, eine gescheidte Frisur zu behalten. Sollten Sie es wohl glauben, dass ich heute von Monsieur Dechamp nach der neuesten Pariser Mode frisirt bin? Und doch sieht jetzt mein Kopf so mal goufteux aus, dass ich mich schämen muss, vor den Damen zu erscheinen."
M a m s e l l E b a r d . "O, Ihr Kopfputz hat sich noch recht gut gehalten. Uebrigens aber ist es wahr, die Sonne ruinirt alles. sehen Sie nur meinen Teint. Ob ich gleich nie ohne Schleier und Sonnenschirm ausgehe, so bin ich doch gestern auf der Promenade so schwarz gebrannt, wie eine Mohrinn. Nicht wahr, H e r r v o n Grün, ich sehe ganz scheuslich aus?"
H e r r v o n G r ü n widerlegte diess natürlich sehr sinnreich, und nun kam die ganze Gesellschaft auf ein sehr interessantes Kapitel: w i e d i e H a u t i m S o m m e r z u c o n s e r v i r e n s e y ? Zwei Mittel, die besonders angepriesen wurden, notirte Herr S t e r n f e l d in sein Taschenbuch. Mit dieser und ähnlichen Unterhaltungen verstrich der Nachmittag, und die Gesellschaft ging aus einander. S t e r n f e l d empfahl sich mir mit einem sehr zuversichtlichen Wesen, und schien zu glauben, dass er einen sehr günstigen Eindruck auf mein Herz gemacht hätte.
Und nun sagen Sie, M a r i e , kann ich mir nicht zu einem so liebenswürdigen Bräutigam Glück wünschen? Die mir so oft von Ihnen gepriesne Wahrheit: dass der Ehestand unser Beruf sei, macht jetzt doppelten Eindruck auf mich, da ich einen so niedlichen gefährten finde. Wahrhaftig, es würde eine allerliebste Ehe werden!
Nein, M a r i e , Freiheit ist das edelste Gut, und ich will dessen geniessen, so lange ich kann. Ach! ich kenne die Männer: als Liebhaber sind sie schmeichelnd und kriechend, wie die Schoosshündchen; aber nach der Trauung verändert sich die Scene. Unser untertäniger Diener wird hochgebietender Herr, und tyrannisirt das arme Weib für jede Schmeichelei, die er als Bräutigam ihr sagte. Und unter ein solches Joch sollte ich meinen Nacken beugen? Nimmermehr! Ich betrachte die Männer als Geschöpfe, die zum Scherzen und Tändeln in müssigen Stunden recht gut sind, die man sich aber ja nicht darf zu nahe kommen lassen. Es hat noch kein Mann Eindruck auf mich gemacht, und ich glaube gewiss, dass es auch nie geschehen wird. Mein Herz soll eine unüberwindliche Festung bleiben, und nie andre als die Gefühle der Freundschaft kennen. Allein diese Empfindungen sind gegen meine M a r i e desto stärker, und stets wird mit gleicher Wärme für Sie schlagen das Herz
Ihrer
Sophie.
Zweiter Brief
Marie an Sophien
Ich erkenne Sie ganz in Ihrem muntern Briefe, liebe S o p h i e . Aber ob mir gleich das Lesen desselben viel Vergnügen gemacht hat; so bin ich doch mit Ihrer letzten Erklärung nicht zufrieden. Ich höre meine muntre Freundinn gern scherzen, aber nur nicht über einen so wichtigen Gegenstand, als die Ehe ist. Sie haben zwar darinnen Recht, dass mit dem Liebhaber als Ehemann oft eine Veränderung vorgeht, aber wer ist mehr Schuld daran, als die Mädchen selbst? Sie verlangen als Göttinnen von ihrem Liebhaber angebetet zu werden, und fordern eine kriechende Verehrung von ihm. Ist es nicht sehr begreiflich, dass er diese ihm höchst unnatürliche Lage so bald als möglich ablegt, und dass er nun vielleicht die Rechte übertreibt, die ihm der Priester vor dem Altare gibt? Dieser neue Ton muss denn wohl freilich die junge Frau sehr befremden.
Sie, meine Freundinn, werden gewiss nie eine solche nachteilige Veränderung zu befürchten haben. Ich traue Ihnen zu, dass Sie als Braut wohl zärtliche Liebe und gegenseitige gefälligkeit von Ihrem Geliebten fodern, aber nie zugeben werden, dass der M a n n sich zum sklavischen Anbeter erniedrige. Sie werden sich gewiss durch nachgebende Aufmerksamkeit und durch eine genaue Erfüllung Ihrer Pflichten die achtung Ihres Gatten zu erhalten wissen. Und was kann denn wohl schöneres gedacht werden, als die Vereinigung zweier Personen, die sich verbinden, alle Freuden des Lebens durch gemeinschaftlichen Genuss sich zu verdoppeln, und das Leiden durch gegenseitiges Teilnehmen sich erträglicher zu machen!
Und welch eine noch grössere Quelle der Freude glänzt uns im Ehestande! gibt es ein erhabeners Glück als das, sich selbst wieder in Kindern aufleben zu sehen, mit ihnen aufs neue wiederum die Ruhe und den Frieden zu fühlen, der so ganz das Eigentum dieser Jahre der Unschuld ist? Zu sehen, wie eine Seelenkraft nach der andern sich entwickelt? – Wie ist es der zärtlichen Mutter so leicht, den Keim zu Tugend und Glückseligkeit in das junge Herz zu legen, und wie ärndtet sie schon in dem zarten Alter des Kindes den süssen Lohn ihrer Sorgfalt durch seine unschuldsvolle anhänglichkeit an sie!
O wie hasse ich die Mütter, die, gleichgültig gegen diese Freude, ihre Kinder fremden Ammen und Wärterinnen übergeben! Durch diese Art der Erziehung höchst unartig und eigensinnig gemacht, muss sich die Mutter bei jeder gelegenheit der kleinen Unglücklichen schämen. Was ist also zu tun? Sie entfernt sie ganz von sich, und steckt sie in eine Kinderstube. Die Töchter werden unerträgliche Geschöpfe, die nur ihr Geld, oder ihres Vaters Ansehen