zu belachen, der verzweifelnd seiner Geliebten Unglück beklagte, und sich glücklich schätzte, das Geschehene durch eine Eheversprechung wieder gut machen zu können. Dieses ging über ihre Erwartung. So viel hatten sie sich kaum vorgestellt. K l i n g e n s Freude war unbändig. Er wollte nun über eine Weile F e r d i n a n d s Vater einen teil der Sache stecken lassen. Dieser, hoffte er, würde sich aus allen Kräften der Verbindung seines Sohnes widersetzen. H e n r i e t t e sollte dann so viel von Tugend und vom Raub ihrer Ehre schwatzen, dass der reiche Alte sich glücklich schätzen würde mit ein paar tausend Talern von der Sache los zu kommen. Mit diesem Gelde wollte sich dann K l i n g e einrichten, und seine Schöne heiraten. So dachte er. H e n r i e t t e aber dachte anders.
Sie war seiner Liebe satt, empfand mehr Wollust in F e r d i n a n d s Armen, als bei ihm, den die Folgen eines schlecht geführten Lebens matt und kraftlos gemacht hatten. Auch war F e r d i n a n d reich und konnte sie ernähren. Bei K l i n g e n aber fiel es bloss auf sie, für ihren Unterhalt zu sorgen, denn er, nur in Nänken geschickt, war unfähig es je zu etwas zu bringen. Hingegen fand ihr Stolz sich nicht wenig geschmeichelt, wenn sie dachte, welch eine vornehme Dame sie noch einmal bei F e r d i n a n d werden könnte. Sie legte es also im ganzen Ernst darauf an, ihn zu heiraten. Dieses aber verbarg sie sorgfältig vor K l i n g e n , und indem sie in seinen Plan einzustimmen schien, dachte sie heimlich darauf, sich ihn vom Halse zu schaffen.
Diess alles erfuhr ich durch K o c h – so heisst der junge Mensch, von dem ich vorigesmal dir schrieb – und erstarrte. Zugleich sagte er mir auch die Zeit, in der K l i n g e bei ihr zu sein pflege; es waren gerade die zwei Stunden, welche F e r d i n a n d auf dem Fechtboden und im Reitstall zubrachte; dieses waren die einzigen Uebungsstunden, die er noch besuchte.
K l i n g e pflegte ihn in die Strasse zu begleiten, und dann nach H e n r i e t t e n s wohnung zu gehen. Ich begab mich in den langen gang, der zum Fechtboden führt. F e r d i n a n d kam, und stutzte, als er mich sah. Ich gab vor, dass ich einen wichtigen Brief von dir ihm zu geben hätte, und bewegte ihn, mit mir an einen abgelegnen Platz zu gehen. Hier suchte ich sein Herz zu erweichen. Ich erinnerte ihn an die Freundschaft unsrer Kindheit, an seinen alten Vater. Anfangs war alles umsonst, und ich erstaunte über die schnellen Wirkungen, die ein schlechter Umgang auf das Herz macht. Ich merkte aber doch, dass er zuletzt dem Eindruck nicht länger zu widerstehen vermochte, den die Vorstellungen von seinem Vater auf ihn machten. Er wollte seine Rührung verbergen. Ich warf mich um seinen Hals.
"Bester F e r d i n a n d , verbirg nicht diese Rührung, die deinem Herzen Ehre macht!"
"Bartold! ist es möglich, du noch mein Freund?" Er lag nun schluchzend an meinem Halse. Was ich fühlte, kann ich dir nicht beschreiben. Nun, glaubte ich, sei der rechte Zeitpunkt. Ich entdeckte ihm den ganzen Plan der Verschwörung gegen ihn. Aber, aller Vorsicht ungeachtet, brauste er hier wie rasend auf. Er fluchte, schimpfte mich einen Verläumder, und wollte nichts von dem, was ich sagte, glauben.
Zuletzt blieb mir kein andres Mittel übrig, als ihn zu fragen, ob er mit mir zu H e n r i e t t e n gehen, und sich selbst überzeugen wolle.
"Ja – schrie er wütend – das will ich, aber hast du gelogen, so sollst du ein schreckliches Opfer meiner Rache werden."
Er lief erst eilig nach haus, und in einer Minute war er wieder da. K o c h hatte mir den Schlüssel zu einer Hintertür gegeben, durch die man unbemerkt ins H a u s kommen konnte. Wir gingen hinein, und ich führte ihn an einen Ort, von dem man eine stube übersehen konnte, die in den Hof ging, und die, ihrer einsamen Lage wegen, von H e n r i e t t e n zu dem Gemach ihrer geheimen Liebesgeschichten ausersehen war. Hier sah er, auf eben dem Sopha, auf welchem er zuerst ihrer genoss, sein treues Mädchen auf K l i n g e n s Schooss, der sich allerlei Freiheiten bei ihr heraus nahm.
Ich Tor, ich wollte ihn bewegen, wieder mit mir umzukehren, und nur durch Verachtung sich an dem niederträchtigen Paar zu rächen. Aber weit gefehlt! Er war nach haus geeilt, um zwei Degen, unter seinem Mantel verborgen, zu holen. Wütend stürzte er ins Zimmer: "Stirb, schändlicher Verräter! Aber da, Memme, verteidige dich! Fast schäumend eilte er mit dem Degen auf ihn los." Der verräterische K l i n g e brachte