklicher Wahn! Mein Vater